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Trotz Metall-Aufbau nicht hoch genug

Bad Nenndorf / Aussicht Trotz Metall-Aufbau nicht hoch genug

Seit genau 160 Jahren steht auf einem 198 Meter hohen Ausläufer des Deisters ein Turm. Er könnte durchaus eine Attraktion sein, einen herrlichen Blick auf Bad Nenndorf, das Steinhuder Meer und die norddeutsche Tiefebene bieten. Die Neugier der Spaziergänger wird jedoch schon mit einem Hinweis auf dem ersten Wegweiser gebremst: Eine Aussicht ist nicht möglich.

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Auch die stählerne Plattform half nichts: Bäume überragen erneut den jetzt 160 Jahre alten Strutzbergturm.

Quelle: nah

Bad Nenndorf (nah). Dabei nannten ihn seine Erbauer stolz „Belvedere“ (schöne Aussicht), als im aufstrebenden Kurort nach Attraktionen für die Badegäste gesucht wurde. Der seit 1846 amtierende Brunnendirektor Freiherr von Hanstein-Knorr stellte 1850 eigens Geld für den achteckigen Bau zur Verfügung und fand unter betuchten Kurgästen eine ganze Reihe von Unterstützern. Wahrscheinlich war der 1847 errichtete Idaturm im Harrl zwischen Bad Eilsen und Bückeburg ein Vorbild.

Von Hanstein-Knorr, der aus einem hessischen Adelsgeschlecht stammte, ließ in der Außenwand sein Familienwappen anbringen. Deutlich sind die drei Halbmonde neben der Jahreszahl 1852 immer noch zu erkennen.

Der Belvedere entwickelte sich tatsächlich zu einem Magnet, weil ihn auch weniger rüstige Spaziergänger verhältnismäßig leicht erreichen konnten. In seiner Nähe befand sich eine offene Schutzhütte, die zeitweilig bewirtschaftet worden sein soll. Zudem wurden immer mehr Wege in seiner Umgebung angelegt.
Sogar der Rodenberger „Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs“ ließ eine Verbindung zwischen dem Deister und dem Kurpark schaffen. Am Sonntag, 14. Mai 1905, „präzise ½ Uhr“ lud er Vereine und Gäste zur Einweihung: Treffpunkt sollte laut dem erhalten gebliebenen Programm der Aussichtsturm sein. Noch attraktiver wurde der Belvedere mit dem Bau der Waldwirtschaft „Cäcilienhöhe“ im Frühjahr 1909.

Anfangs befand sich der Überlieferung nach der Aussichtsturm mitten in einer Schonung aus niedrigen Fichten und Tannen, so dass zunächst niemand an ein unrühmliches Ende für das Panorama dachte. Doch im Laufe der Zeit wuchsen die Bäume immer mehr in die Höhe. Hinzu kam, dass durch die Folgen des Krieges und mangelnder Unterhaltung der Turm verfiel. Plattform und Treppe stürzten ein. Schwere Sandsteine wurden später mutwillig aus dem massiven Mauerwerk gebrochen.

Nach ersten Überlegungen und Forderungen Ende der siebziger Jahre wurde der Strutzbergturm zwischen 1986 und 1988 instandgesetzt. Mehr noch: Weil die umliegenden Bäume das steinerne Bauwerk weit überragten, erhielt er einen stählernen Aufbau. Doch auch diese Investition, die nach Zeitungsberichten 120 000 Mark umfasste, lohnte sich nur für einige Jahre, die Natur erwies sich als stärker. Wer heute die knapp 130 Stufen bis zum höchsten Punkt aufsteigt, ist enttäuscht: Die erhoffte Aussicht endet in den nahen Bäumen.

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