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Stromdieb bedient sich im Hausflur

Bad Nenndorf/Bückeburg / Kleinkrimineller Stromdieb bedient sich im Hausflur

Bevor sich das Gericht zur Beratung zurückzieht, unternimmt der Angeklagte einen letzten Versuch. „Bitte nehmen Sie meinen Kindern nicht den Vater“, fleht er. Zu spät.

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Bad Nenndorf/Bückeburg (ly). „Sie sind x-mal vorbestraft und offenbar unbelehrbar“, findet die Vorsitzende Eike Höcker deutliche Worte, nachdem die Berufungskammer zurückgekehrt ist, um das Urteil zu verkünden. An einem Vorstrafenregister mit 18 Einträgen kommen die drei Richter nicht vorbei. Der Nenndorfer (41) verlässt das Bückeburger Landgericht mit der bitteren Erkenntnis, fünf Monate Freiheitsstrafe absitzen zu müssen.

Wegen ein paar Cent ist der erfahrene Straftäter das Risiko eingegangen, ins Gefängnis zu müssen. Weil er Rechnungen nicht bezahlt hatte, war ihm vor etwa einem Jahr der Strom für seine Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus abgestellt worden. Obwohl der Arbeitslose mit seiner Vermieterin im Dauerclinch lag, nahm er ein Verlängerungskabel und bediente sich aus einer Gemeinschaftssteckdose im Hausflur. Juristen nennen so etwas „Entziehung elektrischer Energie“, besser bekannt als Stromklau. „Der Schaden war wahrscheinlich im Cent-Bereich anzusiedeln“, vermutet Richterin Höcker.

Um rund 18 Euro geht es in einem zweiten Fall. In einem Bad Nenndorfer Tanzlokal hatte der Langfinger im August 2010 einen unbeobachteten Moment genutzt, um Geld aus der Handtasche einer Frau (61) zu stehlen. Wertmarken für ein Schwimmbad riss er sich bei der Gelegenheit ebenfalls unter den Nagel. Weil der 41-Jährige vor dem Diebstahl mit am Tisch gesessen hatte, war der Verdacht sofort auf ihn gefallen.

Nachdem der Nenndorfer seine Hosentaschen geleert hatte, flog die Sache auf. „Plötzlich fanden sich Bademünzen aus dem Portemonnaie der Frau“, so Oberstaatsanwalt Martin Appelbaum. „Da fällt es schwer, an Zufälle zu glauben.“ Außerdem hatte der Dieb genau jene Summe Bargeld in der Tasche, die dem Opfer abhanden gekommen war.

Zu einem Geständnis konnte sich der Angeklagte dennoch nicht durchringen, obwohl sich dies bekanntlich strafmildernd auswirkt. „Ich wusste doch, dass ich auf Bewährung bin“, erklärte er. „Warum sollte ich mir wegen so einem Blödsinn alles verbauen?“ Den Stromklau gab der 41-Jährige zur Hälfte zu, behauptete aber, Nachbarn hatte die Erlaubnis der Vermieterin gehabt, sich an die Steckdose zu hängen. Dies bezog er einfach auch auf sich.
Beide Taten gehören in die Kategorie Kleinkriminalität, können aber trotzdem zu einer Haftstrafe ohne Bewährung führen. Allein wegen Eigentums- und Vermögensdelikten haben Gerichte den Nenndorfer seit 1992 neunmal verurteilt. Es sei ungewöhnlich, für eher geringfügige Dinge eine Freiheitsstrafe zu bekommen, erklärte Richterin Höcker. Irgendwann ist das Maß eben voll.

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