Bad Nenndorf. Die Umkleiden sind abgerissen, das Becken auch schon weg, und im Herbst fallen nun die mächtigen Schattenspender der Axt zum Opfer. Die Zeit der Sentimentalitäten im einstigen Freibad ist vorbei, lautet der Tenor aus dem Bauausschuss, der seinen bisherigen Beschluss zum Erhalt der Rotbuchen selbst wieder kassiert hat.
Die Intervention der Volksbank in Schaumburg hat sich für sie ausgezahlt. Sie sah als Eigentümerin der Fläche durch die Vorgabe ihre Planungen behindert, zwei oder drei Grundstücke könnten in dem neuen Wohngebiet durch die Bäume verloren gehen (die SN berichteten). Vorstandschef Reinhard Schreeck hatte im Verwaltungsausschuss die Politik dazu gebracht, das Thema noch einmal zu beraten. Zugleich beauftragte er Gutachter Carsten Venzke aus Springe, den Zustand der Bäume zu untersuchen und deren Überlebenschance. Dieser betonte, als vereidigter Sachverständiger zu einem neutralen Urteil verpflichtet zu sein. Venzke kam zu dem Schluss, dass die Rotbuchen zwar gesund sind, aber davon auszugehen sei, dass durch den Eingriff in das Umfeld bei den sensiblen Bäumen mit einem schleichenden Tod in zehn bis 15 Jahren zu rechnen ist. Er sah keine Möglichkeit, die Bäume zu retten.
Die WGN wagte trotzdem einen Versuch. Frank Steen glaubte dem Fachmann. Allerdings müsse dieser zu dem Ergebnis kommen, weil er das Planungskonzept der Volksbank zugrunde lege. Das ließe sich verbessern. „Wir haben die Zeit“, bat Steen darum, bis zum 30. September auf weitere Lösungen zu warten. Der Investor könnte so an Alternativen arbeiten im Sinne der Bürger, so Steen. Am Ende stelle sich die Frage, was der Erhalt der Bäume koste. Darüber könne die Stadt mit dem Investor dann diskutieren. Bernd Zimmermann als beratendes Mitglied griff einen Hinweis von Bauamtsleiter Hans-Bernhard Kampen auf, dass über das Baugebiet zwar schon zum dritten Mal diskutiert wird, sich das Verfahren aber erst in der vorgezogenen Bürgerbeteiligung befinde. Diese biete die Chance, über mehrere Planungen zu debattieren, so Zimmermann. „Wir haben aber nur einen Lösungsvorschlag.“
Bei den großen Fraktionen schien die Linie klar. Für Ansgar Werner (CDU) ergab sich durch den Gutachter und mit Blick auf das Ganze „eine neue Sachlage“. Eine klarere Auskunft des Planers hätte die überflüssigen „Pirouetten“ allerdings verhindert, kritisierte er. Den Verlust der Bäume nannte der Ratsherr traurig, doch die Stadt wolle vorankommen und der Volksbank eine sinnvolle Planung ermöglichen. „Die Buchen passen nicht in das Baugebiet“, schloss sich Volker Busse (SPD) dem an. Es würden weniger Bäume gefällt werden als neu gepflanzt. „Die Zeit des Freibades ist vorbei. Wir müssen in die Zukunft blicken.“ Mit sechs Stimmen empfahl der Bauausschuss die vorgezogene Bürgerbeteiligung ohne die Vorgabe, die Bäume zu erhalten. Steen und der parteilose Ratsherr Erwin Biener waren dagegen, Vorsitzender Herbert Kruppa (SPD) enthielt sich. rwe
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