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„Wenn nicht jetzt, wann dann?"

Bad Nenndorf / Theater „Wenn nicht jetzt, wann dann?"

Was tun, wenn der sexsüchtige Pastor im Knast sitzt, weil er das Geld der Heimbewohner verzockt hat? Die „Bösen Schwestern“ Anita und Magda („Matitschku“) lassen die Zuschauer bei einem Eierlikörchen an ihrem Insider-Wissen teilhaben.

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Altersfreuden zwischen Vibrationsalarm und Eierlikör: „Hopp, hopp, rin in den Kopp“, heißen Magda und Anita ihre künftigen „Mitinsassen“ im Altenheim willkommen.

Quelle: tes

Bad Nenndorf (tes). Obliegt es den beiden resoluten Damen doch einmal mehr, das Herz-Maria-Jesu-Heim zu retten. Die Zahl der „Insassen“ sinkt, dem Personal vom „Duo Suizid“ wurde gekündigt, Pfleger Lutz schuf sich ein zweites Standbein als „Vermögensverweser“. Doch auf die Gala „Jeder zeigt, was er kann“ verzichten? „Niemals“, sind sich die Damen einig: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Soll doch der Tag der offenen Tür das Überleben des Seniorenheims sichern.

 Die Resonanz in Bad Nenndorf ist riesig: kein Platz mehr frei. „Sitzen Sie den ganzen Nachmittag hier rum?“, fragt Magda ins Publikum: „Wir müssen aufpassen, dass nicht jetzt schon einer im Kaminzimmer rumlungert.“ Als keine Reaktion kommt, legt sie nach: „Hörgeräte nicht drin?“ Die untriebige Dame hätte sich nie träumen lassen, im fortgeschrittenen Alter noch Stühle schleppen und „Büro“ machen zu müssen – zumal jetzt das „Standesamt“ die Bücher prüfe. Dazu der Kasernenton von Heimleiterin Frau Löhlein, die kurz vorm Nervenzusammenbruch noch kommandiert: „Wenn Ihnen das Bücken so schwer fällt: Da warten jede Menge Senioren auf Ihren Arbeitsplatz.“ Das einzig „Süße“ an Löhleins ständigen Anrufen: der hautnahe Vibrationsalarm in Magdas Bluse. „Dein Busen klingelt“, ätzt Anita und warnt: „Handystrahlen machen alles butterweich.“ Sie frage sich: „Warum tragen so viele Männer das in der Hosentasche?“

 Die Sexsucht ihres Geistlichen habe die weibliche Bewohnerschaft laut Magda „weggesteckt.“ „Ich nicht“, widerspricht die als „Testbild“ gewandete Anita empört, die im Heim nur als „ungarische Flachebene“ bekannt ist und ihr Gebiss beim Pokerspiel im Heizungskeller verloren hat.

 Von platten „Flundern“ singt ihre Freundin zum Klang ihrer „Gu-i-tarre“. Nach dem Motto des Literaturzirkels „Hohes Alter ist kein Fluch, kannst Du lesen mal ein Buch“ sorgt „Die Wanderhure“ für Handarbeit bei männlichen Insassen – abseits vom Näh- und Singkreis „Nähen für den Hunger“. „Hoch auf dem gelben Wagen“ geht es auch für das Publikum heiß her bei Reiterspielen mit schwulen Cowboys. „Tropf bei Fuss“, gibt Magda zum Schluss noch einen Tipp an die Dementen: „Genießen Sie es, morgen wissen Sie es ja nicht mehr.“

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