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Symbol für den Widerstand

Beispielhaft Symbol für den Widerstand

Nach dem Aus des Neonazi-Aufmarsches entwickelt sich Bad Nenndorf immer mehr zum Symbol für den erfolgreichen Widerstand gegen rechtsextreme Demonstrationen. Im niedersächsischen Landtag sowie am Rande einer Anti-Nazi-Demonstration in Rheinland-Pfalz wurde die Kurstadt nun entsprechend gewürdigt.

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Anja Piel (links) mit dem Grünen-Minister Stefan Wenzel bei der 2015er-Demonstration in Bad Nenndorf.

Quelle: Archiv

Bad Nenndorf. Nachdem Bautzener Politiker bereits dazu aufgerufen hatten, auch dort mit Protestaktionen wie in der hiesigen Kurstadt gegen braune Aufmärsche zu protestieren (wir berichteten), wurde Bad Nenndorf nun auch in Remagen als positives Beispiel angeführt. Remagen in Rheinland-Pfalz ist mit gut 16000 Einwohnern ein wenig größer als Bad Nenndorf, hat aber aus historischen Gründen ein ganz ähnliches Problem.

Nicht etwa die berühmte Brücke über den Rhein, die 1945 von US-Streitkräften eingenommen worden war, sondern die Existenz eines Kriegsgefangenenlagers im selben Jahr zieht seit 2009 Neonazis an, die in der Stadt ihre Propaganda verbreiten.

Zahlen bewusst verfälscht

Das von der US-Army betriebene Gefangenenlager auf den Rheinwiesen bei Remagen übernimmt also quasi die Rolle des Bad Nenndorfer Winckler-Bades, wo die Briten ein Verhörzentrum aufgebaut hatten. Knapp 170 000 Gefangene sollen in dem Lager bei Remagen interniert gewesen sein, bis zu 10 000 sollen darin ums Leben gekommen sein. Die Neonazis verfälschen diese Zahlen bewusst in die Höhe, wenn sie im November in der Stadt aufmarschieren und Kundgebungen abhalten.

Ähnlich wie in Bad Nenndorf hat sich ein Bündnis formiert, das gegen den braunen Spuk protestiert. Doch bislang bleibt der Erfolg aus, auch weil zu wenige Remagener mitmachen. Die Teilnehmerzahl liegt konstant bei etwa 200 Rechten. Ein Mitwirkender an der jüngsten Gegendemonstration in Remagen berichtete nun darüber, dass ein Polizist Bad Nenndorfs bunten Protest als beispielhaft bezeichnet hat.

Der als Begleiter der Gegendemonstranten eingeteilte Beamte erzählte, wie der hiesige Widerstand die Rechten der Lächerlichkeit preisgab, indem Partymusik und Konfettiregen die martialische Stimmung des Aufmarsches am Winckler-Bad unterminiert. Ähnliches wollen die Aktivisten in Remagen nun im kommenden Jahr auch probieren.

Hass trifft auf Widerstand

Damit nicht genug: Bei ihrer Rede im Landtag anlässlich des 70-jährigen Bestehens Niedersachsens nannte die Grünen-Politikerin Anja Piel Bad Nenndorf als Beispiel im Kampf gegen Rechts. „Ich erinnere auch an die ausdauernden und erfolgreichen Proteste gegen Rechtsextreme, etwa in Bad Nenndorf. Der Hass, der von einigen ausgeht, trifft auf den Widerstand vieler. Auch hier: Menschlichkeit hat die Mehrheit“, sagte die Fraktionsvorsitzende, die 2015 an der Gegendemo in Bad Nenndorf teilnahm.

Seit 2006 hat es den Nazi-Aufmarsch am Winckler-Bad gegeben. Dieses Jahr fiel er erstmals aus. gus

Längst kein Makel mehr

Von Guido Scholl

Wer hätte das gedacht – die Nazi-Aufmärsche werden jetzt zur Werbung für Bad Nenndorf. Was bis zum vergangenen August als blanker Zynismus gegolten hätte, darf mittlerweile durchaus so formuliert werden. Wobei es selbstverständlich nicht die Aufmärsche selbst sind, die sich für die Kurstadt positiv auswirken. Es ist der kreative und erfolgreiche Widerstand dagegen. In Bautzen, in Remagen, im Landtag zu Hannover und wer weiß, wo sonst noch, wurde Bad Nenndorf mittlerweile als Paradebeispiel fruchtbaren Protestes gegen Rechts gepriesen. Und das, wo doch der braune Spuk anfangs von der Mehrheit der Einwohner als unappetitlicher Makel wahrgenommen worden war.

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