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Seit dem ersten Foto vereint

Gnadenhochzeit Seit dem ersten Foto vereint

„Er hat mir nachgestellt“, sagt Gertrud Irlenborn scherzhaft. Ihr Mann Helmut erwidert mit einem Lächeln: „Ich habe sie nur in Augenschein genommen.“ Während sie reden, schauen beide auf ein Foto vom 26. Februar 1941. Dem Tag, an dem sie sich zum ersten Mal gesehen haben.

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Gertrud und Helmut Irlenborn feiern am Dienstag ihren 70. Hochzeitstag.

Quelle: js

Bad Nenndorf. Am Dienstag feiern sie ihren 70. Hochzeitstag, ihre Gnadenhochzeit – und haben den Moment des Kennenlernens nicht vergessen. Beide waren im Februar 1941 in Lingen an der Ems. Sie war im Rahmen des Arbeitsdienstes dort, er als Soldat in Lingen stationiert. Gertrud schlenderte mit einer Freundin über den dortigen Marktplatz, ließ sich von ihr fotografieren. Dieses Foto halten Helmut und Gertrud nun, 73 Jahre später, in den Händen. Kurios: Im Hintergrund ist ein schneidiger Uniformierter zu sehen, der die junge Gertrud anschaut. Bevor das Jubelpaar also überhaupt miteinander sprach, hat es einen ersten gemeinsamen Schnappschuss gegeben – unzählige weitere Fotos sollten folgen.

 Sie kamen ins Gespräch, verliebten sich schnell und versprachen, den Kontakt immer aufrecht zu erhalten. Denn die Pflicht rief Helmut an die Fronten nach Frankreich und Russland. „Wir haben uns zahllose Briefe geschrieben“, sagt Gertrud Irlenborn. „Irgendwann, ich glaube es war ungefähr bei 90 Briefen, habe ich aufgehört zu zählen“, erinnert sich ihr Mann.

 Die gebürtige Gelsenkirchenerin wohnte zum Ende des Krieges auf einem Bauernhof mit ihren Großeltern in Engern (Rinteln). „Das war immer meine zweite, schönere Heimat“, erzählt sie. Ihren Helmut besuchte sie, sooft es der Dienst zu ließ. Am 18. November 1944 heirateten beide in Engern. Kurz darauf musste der Soldat wieder an die russische Front. Doch er hatte Glück im Unglück. Zum Kriegsende, im Mai 1945, kam er unverletzt nach Hause zurück und entging der Kriegsgefangenschaft. „Mein Schatz war endlich bei mir“, erinnert sich die 91-Jährige lebhaft.

 Helmut fand anschließend, dank guter Englisch-Kenntnisse, Arbeit als Dolmetscher und Fuhrpark-Verantwortlicher im britschen Militärhospital in Rinteln. Seine Frau arbeitete in einem Modehaus in Rinteln. Eine glückliche Zeit, die mit der Geburt ihres einzigen Sohnes Wolfgang am 27. August 1945 eingeläutet wurde. Mit Gründung der Bundeswehr 1955 eröffnete sich für Helmut Irlenborn eine neue berufliche Perspektive, und die junge Familie zog nach Bothfeld, wo sie bis Mitte der neunziger Jahre lebte. 1997 folgte der bisher letzte Umzug. „Ich wollte endlich wieder ins Schaumburger Land“, erklärt Gertrud Irlenborn. Ihr heute 95-jähriger Ehemann suchte mit ihr eine zentrumsnahe Wohnung in einer schönen Stadt – und wurde in Bad Nenndorf fündig.

 Auf das Geheimnis ihrer langen Ehe angesprochen, sagt Gertrud Irlenborn mit einem Schmunzeln: „Es ist wichtig, dass man sich selbst nicht allzu wichtig nimmt.“ Ihr Mann wirft ein: „Und dass man einander immer schätzt.“ Ihr Sohn Wolfgang kann das aus erster Hand bestätigen: „Es ist erstaunlich, wie zärtlich beide auch heute noch miteinander umgehen.“ Fast wie auf Zuruf blickt Gertrud daraufhin Helmut in die Augen und sagt: „Er ist ja auch immer noch mein Schatz. Da gehört ein Küsschen einfach dazu.“ js

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