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Bad Nenndorf Zechen geprellt: Gericht verhängt 22 Monate Haft
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Zechen geprellt: Gericht verhängt 22 Monate Haft
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00:24 15.10.2015
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Bad Nenndorf/Stadthagen (ly)

Die Zeit im Gefängnis hat geholfen: Zum Neustart des Prozesses ist die Erinnerung jetzt auf wundersame Weise zurückgekehrt. Der Mann aus Göttingen legte ein Geständnis ab. In Haft bleibt er trotzdem: Wegen Betrugs in neun Fällen sowie wegen eines Diebstahls verhängte Stumpe eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten.

 Allein in drei Bad Nenndorfer Hotels und Pensionen hatte sich der 47-Jährige eingemietet, ohne später die Rechnung zu bezahlen. Einmal speiste er in einem Restaurant der Kurstadt und prellte die Zeche von 14,99 Euro. Weitere Tatorte waren Pensionen in Barsinghausen, Bantorf, Wunstorf und Steinhude. In einem Nenndorfer Tanzcafé ließ der adrett aussehende Mann überdies ein Portemonnaie mit 80 Euro in bar mitgehen.

 In den Pensionen blieb er meistens mehrere Nächte, benutzte falsche Personalien und gab sich in einem Fall als US-amerikanischer Notarzt aus. Als die Pensionswirtin (76), eine frühere Krankenschwester, aus Interesse detailliert nachfragte, verstummte der Gast. Als Adresse in den Staaten hatte dieser übrigens „Street“ angegeben, was recht phantasielos wirkt, weil es nichts weiter als Straße heißt. Nach dem Gespräch hatte die Frau „so ein Gefühl“ und rief die Polizei an. Das Gefühl trog nicht.

 Dass Gäste wie der 47-Jährige bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad unterwegs sind, macht normalerweise vor allem Betreiber kleinerer Pensionen misstrauisch. Um davon abzulenken, hatte sich der Betrüger eine herzzerreißende Geschichte ausgedacht. Angeblich hatte er einen todkranken Sohn. Diese Story ist jedoch offenbar ebenso erfunden wie seine angebliche Alkoholsucht. Keine der vom Gericht vernommenen Pensionswirtinnen hatte den Eindruck, dass der Gast alkoholisiert war. „Ich glaube dem Angeklagten nicht, dass er Alkoholiker ist“, stellte denn auch Richter Stumpe fest. „Das hat er sich aus den Fingern gesogen.“

 Im Vorfeld des Prozesses hatte sich der Häftling in etlichen Briefen aus der Zelle um einen Therapieplatz bemüht. Stumpe hält auch dies für ein Täuschungsmanöver. Der Angeklagte habe die Briefe geschrieben, „weil er wusste, dass ich sie lese“, so der Richter. Vor Gericht behauptete der 47-Jährige sinngemäß, er sei „in den Alkohol geflüchtet“, nachdem eine Beziehung gescheitert sei und auch die berufliche Perspektive gefehlt habe.

 Nach der Serie, um die es jetzt ging, hatte der Angeklagte übrigens im Bereich Barsinghausen eine Reihe ähnlicher Taten begangen. Dafür hatte ihn das Amtsgericht Wennigsen bereits im Vorfeld der Stadthäger Verhandlung verurteilt.

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