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Vier zermürbende Jahre

Bürgerinitiative „Rettet das Kurhaus“ Vier zermürbende Jahre

Mit einigen Wochen Abstand zum Ratsbeschluss pro Sanierung haben die Mitglieder der Bürgerinitiative „Rettet das Kurhaus“ die vergangenen viereinhalb Jahre bewertet. Trotz des Erfolgs fällt das Resümee durchwachsen aus. Vor allem der Widerstand aus Politik und Verwaltung hatte die Mitstreiter zwischenzeitlich regelrecht zermürbt.

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Renate Daseking-Henning (von links), André Zimmermann und Dorit Kosian vor dem geretteten Kurhaus.

Quelle: gus

BAD NENNDORF. Als der Rat am 31. Oktober 2012 beschloss, die Kurhaussanierung nicht weiter zu verfolgen, nahm die Idee bei André Zimmermann, Renate Daseking-Henning und Dorit Kosian Formen an, ein Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen. Bereits da spürte das Trio Gegenwind für das eigentlich ur-demokratische Vorhaben. Mehrmals mussten Unterlagen neu eingereicht werden, um allen formalen Ansprüchen gerecht zu werden.

Dann ging es an das Sammeln von Unterschriften. Knapp 890 Bürger der Stadt mussten sich per Signatur bereit erklären, dass sie für den Erhalt des Gebäudes sind. „Erschwerend kam hinzu, dass die Unterstützer Anschrift und Geburtsdatum angeben mussten“, erinnert sich Zimmermann. Sonst hätten auch Phantasieunterschriften auf den Bögen landen können.

Glaube an Erfolg wuchs

Ein positives Bauchgefühl, dass die Mehrheit der Bevölkerung für die Sanierung ist, hatte das Trio nicht. Dass sich Kosian, Daseking-Henning und Zimmermann so ins Zeug legten, rührte daher, dass sie kurz zuvor an den alten Tennisplätzen erlebt hatten, wie sehr sich das Stadtbild der Kurstadt verändern kann. So etwas sollte nicht noch einmal geschehen.

Die Zeit der Unterschriftensammlung wurde zur euphorischsten Phase des Bürgerbegehrens. Als klar wurde, dass die Menschen bereitwillig für das Kurhaus eintraten, begann die BI an den Erfolg ihres mühsamen Unterfangens zu glauben. Am Ende waren 1835 Unterschriften zusammengekommen. Um auch das erforderliche Quorum – mindestens 25 Prozent Wahlbeteiligung – beim Bürgerentscheid zu erreichen, zögerte die BI die Abgabe der Listen etwas hinaus.

„Wir haben vorsichtig gejubelt, nicht gefeiert“

So wurde am Tag der Bundestagswahl 2013 auch über das Kurhaus abgestimmt. Rund 61 Prozent der Bad Nenndorfer votierten pro Sanierung – ein grandioser Erfolg. Aber: „Wir haben vorsichtig gejubelt, nicht gefeiert“, erinnert sich Kosian.

Es stand zu befürchten, dass die Sanierungsgegner im Rat den Willen der Bevölkerung zu umgehen versuchen. Zunächst fasste das Gremium dann zwar einige Beschlüsse, die auf ein baldiges Anschieben der Sanierung hoffen ließen, doch dann setzte das ein, was die drei Mitstreiter rückblickend als Verzögerungstaktik einordnen. Da wäre zum Beispiel der klammheimliche Abschied der Planerin Brigitte Vorwerk. Und das immer wiederkehrende Tauziehen um die Kosten. Dabei sind sich die BI-Mitglieder einig: Der Bürgerwille muss nicht zum Nulltarif umgesetzt werden und kann die Stadt ruhig etwas kosten. Ihnen sei auch kein Unterstützer bekannt, der dies anders sieht.

Es bleibt ein bittere Nachgeschmack

Drei Jahre gingen nach dem Bürgerentscheid ins Land, dann der moralische Knax: Im Dezember 2016 sickerte durch, dass die Verwaltung aufgrund erneut gestiegener Sanierungskosten kalte Füße bekam. „Da dachten wir, wir haben verloren“, erinnert sich Zimmermann. Doch es wurde noch einmal durchgerechnet, alle Zuschussmöglichkeiten kamen auf den Tisch, sodass der Rat am 22. Februar doch pro Sanierung votierte. „Danach haben wir dann gefeiert“, so Kosian.

Dennoch: Es bleibt ein bittere Nachgeschmack. Teils haben sich Volksvertreter aus Sicht der BI als Wendehälse erwiesen. Außerdem fehlte den drei Protagonisten Unterstützung sowohl aus den Reihen von Politik und Verwaltung sowie seitens der Bevölkerung. Selbst die Ankermieter des Kurhauses, für deren Interessen die BI kämpfte, hätten nie helfend eingegriffen. Den wenigen Unterstützern danken Daseking-Henning, Kosian und Zimmermann und verbleiben mit einem Wunsch: Die Sanierung möge jetzt zeitnah beginnen. gus

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Geld zurück

Das für die Bezahlung eines Fachanwalts eingerichtete Spendenkonto der BI existiert noch. Da das Geld wegen des positiven Ratsentscheids nicht ausgegeben werden musste, wird es beizeiten an die Spender zurückgezahlt. gus

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