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Bad Nenndorf Opfer von Gewalt will anderen Mut machen
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Opfer von Gewalt will anderen Mut machen
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16:03 29.08.2018
Der Weisse Ring bietet auch anonyme Beratung am Telefon. Quelle: Symbolbild dpa
Bad Nenndorf

Gegen einen Angriff hat sich eine Rollstuhlfahrerin zur Wehr gesetzt, indem sie den Vorfall, in dessen Verlauf sie angespuckt und gewürgt wurde, angezeigt hat. Dafür und für ihren Mut, die Sache öffentlich zu machen, spricht ihr die Hilfsorganisation Weisser Ring ein Lob aus.

Um weiteren Ärger zu vermeiden, möchte Kerstin Bucher (Name von der Redaktion geändert) unerkannt bleiben. „Angriffe gehören nicht mehr in mein Leben“, erklärt sie. Sie führe bedingt durch die Behinderung ohnehin ein eingeschränktes Leben. Doch daraus will sie das Beste machen, so die Rollstuhlfahrerin. Deshalb will sie auch nicht länger schweigen und hat sich dazu durchgerungen, die Polizei zu informieren, einen Anwalt zu kontaktieren und sich an diese Zeitung zu wenden.

Betroffenen Mut machen

Ihr gehe es nicht darum, „eine Familie zu denunzieren“. Sie will anderen Betroffenen von Gewalt Mut machen. Denn sie selbst habe der Vorfall völlig aus der Bahn geworfen. In der Vergangenheit habe sie bereits Traumatisches erlebt. Nach dem Angriff traute sich die Rollstuhlfahrerin wochenlang nicht allein auf die Straße und machte eine Therapie, um diese Angst zu überwinden. Erst danach wagte sie nach langem Hadern den Weg zum Polizeikommissariat.

„Traut euch, etwas zu sagen“, appelliert sie an alle Opfer – aber auch an Zeugen von Gewalttaten. „Manche Täter kommen mit allem durch, weil sich niemand traut, etwas zu sagen“, erklärt sie. Wenn ihnen niemand Einhalt gebietet, denken die Täter, sie könnten machen, was sie wollen, fürchtet Bucher.

Weisser Ring rät, immer zur Polizei zu gehen

„Alles richtig gemacht“ – so bewertet Anke Heldt, Außenstellenleiterin des Weissen Rings Schaumburg, die Vorgehensweise. „Ich habe Hochachtung vor der Frau“, lobt sie. Opfer von Gewalt sollten immer die Polizei einschalten. „Egal wie schwer der Weg ist, es ist immer der richtige“, betont Heldt.

Denn wenn die Täter nicht zur Rechenschaft gezogen werden, machen sie immer weiter. Auch wenn die zu erwartenden Konsequenzen für ein Vergehen nicht groß sind und das Verfahren womöglich eingestellt wird, rät Heldt dazu, jegliche Vorfälle dieser Art amtlich zu machen. Dies helfe dem Opfer, Situationen selbst zu verarbeiten.

Opfer von Gewalt sollten sich psychologische Hilfe suchen

Die Angst könne Opfern von Gewalt oft nicht komplett genommen werden. Aber Hilfe von einem Psychologen sollte auf jeden Fall in Anspruch genommen werden.

Wer nach einem Vorfall Angst hat, allein vor die Tür zu gehen, sollte sich jedoch „keinesfalls zu Hause einigeln“. Wer sich vor Öffentlichkeit ängstige, könne beispielsweise Freunde oder Bekannte bitten, sie zu begleiten. göt

Ein offenes Ohr für Opfer von Gewalt

Der Weisse Ring hilft Menschen, die Opfer von Kriminalität und Gewalt geworden sind. Dabei gibt es verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten – von einem offenen Ohr bis zu finanzieller Hilfe.

So kann der Weisse Ring zum Beispiel einen Beratungs-Check für Termine bei einem Psychiater oder Anwalt ausstellen. Zudem bietet die Organisation Unterstützung bei Gängen zur Polizei oder zum Anwalt.

Auch vor Gericht können sich die Opfer begleiten lassen. „Wir hören vor allem zu“, erklärt Außenstellenleiterin Anke Heldt. Auch bei Anträgen und Formularen bietet die Organisation Unterstützung – beispielsweise bei der Hilfe für Opfer von Gewalttaten nach dem Opferentschädigungsgesetz. Heldt und ihre Kollegen sind erreichbar unter Telefon 01 51 - 55 16 47 11 oder per E-Mail an weisserring-schaumburg@gmx.de.

Das Opfer-Telefon (Nummer 11 60 06) sowie die Onlineberatung der Bundesorganisation sind kostenfrei und anonym. Weitere Informationen dazu gibt es auf www.weisser-ring.de.