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Obdachloser onaniert vor Kindern

Gericht verhängt 18 Monate Haft Obdachloser onaniert vor Kindern

Seit fast 25 Jahren tritt ein Obdachloser regelmäßig als Exhibitionist in Erscheinung. Zuletzt onanierte er im November 2015 auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Bad Nenndorf vor zwei elfjährigen Mädchen, die schockiert wegliefen. Nun musste er sich vor Gericht verantworten.

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Flüchtlingshelfer-Koordinatorin Diana Ludwig in den neuen Räumlichkeiten der Awo am Stadthäger Marktplatz.

Quelle: ssr

Bad Nenndorf/Stadthagen. Zehn Tage zuvor hatte es der 59-Jährige dabei belassen, auf dem Stadthäger Marktplatz drei Erwachsenen sein entblößtes Geschlechtsteil zu zeigen, ohne zu masturbieren. Zwei weitere Taten ähnlicher Art beging er in anderen Landkreisen. Die Opfer waren Kinder.

 Zumindest eine Zeit lang ist jetzt Schluss damit: Wegen exhibitionistischer Handlungen in vier Fällen, dreimal davon in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Kindern, hat das Schöffengericht in Stadthagen gegen den Nichtsesshaften eine Haftstrafe von 18 Monaten verhängt. „Der Angeklagte hat Minderjährige in Schrecken und Ekel versetzt“, sagte Richter Kai Oliver Stumpe. „Ich kann nicht verantworten, ihn in Freiheit zu entlassen.“

 Bewährung war schon wegen der Vorstrafen kein Thema: Das Register des Obdachlosen beginnt im Jahr 1977 und weist seitdem 21 Einträge auf, davon sieben Verurteilungen wegen Exhibitionismus, die erste 1991. Diebstahl kommt ebenfalls gehäuft vor.

 Auch eine positive Sozialprognose, bei Strafen dieser Höhe Voraussetzung für Bewährung, mochte das Gericht dem Mann, der meistens auf der Straße lebt und dann übermäßig Alkohol trinkt, nicht zu stellen. Haft ist indes nicht der Weisheit letzter Schluss. „Wir haben uns für das kleinste Übel entschieden“, erklärte Richter Stumpe. Und: „Dass der Strafvollzug den Angeklagten nicht läutert, hat die Vergangenheit gezeigt.“

 Verteidiger Lars Hinners sieht es ähnlich. „Wir verschieben nur das Problem, wenn wir ihn wieder dem Strafvollzug aussetzen“, befürchtet er. Hinners‘ Antrag: Bewährung - und als Auflage eine Therapie. Ein Psychiater sagt voraus, „dass es sonst nach der Haft genauso weitergeht“. Die Richter folgten jedoch der Forderung von Staatsanwalt André Lüth. Als „einzige Möglichkeit“ sieht Stumpe die Entlassung in eine Maßnahme, vielleicht nach Verbüßung der Hälfte oder von zwei Dritteln der Strafe.

 Eine dauerhafte Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie scheitert dagegen an der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes. Weil der Exhibitionist keine Kinder angefasst hat oder in anderer Form sexuell übergriffig geworden ist, reicht es dafür nicht.

 Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt scheitert ebenfalls, allerdings an fehlenden Erfolgsaussichten. Im Gefängnis, wo er nach eigener Schätzung zwölf bis 13 Jahre seines Lebens verbracht hat, kommt der Exhibitionist problemlos ohne Alkohol aus. „Aber wenn ich harte Sachen trinke, schaltet etwas ab“, sagt er selbst. Auf freiem Fuß dürfen es dann bis zu drei Flaschen Weinbrand täglich sein.

 In seinem jüngsten Urteil billigt das Gericht dem Angeklagten verminderte Schuldfähigkeit zu. Einem Gutachten zufolge leidet der 59-Jährige an einer Persönlichkeitsstörung im Zusammenspiel mit Alkohol-Missbrauch. Einige Jahre hatte er einen Job als Hausmeister. Da war Ruhe. „Es war die beste Zeit meines Lebens“, erinnert sich der Obdachlose.

 ly

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