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Voller Hoffnung und Vertrauen

Lebensmut trotz Multipler Sklerose Voller Hoffnung und Vertrauen

Neon ist 30 Jahre alt und lebt im Pflegeheim in Bad Nenndorf. Sie hat in ihrem Leben viele Schicksalsschläge wegstecken müssen – schon vor ihrer Diagnose. Doch auch wenn die hochaggressive MS ihr einen Strich durch einige ihrer Träume gemacht hat, gibt sie ihre Hoffnung nie auf.

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Seit Mai sitzt Neon im Rollstuhl.

Quelle: göt

BAD NENNDORF. Im Mai 2016 hat Neon die Diagnose Multiple Sklerose bekommen. Schnell stellte sich heraus, dass ihre Krankheit einen hochaggressiven Verlauf nimmt. „Sekundär chronisch progredient“, rattert Neon die offizielle Bezeichnung runter, und erklärt, dass es sich dabei um eine konstant fortschreitende Form der MS mit Schüben handelt. „Seit dem ersten Schub ist immer etwas zurück geblieben“, erzählt sie. Anfangs konnte sie die Symptome nicht einordnen. Über drei Wochen ist sie mit Lähmungserscheinungen ihrer linken Körperhälfte herumgelaufen.
Der Besuch beim Arzt brachte Klarheit. Ein Jahr nach der Diagnose war Neon auf den Rollstuhl angewiesen. Darauf folgte die Einstufung auf Pflegestufe vier und der Schwerbehindertengrad von null auf 80 Prozent. Nun soll er sogar auf 100 Prozent angehoben werden. „Ich konnte recht schnell nicht mehr laufen“, erzählt die 30-Jährige. Doch trotz der erschütternden Diagnose lässt sich Neon nie unterkriegen.
Durch die Krankheit, die sich schnell verschlimmerte, musste sie auch ihre große Leidenschaft an den Nagel hängen: das Tanzen. „Ich bin dankbar, dass ich überhaupt so lange die Erfahrung machen durfte, wie es sich anfühlt, zu tanzen“, sagt die 30-Jährige mit einem aufrichtigen Lächeln im Gesicht.
Zur Zeit der ersten Schübe hat die junge Frau außerdem gerade ihr Abitur in Hannover nachholen wollen. Sie hatte einen Einserschnitt, erzählt sie, doch wegen der Krankenhausaufenthalte und zu hoher Fehlstunden, musste sie die Schule hinter sich lassen. „Da blutet mein Herz immer noch“, sagt sie heute. Doch den Traum irgendwann Psychologie zu studieren, hat sich Neon bewahrt. „Ich brauche Stoff für mein Hirn“, erzählt sie, „auch wenn das langsam nachlässt“.
Und so lernt sie ständig neue Sachen und trainiert Gehirn und Motorik. Am liebsten ist sie dabei kreativ – malt oder spielt am Klavier. „Ich kenne keine Langeweile“, sagt Neon. Insgesamt wirkt sie geradezu erfüllt von schönen Erinnerungen. Dabei ist ihr Lebenslauf nicht ganz reibungslos verlaufen. Ihren Schilderungen zufolge hat sie sehr viele schlimme Erfahrungen machen müssen. „Ich bin in dem Wissen aufgewachsen, dass nichts im Leben selbstverständlich ist“, erzählt sie. Aus diesem Grund nimmt sie Dinge wahr, die andere nicht sehen. Und die MS hat noch einmal dazu beigetragen. „Wer den Verlust nicht kennt, kann den Wert von etwas nicht wahrnehmen“, sagt Neon.
MS bringe viel Verzweiflung mit sich, meint Neon. Doch habe sie sich nie gefragt „Warum ich?“. Diese Frage bringe sie auch nicht weiter, sagt die junge Frau. Sie habe viele an MS erkrankte Menschen kennengelernt, die verbittert sind. Sie ist dankbar, sich ihre Lebensfreude erhalten zu können. „Du entscheidest dich nicht dazu, verbittert zu sein. Das macht die MS mit dir“, sagt Neon.
Von Freunden wird sie oft um ihr Gemüt beneidet, erzählt sie. Für Freunde möchte sie auch Stärke übernehmen. Sie will ihnen vermitteln: „Hey, es ist schon okay, was mir passiert ist.“ Dabei ist sie selbst, wenn sie alleine ist, nicht immer stark und lebensfroh. Aber meistens. „Ich bin voller Hoffnung und Vertrauen in das Potenzial des Zwischenmenschlichen“, sagt Neon. Denn es sind die wirklich wertvollen Erlebnisse, sagt sie, wenn Menschen mehr Kraft und Zeit investieren.
„Ich möchte gerne jedem Menschen – ganz gleich ob jung, alt, gesund, erkrankt, mit oder ohne Behinderungen – Mut machen, sich für die schönen Dinge um uns herum zu sensibilisieren, immer wieder im Hier und Jetzt inne zu halten, schnell zu verzeihen und sich nie aufzugeben“, sagt sie.

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