Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Quo Vadis, Kurhaus?

Bad Nenndorf / Bürgerentscheid Quo Vadis, Kurhaus?

Am Sonntag ist in Bad Nenndorf nicht nur Bundestagswahl sondern auch Bürgerentscheid über die Zukunft des Kurhauses. Sechs Monate lang hatte eine Bürgerinitiative Unterschriften gesammelt, im Sommer gab die Verwaltung grünes Licht: Es sollte zum Entscheid per Bürgervotum kommen. Nun ist es so weit. Doch die Bad Nenndorfer Ratsfraktionen sind nach wie vor uneins in der Frage „Abriss oder Sanierung?“ Die SN haben die drei Positionen in Kurzform zusammengestellt.

Voriger Artikel
Saftige Erfrischung für 500 Feiernde
Nächster Artikel
„Schleuderbilder“ und Schatzsuche erfreuen Kinder
Quelle: pr.

Sanierungskosten könnten aus dem Ruder laufen

Die SPD tritt nach anfänglicher Sympathie für die Sanierungs-Idee seit 2012 für den Abriss des Kurhauses und einen Neubau ein. Ein Hauptargument der Sozialdemokraten: Die Sanierungskosten würden angesichts weiterer Großvorhaben – allen voran die Rathaussanierung – ausufern, zumal Kostenkalkulationen von Modernisierungsarbeiten schon beim Schlösschen und beim Mehrgenerationenhaus aus dem Ruder gelaufen waren. Darüber hinaus weist die SPD darauf hin, dass eine Sanierung das Kurhaus nicht gleichwertig mit einem Neubau machen würde.

  • Baukosten: Die SPD muss derzeit mit dem Manko leben, dass kein Neubauentwurf vorliegt, der sich gegen den Entwurf zur Sanierung aufrechnen ließe. Die anfangs angeführten 5,8 Millionen Euro an Neubaukosten würden lediglich für ein deutlich kleineres Gebäude anstelle des Kurhauses ausreichen. DSK-Expertin Brigitte Vorwerk prognostizierte dem Rat Neubaukosten von mindestens zehn Millionen Euro. Eine Idee ist es, den Neubau einem Investor zu übertragen, der das Gebäude, nachdem es abgeschrieben ist, günstig an die Stadt verkauft.
  • Weitere Kosten: Die SPD betont, dass die Kosten für den Neubau eine abgeschlossene Rechnung bildeten, die keine Folgekosten mit sich bringen würde. Mit einem Umzug der Verwaltung in den Neubau könnte das alte Rathaus verkauft und die dort anfallende Sanierung gestrichen werden. Die Sanierung wird mit 2,5 Millionen Euro taxiert, der Verkauf des Grundstücks mit dem bald leer stehenden Feuerwehrhaus (Neubau ist in Planung) würde weiteres Geld in die Kasse spülen. Diese Überlegungen waren ausschlaggebend für den Schwenk der SPD zum Abriss.
  • Rathaus: Das Rathaus soll nach dem Wunsch der SPD in den Neubau einziehen, allerdings nicht ausschließlich. Auch Gastronomie und Geschäfte soll es dort weiterhin geben. Ein zentraler Sitz der Verwaltung und bessere Parkmöglichkeiten für Mitarbeiter und Besucher von Rathaus und Bürgerbüro sind die Ziele. Sollte ein Investor den Neubau errichten, wären dann aber sechsstellige Mietzahlungen pro Jahr fällig.
  • Mieter: Mit den medizinischen Praxen im Kurhaus haben SPD und CDU versucht, einen Umzug in den früheren Plus-Sitz auszuhandeln. Dies scheiterte seinerzeit an den Modalitäten, über die mit dem Investor für das Ex-Plus-Gebäude keine Einigung zu erzielen war. Finanziell nicht mehr kalkulierbar lautete das Urteil von Mietern. Die SPD verweist zudem auf Probleme, das Kurhaus derzeit zu vermieten. Einige Interessenten seien abgesprungen, nachdem sie sich im Kurhaus umgeschaut hatten. Im Falle einer Sanierung würden die derzeitigen Mieter unter deutlichen Einbußen leiden.
  • Denkmalschutz/Quellenschutz: Das Kurhaus steht nicht unter Denkmalschutz, wohl aber befindet es sich im denkmalgeschützten Kurpark, wo zudem auch Heilquellenschutz zu beachten ist. Die SPD geht davon aus, dass diese Umstände einem Neubau nicht im Wege stehen, etwaige Einschränkungen seien planbar.
Quelle: pr.

Bedeutendes Bauwerk retten und Kosten sparen

Die Wählergemeinschaft – ebenso der Linken-Ratsherr Olaf Buschmann und die parteilose Sabine Finsterle – fordern die Umsetzung der vorliegenden Sanierungspläne des Architekturbüros pm. Ein Hauptargument der WGN: Die Sanierung soll deutlich günstiger ausfallen als ein Abriss mit anschließendem Neubau. Darüber hinaus wirbt die Wählergemeinschaft mit dem Erhalt des bedeutendsten Bad Nenndorfer Gebäudes aus der Nachkriegszeit und führt den einst renommierten Architekten Ernst Zinsser als Schöpfer des Bauwerks an.

  • Baukosten: Die WGN beruft sich auf Kosten von 5,93 Millionen Euro, eine Summe, die auch die Initiatoren des Bürgerbegehrens anführen. Zuvor war von 6,8 Millionen Euro die Rede gewesen, diese Summe bemühte auch die Expertin der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) bei ihrem Vortrag im Rat. Für die Sanierung sollen die aktuellen Mieteinnahmen ausreichen, was die DSK-Expertin allerdings bezweifelte. Sie schlug eine abgespeckte Sanierung vor. Von der Investoren-Variante hält die WGN nichts, weil davon auszugehen sei, dass der Investor die neue Immobilie auch nach der Abschreibung nur für mehrere Millionen Euro verkaufen würde.
  • Weitere Kosten: Der Sanierungsbedarf am Rathaus wird von der WGN nicht abgestritten, allerdings favorisiert die Wählergemeinschaft eine Modernisierung des Rathauses in mehreren Schritten und finanziell über Jahre gestaffelt. Dass ein Aufschub vertretbar wäre, belegen Aussagen aus der Verwaltung, die demnach mit dem aktuellen Sitz weitgehend zufrieden und sogar ausdrücklich gegen einen Umzug ins Kurhaus oder einen Neubau ist. Die WGN listet außerdem auf, dass beim Abriss mehr als zwei Millionen Euro verschwendet würden, weil das Kurhaus noch immer einen siebenstelligen Wert habe und bereits mehr als eine Million Euro in das Gebäude investiert wurden. Hingegen würde der Abriss noch eine weitere sechsstellige Euro-Summe verschlingen. Auch ein Architektenwettbewerb wäre teuer.
  • Rathaus: Den Rathausumzug lehnt die WGN ab, zumal die Verwaltung derzeit kostenfrei untergebracht sei, wohingegen in einem Neubau eine hohe Miete anfallen dürfte, so denn ein Investor ins Spiel kommt. Und: Ein Rathaus würde das Zentrum nicht beleben.
  • Mieter: Die WGN verweist auf Mietverträge fürs Kurhaus, die noch bis zu neun Jahre laufen. Die Sanierung könne indes mit dem Fortbetrieb der Praxen und der anderen Mieter abgestimmt werden. Ratsfrau Sabine Finsterle ist Mieterin, betreibt eine Chiropraxis im Kurhaus, deren Verbleib sie sich ausdrücklich wünscht.
  • Denkmalschutz/Quellenschutz: Die WGN beruft sich auf Aussagen des Landkreises und des Architekten Norbert Schittek, die davor warnen, das derzeit bestehende Ensemble Kurhaus/Kurpark aufzubrechen. Dieses habe Bestandsschutz, bei einem Neubau könnten deutlich strengere Maßstäbe hinsichtlich der Auflagen angelegt werden.
Quelle: pr.

Warnung vor einem „Fass ohne Boden“

Die CDU befürwortet den Abriss des Kurhauses und einen Neubau, im Unterschied zur SPD hat sich diese Haltung nie gewandelt. Noch mehr als die SPD warnen die Christdemokraten vor dem Sanierungsfall Kurhaus als „Fass ohne Boden“, sei das Gebäude doch arg in die Jahre gekommen und selbst nach der Sanierung möglicherweise weiterhin ein kostenintensives Objekt, das die Stadt zu verwalten hätte. Von der CDU stammt die Idee eines Architektenwettbewerbs, bei dem ein Entwurf ausgewählt und später umgesetzt werden soll.

  • Baukosten: In der CDU ist man sich bewusst, dass für einen Neubau noch keine belastbaren Zahlen vorliegen. Daher klammert sie das Thema auch aus ihren Überlegungen weitestgehend aus. Erst bei dem Architektenwettbewerb sollen Entwürfe und damit verbundene Kosten auf den Tisch kommen. Die Christdemokraten sind jedoch strikt dagegen, mehrere Millionen Euro in ein 50 Jahre altes Gebäude zu investieren. Auch die Investoren-Variante findet in der CDU Zustimmung, wobei dann die Interessen des Investors mit den Bedingungen des Architektenwettbewerbs in Einklang zu bringen wären.
  • Weitere Kosten: Das von der SPD aufgeworfene Argument, dass die Stadt eine erdrückende Kostenlast in puncto Altbausanierung aufgebürdet bekäme, hat auch die CDU aufgegriffen. Die Christdemokraten warnen eingehend davor, dass auch nach einer Sanierung immer wieder Geld ins Kurhaus gesteckt werden müsste. Ein Ausrufezeichen für dieses Argument findet die CDU derzeit im Foyer des Kinos, wo trotz der gerade erfolgten Dachsanierung der Wandelhalle, unter der sich das Foyer befindet, Wasser durch die Decke gedrungen ist.
  • Rathaus: Auch in CDU-Kreisen wird ein Umzug der Verwaltung in einen Neubau favorisiert. Moderne Verwaltung gehöre auch wegen kurzer Wege in die Innenstadt. Wie die SPD würde die CDU die Sanierungskosten für das Gebäude an der Bahnhofstraße gern einsparen.
  • Mieter: Mit den medizinischen Praxen im Kurhaus haben SPD und CDU versucht, einen Umzug in den früheren Plus-Sitz auszuhandeln. Dies scheiterte seinerzeit an den Modalitäten, über die mit dem Investor für das Ex-Plus-Gebäude keine Einigung zu erzielen war. Finanziell nicht mehr kalkulierbar lautete das Urteil von Mietern.
  • Denkmalschutz/Quellenschutz: Die Christdemokraten messen dem Argument des Denkmalschutzes keine grundlegende Bedeutung für das Kurhaus-Projekt zu. Sollte es Auflagen für einen Neubau geben, dann müssten diese bei der Neubauplanung berücksichtigt werden.
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Eine gute Tradition findet regelmäßig ihre Fortsetzung – die „Aktion Weihnachtshilfe“. In der Vorweihnachtszeit rufen die Schaumburger Nachrichten unter dem Motto „Schaumburger helfen Schaumburgern“ jedes Jahr zu Spenden für bedürftige Menschen im Landkreis auf. mehr

Schaumburg