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Zeugen liefern Alibi aus Gefälligkeit

Bad Nenndorf / Gericht Zeugen liefern Alibi aus Gefälligkeit

Ein 35-jähriger Drängler aus der Samtgemeinde Rodenberg, der für ein haarsträubendes Überholmanöver auf der Bundesstraße 65 in Bad Nenndorf gesorgt hat, muss 2700 Euro Geldstrafe wegen Nötigung zahlen, in seinem Fall drei Monatseinkommen. Das hat das Landgericht Bückeburg entschieden.

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Bad Nenndorf / Bückeburg.. So hatte Ende 2013 das Amtsgericht Stadthagen entschieden, bevor der Angeklagte gegen das Urteil Berufung einlegte. In erster Instanz hatte der Angeklagte Reue bekundet und ein Geständnis abgelegt, das er später allerdings widerrief (wir berichteten).

Vier Zeugen haben dem Angeklagten ein Alibi geliefert. Verurteilt hat das Bückeburger Landgericht ihn trotzdem. Richterin Eike Höcker, Vorsitzende der Berufungskammer, geht nämlich von „Gefälligkeitsaussagen“ aus. Zumindest in entscheidenden Punkten glaubt sie den Zeugen nicht, dem Angeklagten schon gar nicht.

Zu Beginn der zweiten Verhandlung kam er plötzlich mit einem Alibi. Der mutmaßliche Verkehrsrambo will zur Tatzeit auf der Geburtstagsfeier seines Patenkindes in Rehburg-Loccum gewesen sein. „Dies hatte der Angeklagte bisher mit keiner Silbe erwähnt“, so Richterin Höcker in der Urteilsbegründung. „Er ließ sich sogar für sieben Monate den Führerschein abnehmen.“ Seine Lizenz hat der 35-Jährige inzwischen zurück, weil das erstinstanzliche Gericht nicht auf Gefährdung des Straßenverkehrs erkannt hatte, sondern auf Nötigung – und das ist kein Regelfall für die Entziehung der Fahrerlaubnis.

Nahe der Kreuzung B 65/B 442, wo es zum Baumarkt geht, war der 35-Jährige mit seinem Transporter so dicht auf ein anderes Auto aufgefahren, dass dessen Fahrer die Scheinwerfer im Rückspiegel nicht mehr sehen konnte. Dem Drängler ging es offenbar nicht schnell genug voran. Erlaubt ist dort Tempo 70.

Deshalb setzte er bei Gegenverkehr zum Überholen an, worauf der Wagen vor ihm sowie ein entgegenkommender Pkw jeweils stark bremsen und nach rechts ausweichen mussten. Durch die Gasse raste der einschlägig vorbestrafte Verkehrsrambo und verschwand in der Dunkelheit. Ein Opfer hatte sich das Kennzeichen gemerkt, nicht jedoch den Fahrer erkannt.

Das Gericht geht davon aus, dass der 35-Jährige tatsächlich auf dem Kindergeburtstag war, dann aber so früh gefahren ist, dass er zur Tatzeit gegen 19.30 Uhr in Bad Nenndorf sein konnte. Offen beibt, ob er mit dem Firmentransporter unterwegs war oder mit seinem Privatwagen und vor der Tat die Fahrzeuge gewechselt hat.

„Wie aus der Pistole geschossen“, so Richterin Höcker, hätten die Alibizeugen ausgesagt, dass der Angeklagte mit seinem privaten Pkw angekommen sei. „Auffallend gut“ hätten sich die Zeugen noch heute an viele Details erinnert, die im Februar 2013 passiert seien. „Deutlich blasser“ sei dagegen die Erinnerung an die diesjährige Geburtstagsfeier.

Mit ihrer Entscheidung folgte die Kammer dem Antrag von Oberstaatsanwalt Frank Hirt, die Berufung zu verwerfen. Verteidiger Ralf Jordan hatte auf Freispruch plädiert.  ly

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