Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Teure Grüße aus Bad Nenndorf

Alte Postkarten aus der Kurstadt sind begehrte Sammelobjekte Teure Grüße aus Bad Nenndorf

Die Kurstadt-Tradition hat für Bad Nenndorf einen netten Nebeneffekt: Postkarten mit Motiven der Stadt sind bei Sammlern begehrt. Auch aus Nenndorf versandte Briefe bringen bei Auktionen stattliche Summen ein.

Voriger Artikel
Neuer Schmuck für die Königin
Nächster Artikel
Gehorsam verweigert

Postkarten aus Bad Nenndorf sind beliebt bei Sammlern – doch Touristen und Kurgäste verschicken sie auch heute noch häufig.

Quelle: gus

BAD NENNDORF. Hunderte Versteigerungen von Postkarten und Briefen aus der Kurstadt werden auf Internet-Börsen angeboten. Und zwar ständig. Philokartisten nennen sich die Sammler von Post- und Ansichtskarten. Dass ausgerechnet das kleine Bad Nenndorf dabei eine nennenswerte Rolle spielt, ist historisch zu begründen.

Die Erfindung der Ansichtskarte geht auf das Jahr 1865 zurück. Der Postdirektor Heinrich von Stephan kam auf die Idee, Urlaubern – oder Kurgästen – die Möglichkeit zu geben, einen kurzen Gruß an Verwandte und Freunde zu versenden. Bereits im 19. Jahrhundert wurden auch die ersten Bad-Nenndorf-Ansichtskarten angefertigt. Das Heilbad war schließlich ein angesehener Kurort, der wohlhabende Gäste aus ganz Deutschland anzog.

Bereits im frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich eine Sammelwelle. Es galt als Beleg von Wertschätzung und Weltgewandtheit, viele Ansichtskarten fremder Orte zu besitzen. Ab den sechziger Jahren bildete sich dann ein echter Markt für alte und seltene Postkarten. Historiker schreiben dies dem Umstand zu, dass viele Gebäude, die Karten zierten, nach dem Weltkrieg zerstört oder zumindest stark beschädigt waren. Die alten Aufnahmen, aufgehoben von den Adressaten, wurden zu Zeitdokumenten.

Verschwundene Gebäude sind begehrt

Zwar ist in Nenndorf kein Bombenschaden zu beklagen gewesen, doch Sammler sind bekannt dafür, Nischen mit besonderer Vorliebe zu suchen. Und Ansichtskarten aus Kleinstädten wie Bad Nenndorf haben den sprichwörtlichen Seltenheitswert. Erst recht, wenn sie verschwundene Gebäude wie das abgebrannte Kurhaus zeigen. 29,50 Euro möchte der Anbieter einer Auktion dafür haben. „Postalisch gelaufen“ – also für den Versand verfügbar – war die Karte nach dessen Angaben von 1890 bis 1920.

Genauso teuer ist eine Karte, die die Pension Villa Hanna zeigt. Gar 31,50 Euro soll eine Postkarte mit einem offenbar nicht mehr bestehenden Gebäude bringen, die aus dem Jahr 1900 stammt. Der Text musste darauf neben das Bildmotiv geschrieben werden, auf der Rückseite platzierte der Absender die Adresse. Das Gebäude wird mit „Glück im Winkel“ bezeichnet.

An eine Mimi Fischer oder Fissler – genau ist dies nicht zu entziffern - ging der papierne „Gruß aus Bad Nenndorf b. Hannover“. Sicherlich üben auch die Textinhalte für Sammler einen gewissen Reiz aus, doch wer sie entschlüsseln möchte, sollte ältere Schriftarten wie Sütterlin und Kurrent lesen können.

Bei Ebay sind teure Sammlerstücke zu finden

Viele Sammler haben es auf Ansichtskarten der eigenen Heimat abgesehen. Ganz vollständig ist so eine Sammlung wohl nie. Zwar sind die historischen Bad Nenndorfer Motive in einem Buch festgehalten. Doch es werden nach wie vor neue Karten aufgelegt, und zwar immer dann, wenn sich in der Innenstadt baulich etwas entscheidend verändert. Das geschah zuletzt oft, aktuell gibt es daher fünf unterschiedliche Motive. Eine Firma in Dortmund druckt die Karten per Auftrag von der Kur- und Tourismusgesellschaft.

Das teuerste Nenndorf-Sammlerstück, das aktuell auf der Plattform Ebay angeboten wird, ist jedoch nicht der Philokartie, sondern der Philatelie – dem Briefmarkensammeln – zuzuordnen. Ein 1873 von Kassel (damals noch Cassel) nach Bad Nenndorf geschickter Brief mit drei in Hessen abgestempelten Drittel-Groschen-Marken soll 120 Euro kosten. Der Umschlag wurde seinerzeit auch am Zielort abgestempelt. Der Händler taxiert den eigentlichen Wert gar auf 380 Euro. Wer auch immer bei diesem Schnäppchen zuschlägt, erhält die seltene Ware übrigens versandkostenfrei. gus

factbox

Massage-Schlummer endet mit Schmerzen

Unter den Nenndorf-Postkarten befinden sich auch Belege dafür, dass die Gestalter schon vor Jahrzehnten Humor hatten. Ein als Scherzkarte beworbenes Sammlerstück, das aus den fünfziger Jahren oder aus der Zeit davor stammen dürfte – ein Datum ist nicht mehr zu entziffern – zeigt drei nackte Damen, die den Kurbetrieb genießen.

Eine Frau badet in einer Moorwanne, die zweite lässt sich den Heilschlamm herunterspülen, und die dritte befindet sich kurz vorm scherzhaften Erwachen aus dem Schlummer auf der Massagebank. Denn entweder wird sie in Kürze von einer Biene gestochen, oder sie bekommt von ihrer Masseurin einen kräftigen Klaps auf den Allerwertesten. „Gruß aus Bad Nenndorf“ steht über der Comic-Szene. Angeboten wird die Karte zu Preisen zwischen sechs und 18 Euro. gus

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

O’zapft is heißt es in der Stadthäger Festhalle wieder am Freitag und Sonnabend, 23. und 24. September. Dann dominieren die Farben Blau und Weiß in der Halle und fesche Frauen in farbenfrohen Dirndln tanzen auf den Tischen... mehr