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Tödlicher Unfall erneut vor Gericht

Bad Nenndorf / Prozess Tödlicher Unfall erneut vor Gericht

Der tödliche Unfall von Bad Nenndorf, bei dem am Karfreitag drei Menschen ihr Leben verloren haben und drei weitere verletzt worden sind, kommt noch einmal vor Gericht. Die Verteidigung hat gegen das Urteil Berufung eingelegt, wie der Bückeburger Rechtsanwalt Oliver Theiß auf Anfrage bestätigte.

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Drei Menschen sind in diesem Wrack am Karfreitag 2010 ums Leben gekommen. © tes

Bad Nenndorf (ly). Verhandelt wird vor dem Bückeburger Landgericht. Ein Termin steht noch nicht fest.

Vor zwei Wochen hatte das Schöffengericht Stadthagen den Angeklagten, einen Rentner (64) aus Hohnhorst, zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen. Theiß will unverändert einen Freispruch für seinen Mandanten erwirken. Nun erwägt er, ein weiteres Gutachten zu bestellen, das dritte in diesem Verfahren. Ralf Jordan, Anwalt der Nebenklage, hatte der Verteidigung vorgeworfen, den „Respekt vor den Opfern nicht gewahrt“ zu haben.

„Wir wollen wissenschaftlich untermauern, dass es zum Unfallhergang noch eine plausible und mögliche Alternative gibt“, hält Theiß dagegen. Mit der entscheidenden Frage habe sich das Gericht nämlich nicht auseinandergesetzt: Theiß geht davon aus, dass der Fahrer des anderen Autos in dem Moment beschleunigt hat, als er vor einer langgezogenen Linkskurve überholt werden sollte.

In dem mit fünf Insassen besetzten 5er BMW überlebten nur der Familienvater (30) am Steuer und eine kleine Tochter (3). Die Mutter (24), deren Schwester (16) sowie der 1,5 Jahre alte Sohn starben auf der Bundesstraße 442 zwischen Kreuzriehe und Bad Nenndorf.

Zuvor hatten Zeugen beobachtet, wie der Rentner mit seinem 200 PS starken BMW-Roadster bei Gegenverkehr mehrfach riskant überholte und sich rücksichtslos in die Lücken presste. Den 5er BMW soll er geschnitten haben.

Am sonnigen Karfreitag, so Richter Kai Oliver Stumpe, sei der Angeklagte „bereit gewesen, sein Fahrzeug einmal auszufahren“. Dass der andere Mann „ähnlich schnell“ gewesen sei, habe er „nicht einkalkuliert“.

Laut Gutachten war die Limousine mit 117 bis 127 Stundenkilometern unterwegs, woraus Stumpe lediglich eine Mitverantwortung des Familienvaters („Er ist gestraft genug“) ableitete. Ob der Suthfelder im Moment des Überholvorgangs Gas gegeben hat oder schon früher, ließ sich dagegen nicht feststellen. Gestützt auf einen Sachverständigen der Verteidigung, nimmt Theiß im Gegensatz zum Gericht an, dass der 5er BMW deutlich schneller als 127 war.

Für den Roadster hatte der offizielle Prozessgutachter bis zu 137 km/h errechnet. Erlaubt ist an der Stelle Tempo 100. Gegen einen Baum am rechten Straßenrand war das Unglücksauto mit 110 Stundenkilometern geprallt, fast in zwei Teile zerrissen und zurück auf die Bundesstraße geschleudert worden, wo ein entgegenkommender Motorradfahrer nicht mehr ausweichen konnte.

Berufung hat übrigens auch die Staatsanwaltschaft eingelegt, so Behördensprecher Klaus Jochen Schmidt. Damit kann sich der Angeklagte gegenüber dem ersten Urteil verschlechtern. Staatsanwältin Karin Dubben hatte drei Jahre Haft gefordert. Fahrlässige Tötung gilt als menschliches Versagen. Deshalb beträgt die Strafe maximal fünf Jahre.

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