Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Prozess wegen Schlägen mit dem Bambusstock

Bad Nenndorf Prozess wegen Schlägen mit dem Bambusstock

Im Wahn soll ein psychisch Kranker aus Bad Nenndorf auf offener Straße einen Sozialpädagogen geschlagen und verletzt haben. Mehr als zwei Jahre nach dem Vorfall hat am Mittwoch vor der 1. Großen Strafkammer am Bückeburger Landgericht ein Sicherungsverfahren begonnen. Das Ziel ist die dauerhafte Unterbringung des heute 28-Jährigen in der geschlossenen Psychiatrie.

Voriger Artikel
„Künstler“ zwischen sechs und 90 Jahren
Nächster Artikel
Zum Schluss pflanzen sie einen Apfelbaum

Bad Nenndorf/Bückeburg. Oberstaatsanwalt Frank Hirt geht davon aus, dass der Bad Nenndorfer zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat wegen seiner schweren seelischen Erkrankung schuldunfähig war. Schuld ist im deutschen Rechtssystem die Voraussetzung für Strafe. Deshalb kann der Mann voraussichtlich nicht wie ein Gesunder bestraft werden, in diesem Fall wegen gefährlicher Körperverletzung. Sicherungsverfahren dienen dem Schutz der Allgemeinheit. Der Beschuldigte schweigt zu den Vorwürfen, vermutlich auf Anraten seines Verteidigers Reiner Wötzel.

Gemeldet hatte sich im Mai 2013 die Mutter des Mannes. Mehrfach soll der Sohn ihr im Gebüsch aufgelauert und sie tätlich angegriffen haben. Als der Sozialpädagoge (62) und ein 35 Jahre alter Sozialarbeiter vormittags in Bad Nenndorf eintrafen, stand der Kranke vor dem Haus, auf dem Kopf einen Strohhut, in der Gesäßtasche einen angespitzten Bambusstock. Anfangs bestritt er, der Gesuchte zu sein, gab sich dann aber zu erkennen.

Die Männer kamen vom Sozialpädiatrischen Dienst und sollten klären, ob eine Unterbringung nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz infrage kommt. Nach ihren Erinnerungen redete der Nenndorfer wirr. „Er behauptete, sexuellen Belästigungen in der Öffentlichkeit ausgesetzt zu sein“, so der Sozialpädagoge als Zeuge vor Gericht.

Seine Besucher soll der Mann mit dem Strohhut zunächst für Mitarbeiter des Gesundheitsamtes gehalten haben, die ihm persönlich mitteilen wollten, dass er keinen Krebs habe. „Er hatte Angst, dass man ihm die Lunge rausschneiden würde“, so der 35-jährige Kollege. „Man hatte den Eindruck, dass das seinem Wahn entspringt.“ Außerdem wollte der Kranke die Männer nach Waffen durchsuchen.

Später schlug er einen Spaziergang vor. Scheinbar friedlich gingen die drei nebeneinander her. Plötzlich soll der 28-Jährige dann den älteren Mann mit der Faust aufs Ohr geschlagen haben, bevor er ihm mehrere Hiebe mit dem Bambusstock versetzte. Das Opfer erlitt eine Stauchung der Halswirbelsäule, eine Prellung am Ohr sowie eine Wunde an jener Hand, die er schützend vors Gesicht gehalten hatte.

Irgendwann, so der Verletzte, habe der Nenndorfer von ihm abgelassen und sei „gemütlich weggegangen“, bevor er in einer Seitenstraße verschwand. Nie zuvor in 27 Berufsjahren ist der Mann vom Sozialpädiatrischen Dienst angegriffen worden. „Das Vertrauen, das ich hatte, hat sich relativiert“, sagt er. Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender der Strafkammer, hat drei Verhandlungstage anberaumt, sieben Zeugen und einen Gutachter geladen. Das Urteil soll am Montag verkündet werden. ly

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg