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Bad Nenndorf Setzte Busfahrer Grundschüler im Nirgendwo aus?
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Setzte Busfahrer Grundschüler im Nirgendwo aus?
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18:03 30.10.2018
Hartes Pflaster: An dieser Landstraße zwischen Horsten und Ohndorf, auf der Lkws und andere Kraftfahrzeuge mit bis zu 100 Stundenkilometern unterwegs sind, soll der Siebenjährige nach dem Verlassen des Busses entlanggeirrt sein. Quelle: lht
Bad Nenndorf

Die Vorwürfe, die Meike Tegeler gegen die Schaumburger Verkehrsgesellschaft (SVG) und das Busunternehmen Rottmann & Spannuth erhebt, wiegen schwer. Ein Busfahrer soll ihren sieben Jahre alten Sohn Pepe, der auf dem Heimweg von der Berlin-Grundschule nach Waltringhausen aus Versehen in einen falschen Bus gestiegen war, wissentlich irgendwo im Nirgendwo ausgesetzt haben.

Im Gespräch mit dieser Zeitung weisen beide Unternehmen die Vorwürfe vehement zurück und erklären, das Kind sei kommentarlos und aus eigenen Stücken aus dem Bus ausgestiegen.

Mitschüler steigt schon vorher aus

Doch der Reihe nach. Denn laut Tegeler beginnen diese Geschichte und damit die Unstimmigkeiten bereits an der Bushaltestelle vor der Berlin-Schule in Bad Nenndorf. Dort soll sich ihr Sohn beim Busfahrer danach erkundigt haben, ob der Bus in seinen Heimatort Waltringhausen fährt, was dieser bejaht habe. „Anschließend fuhr der Bus aber einen Weg, den er sonst nicht nimmt“, berichtet Tegeler.

Ein Mitschüler ihres Sohnes soll daraufhin bereits in der Ortsmitte von Horsten ausgestiegen sein. Pepe hingegen sei weitergefahren und habe dem Busfahrer Tegelers Schilderung zufolge Bescheid gegeben, dass er sich im falschen Bus befindet. Daraufhin hätte ihn der Busfahrer aufgefordert, das Fahrzeug an der Alten Badeanstalt in Horsten zu verlassen.

"Wir setzen keine Kinder in der Wildnis aus"

Die Schaumburger Verkehrsgesellschaft widerspricht dieser Darstellung. Erstens seien die beiden Jungen zunächst im richtigen Bus gewesen und wären trotz den Hinweisen des Busfahrers und anderer Kinder in das falsche Fahrzeug gewechselt. Zweitens seien Pepe und sein Freund in Horsten kommentarlos ausgestiegen.

„Wir setzen doch keine Kinder in der Wildnis aus“, beteuert Thomas Liepa von der SVG. Hätten sich die Jungen beim Busfahrer gemeldet, hätte dieser ein Taxi organisieren können oder die Kinder in einen entgegenkommenden Bus zurück nach Bad Nenndorf umsteigen lassen.

Allein an gefährlicher Straße unterwegs

Stattdessen sei der Siebenjährige auf sich allein gestellt gewesen, berichtet Tegeler. Letztlich habe sie ihren Sohn am Rand der Landstraße zwischen Horsten und Ohndorf wiedergefunden. Sie habe in Waltringhausen von einer anderen Mutter gehört, dass Pepe in den Bus nach Haste gestiegen war und daraufhin dessen Route abgesucht.

In der Zwischenzeit habe der Siebenjährige bereits mehrere hundert Meter an der viel befahrenen Landstraße zurückgelegt. „Er hat sich wacker geschlagen“, sagt Tegeler. „Erst als ich ankam, brach er in Tränen aus.“

von Lennart Hecht