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Bad Nenndorf Spurensucher forschen über Agnes Miegel
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Spurensucher forschen über Agnes Miegel
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20:05 23.03.2012
Pia Leimke (links) und Tanja Rudeck stellen ihre Forschungsarbeit zum Auftakt der AgnesMiegel-Tage vor. Quelle: kcg
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Bad Nenndorf (kcg)

Wie in vielen anderen deutschen Städten diskutiert auch der Gemeinderat in Stuhr darüber, die Agnes-Miegel-Straße im Ortsteil Brinkum umzubenennen. Als Entscheidungsgrundlage beauftragten die Kommunalpolitiker den Projektkurs „Spurensuche“ der KGS damit, sich wissenschaftlich mit Miegels Verhältnis zum NS-Regime auseinanderzusetzen. Zwölf Seminararbeiten mit unterschiedlichen Fragestellungen seien zum Thema entstanden, erklärte Annemete von Vogel, stellvertretende Vorsitzende der Miegel-Gesellschaft. Gemeinsam mit der Vorsitzenden Marianne Kopp sei sie eine Doppelstunde lang zu Gast in der KGS gewesen, um mit den Schülern und Gemeinderatsvertretern zu diskutieren.

 Kopps und von Vogels Aussagen sind denn auch in die Arbeit von Pia Leimke und Tanja Rudeck eingeflossen. Die Schülerinnen beschäftigten sich in ihrer Facharbeit mit Miegels Verhalten in der Zeit von 1933 bis 1945. Im Internet seien sie zunächst auf die Aussage gestoßen, Miegel sei eine Anhängerin der Nazis gewesen, schilderte Rudeck. „Davon wollten wir uns nicht beeinflussen lassen, sondern wollten alle Quellen genau überprüfen und uns eine eigene Meinung bilden.“

 Fazit der beiden jungen Frauen: Eine Aussage über Miegels Verhältnis zum Hitler-Regime sei sehr schwer zu treffen. Dennoch tendiere der Projektkurs nach vielen Diskussionen zu dem Schluss, dass „Miegel eine nationalsozialistische Heimatdichterin war“. Dabei stützen sich die Schülerinnen vor allem auf zwei Punkte: Zum einen Miegels Aussage in einem Brief an den befreundeten Hans Friedrich Blunck, Präsident der Reichsschrifttumskammer, sie sei Nationalsozialistin. Zum anderen auf ihr Forschungsergebnis, dass Miegel nach 1933 keine jüdischen Freunde mehr in ihren Schriften erwähnte und den Kontakt scheinbar abbrach.

 Eine Zuhörerin merkte an, dass es für einen Freundschaftsabbruch keine Belege gebe. Miegels Bekenntnis zur ostpreußischen Heimat dürfe nicht mit Nationalsozialismus verwechselt werden. Kopp erklärte zuvor, dass Miegels Aussagen wie in persönlichen Briefen getroffen im Kontext ihrer Zeit gedeutet werden müssten. Zudem sollten sie nicht als für die Öffentlichkeit bestimmte Bekenntnisse gewertet werden.

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