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„Trauermarsch“ am 6. August abgesagt

Bad Nenndorf siegt über Nazis „Trauermarsch“ am 6. August abgesagt

Der Neonazi-Aufmarsch am 6. August ist abgesagt. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Landkreises hervor. Damit bleibt den Einwohnern ein Sonnabend mit Polizeiaufgebot und Straßensperrungen erspart – den Sieg über die Nazis will das bürgerliche Protestbündnis aber dennoch gebührend feiern.

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Quelle: Foto: Archiv

Bad Nenndorf. In der Pressenotiz geht es eigentlich darum, dass die Versammlungsbehörde dem Protestbündnis ohne weitere Auflagen seine für den 6. August angemeldeten Kundgebungen erlaubt. Der Kernsatz – eigentlich sogar nur ein Halbsatz – folgt erst im zweiten Teil: „Änderungen der Route oder des Versammlungszeitraums mussten hierbei nicht vorgenommen werden, da der sogenannte Trauermarsch abgesagt ist“, schreibt der Landkreis.

Auf Nachfrage bestätigte eine Sprecherin des Kreishauses, dass nur der Termin am 6. August abgesagt ist – nicht auch alle weiteren Aufmärsche. Die Nazis hatten den Aufzug in der Kurstadt bis 2030 stets für das erste August-Wochenende angemeldet. Sollten die Rechten 2016 nun noch aufmarschieren wollen, müssten sie dies neu beim Landkreis anzeigen. Nach Informationen dieser Zeitung hat es aber keine explizite Absage des Anmelders gegeben, vielmehr wird dessen Schweigen auf Anfragen der Versammlungsbehörde entsprechend gewertet.

Damit hat der bürgerliche Widerstand einen wichtigen Etappensieg erreicht, wie es DGB-Regionssekretär Steffen Holz formuliert. Die jährliche Wiederkehr der Rechten sei durchbrochen. Ob dies eine dauerhafte Abkehr vom Winckler-Bad, das nach dem Zweiten Weltkrieg von Alliierten als Folterzentrum missbraucht worden war, bedeutet, werde sich aber erst noch herausstellen.

Abgezeichnet hatte sich das Fernbleiben der Nazis bereits vor Wochen, als der Anmelder nach monatelangem Schweigen beim Kreis angefragt hatte, ob eine Terminverschiebung des Aufmarsches möglich ist. Auch Holz wertete dies seinerzeit als Signal, dass die Rechten zumindest in diesem Jahr kneifen wollten. „Wir hatten geahnt, dass die Nazis so schwach auf der Brust sind und gar nichts mehr auf die Beine kriegen“, sagt der DGB-Mann. Allerdings verweist er auf Wundsiedel, wo Neonazis den Standort des einstigen Rudolf-Heß-Grabs auch nicht mehr jährlich aber dennoch hin und wieder ansteuern.

Erleichterung auch bei Stadtdirektor Mike Schmidt, der zu jenen gehören wird, die am 6. August dennoch auf die Straße gehen werden. Allerdings, um ein Fest zu feiern. „Vielleicht wird das noch bunter und noch lauter, weil wir von dem Spuk befreit sind“, sagt er. Als Termin halte man nun am 6. August fest, weil alle Beteiligten sich darauf vorbereitet hätten. Sollte sich abzeichnen, dass die Nazis nun dauerhaft wegbleiben, könne ein anderer Termin für ein Fest der Demokratie ausgewählt werden. „Bad Nenndorf ist zehn Jahre lang standhaft geblieben“, betont Schmidt.

Dieser freut sich auch, dass wegen des nun wohl erheblich reduzierten Polizeiaufgebots am Aufmarschtag keine Straßensperrungen nötig sein dürften. Und Schmidt hofft, dass auch die Antifa am 6. August nicht in Bad Nenndorf protestiert.

Der Bundestagsabgeordnete Maik Beermann spricht von einer guten Nachricht. „Für dieses Jahr hat eine wehrhafte Demokratie gesiegt – ein Dank an alle um das Bündnis von Bad Nenndorf ist bunt sowie die zahlreichen Unterstützer“, so Beermann. gus

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