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Rauschgift für 290.000 Euro

Bad Nenndorf/Stadthagen / Prozess Rauschgift für 290.000 Euro

Ein Fall aus Bad Nenndorf weist Ähnlichkeiten mit der mehrfach preisgekrönten US-Fernsehserie „Breaking Bad“ auf, in der sich ein Chemielehrer mit Lungenkrebs zum eiskalten Kriminellen wandelt. Verhandelt wird zurzeit vor dem Amtsgericht Stadthagen.

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Quelle: dpa

Bad Nenndorf/Stadthagen. Hier wie da geht es um die synthetische Droge „Crystal Meth“, auch bekannt als Methylamphetamin. Im großen Stil soll ein Nenndorfer versucht haben, das Rauschgift im heimischen Labor herzustellen. Im Garten des 33-Jährigen waren rund 2,8 Kilogramm eines Vorproduktes gefunden worden. Damit ließe sich ein Kilo reines „Crystal Meth“ herstellen, das für den Straßenverkauf um das Zehnfache gestreckt würde. Gewinnerwartung laut polizeilicher Hochrechnung: rund 290.000 Euro.

Zum Prozessauftakt vor dem Schöffengericht in Stadthagen hat der Angeklagte seine Unschuld beteuert. „Ich nehme keine Drogen, ich verachte Drogen“, sagte er. Der 33-Jährige kann alles erklären. Literweise will er ein Extrakt bestellt haben, um damit Scheiben- und Kühlerfrostschutz für Autos selbst herzustellen, dann wieder „ein sehr gutes Reinigungsmittel“ für Felgen.

Weil die Materie recht kompliziert ist, hat Richter Kai Oliver Stumpe Gutachter hinzugezogen. „Ich habe vom Chemieunterricht nur noch die hübsche Lehrerin in Erinnerung“, bekennt der Vorsitzende des Schöffengerichts. Auch Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt tut sich beim Verlesen der Anklageschrift stellenweise schwer, weil die Namen einiger Chemikalien echte Zungenbrecher sind.

Im Gegensatz zu Walter „Heisenberg“ White, der Hauptfigur in „Breaking Bad“, ist der Angeklagte zwar weder todkrank noch Chemielehrer, kennt sich aber bestens mit Chemikalien aus. Zuhause hatte er ein komplett eingerichtetes Labor, ein zweites war im Aufbau. Drogen waren bei ihm jedoch nicht entdeckt worden. Dafür fanden sich Anhaftungen von „Crystal Meth“ an einer Schutzmaske, Handschuhen und einer Waage. Maske und Handschuhe wiesen ausschließlich DNA-Spuren des Hausherrn auf.

Unter Verdacht geraten war der Nenndorfer nach Ermittlungen gegen einen Online-Shop, zu dessen Kunden der mutmaßliche Drogenkoch gehört haben soll. Hinzu kommt: An seinem Computer waren Recherchen im Internet angestellt worden, wie man Amphetamin im Labor produziert. „Was mit Drogen zu tun hat, habe ich nie bewusst recherchiert“, versichert der Mann auf der Anklagebank. Und wie Amphetamin gekocht wird, ist ihm „vielleicht vom Sehen und Hören bekannt“.
„Crystal Meth“ unterdrückt Müdigkeit, Hunger und Schmerz. Es verleiht ein Gefühl von Stärke und Selbstbewusstsein, Schlafen wird zur Nebensache. Der Preis ist hoch: Zu den Nebenwirkungen gehören Psychosen und Paranoia. Im zweiten Weltkrieg bekamen deutsche Soldaten das Mittel verabreicht, um Angstgefühle zu dämpfen.

Der Nenndorfer soll versucht haben, Betäubungsmittel in nicht geringer Menge herzustellen. Juristisch werden solche Taten als Verbrechen eingestuft. Der Prozess wird fortgesetzt. ly

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