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Bad Nenndorf Vater gesteht die Vergewaltigung seiner Tochter
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Vater gesteht die Vergewaltigung seiner Tochter
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16:52 27.04.2015
Quelle: dpa
Bad Nenndorf/Rodenberg

Dreimal soll der Mann seine anfangs sechs Jahre alte Tochter vergewaltigt haben. Zwei Taten soll er mit seinem Handy gefilmt haben, nachdem er dem Kind zuvor Pornofilme gezeigt hat. „Und dann haben Sie das umgesetzt, was Sie in dem Film gesehen haben?“, fragte Richterin Christiane Wilk. „So kann man es sagen“, antwortete der Angeklagte.

Begonnen hat der Prozess mit einem Geständnis. Dem Opfer, heute ein Mädchen von neun Jahren, bleibt damit eine womöglich quälende Aussage erspart. Im Gegenzug sicherte das Gericht dem Angeklagten eine Haftstrafe von höchstens sechs Jahren und elf Monaten zu. Sechseinhalb Jahre drohen ihm mindestens. Vorausgegangen war der Absprache ein mehrstündiges Rechtsgespräch aller beteiligten Juristen.

Geständnisse wirken sich strafmildernd aus. Der 35-Jährige versicherte, dass es ihm leid tue und er sich die Taten selbst nicht erklären könne. Seine Tochter will er „sehr gerne gehabt“ haben. Von der Mutter des Kindes lebt der Nenndorfer, ein Mann aus sogenanntem guten Hause, seit Jahren getrennt. Er selbst soll in seinem Leben nicht viel auf die Reihe bekommen haben.

Entdeckt wurden die Taten eher durch Zufall. Der Nenndorfer hatte in Ostdeutschland sein Handy verloren. Nachdem das Mobiltelefon gefunden worden war, untersuchten Leipziger Polizisten es eher routinemäßig, um Hinweise auf den Eigentümer zu bekommen. Dabei stießen sie auf die selbst gedrehten Filme und schickten die Dateien zu einer Stelle der Schaumburger Polizei, die Fälle von Kinderpornographie bearbeitet.

„Es war schnell klar, dass der Eigentümer des Handys die Aufnahmen gemacht hatte“, so der zuständige Kriminalhauptkommissar als Zeuge vor Gericht. Die Beamten stellten fest, wem das Mobiltelefon gehört, recherchierten weiter und erwirkten einen Durchsuchungsbeschluss. In der Wohnung waren sie richtig, die Einrichtung kam ihnen bekannt vor. „In einer Szene des Films sah man Teile des Wohnzimmers“, so der Polizist. Festgenommen wurde der mutmaßliche Kinderschänder dann an seinem Arbeitsplatz. Dabei beschlagnahmten die Ermittler ein weiteres Handy, ebenfalls mit Kinderpornos.

Für den Prozess hatte Richterin Eike Höcker, Vorsitzende der 2. Großen Strafkammer, zunächst vier Verhandlungstage anberaumt, sieben Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Jetzt geht es schneller. Weil der Angeklagte, der seit Oktober in Untersuchungshaft sitzt, gestanden hat, wird ein Teil der Zeugen nun nicht mehr gebraucht.

Die erste Tat liegt etwa zweieinhalb Jahre zurück. Als Tatorte gelten Wohnungen des Mannes in Bad Nenndorf und Rodenberg. Ohne das Geständnis wäre zumindest der erste Missbrauchsfall, von dem anscheinend keine Videodatei existiert, nur schwer nachzuweisen.  ly