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Unter falschem Namen in Hotels

Betrüger auf freiem Fuß Unter falschem Namen in Hotels

Was für ein Absturz: 2002 trennt sich ein Mann aus Göttingen von seiner Frau, verliert den Job, sein Leben gerät aus dem Ruder. Zehn Jahre später landet er auf der Straße, nachdem die Beziehung zu einer Barsinghäuserin gescheitert ist, versinkt im Alkohol und hält sich mit Betrügereien über Wasser.

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Bad Nenndorf/Bückeburg.. „Alles ist den Bach runtergegangen“, erinnert sich der heute 47-Jährige. „Vorher bin ich auch beruflich sehr erfolgreich gewesen, verdiente im Monat zwischen 15 000 und 20 000 Euro.“ Ende 2012 ist der Obdachlose mit dem Fahrrad in Bad Nenndorf unterwegs, im Gepäck eine Geschichte, die mächtig auf die Tränendrüse drückt. Um Mitleid zu erregen, behauptet er, einen todkranken Sohn zu haben. Das baut Misstrauen gegenüber einem Mann ab, der per Fahrrad durch die Lande reist.
Es gelingt dem Göttinger, sich unter falschem Namen in neun Hotels und Pensionen einzumieten, meistens gleich für mehrere Nächte. In einem Fall gibt er vor, ein US-amerikanischer Notarzt aus Washington zu sein. Auf ihren Rechnungen bleiben die Betreiber der Unterkünfte sitzen, drei von ihnen aus Bad Nenndorf. Die übrigen Tatorte liegen in Barsinghausen, Bantorf, Wunstorf und Steinhude. Außerdem hat der 47-Jährige in einem Nenndorfer Tanzcafé eine Geldbörse mit 80 Euro eingesteckt.
Wegen Betruges in neun Fällen sowie dieses einen Diebstahls hat die Berufungskammer am Bückeburger Landgericht jetzt 20 Monate Haft verhängt, den Angeklagten aber vorübergehend auf freien Fuß gesetzt. Weil seine Eltern sich liebevoll um ihn kümmern und den verlorenen Sohn wieder zu Hause wohnen lassen wollen, sehen die Richter zurzeit keine Fluchtgefahr mehr.
Sobald das Urteil rechtskräftig ist, bekommt der Betrüger jedoch eine Ladung zum Haftantritt. Bisher hat er etwa ein halbes Jahr lang in Untersuchungshaft gesessen. Diese Zeit wird angerechnet. Allerdings droht dem Göttinger noch der Widerruf einer Bewährung aus einem anderen Verfahren. Darauf wies Oberstaatsanwalt Frank Hirt hin. Dies würde weitere zwölf Monate Haft bedeuten. Zu seiner Schuld steht der Mann mittlerweile, nachdem er anfangs behauptet hatte, sich wegen seines Alkoholkonsums („Manchmal stand ich neben mir“) an nichts erinnern zu können.
Eine positive Sozialprognose, die Voraussetzung für Bewährung, sieht Berufungsrichter Thorsten Garbe nicht. Vor allem habe der Angeklagte keine berufliche Perspektive. Hilfsangebote seiner Eltern habe der 47-Jährige zumindest früher nicht angenommen. Garbe rät dem Mann aus Göttingen, im geschützten Rahmen des Gefängnisses eine Alkoholtherapie zu beginnen. „Da“, so der Kammervorsitzende zum Angeklagten, „können Sie gar nicht auf dumme Gedanken kommen.“ In erster Instanz hatte das Amtsgericht Stadthagen den Betrüger zu 22 Monaten Haft verurteilt, zwei Monate mehr also.  ly

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