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Zu früh für einen Abgesang

Naziaufmarsch Zu früh für einen Abgesang

Der Rückhalt für die Neonazi-Aufmärsche am Bad Nenndorfer Winckler-Bad bröckelt in der rechten Szene. Diese nicht ganz neue Botschaft erhält dieser Tage eine neue Bedeutung – der Vorstoß des Anmelders, den Aufmarsch zu verschieben, wird von einigen Beobachtern als Zeichen eines möglichen Rückzugs der Nazis gedeutet.

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Der Naziausmarsch in Bad Nenndorf könnte in diesem Jahr ausfallen.

Quelle: Archiv

Bad Nenndorf. DGB-Funktionär Steffen Holz hält es beispielsweise für denkbar, dass die Neonazis zumindest aus dem Zwang heraus wollen, jedes Jahr eine dreistellige Zahl an Demonstranten zu rekrutieren. Denn seit den Nazis Konfetti auf die Köpfe rieselt, Vuvuzela-Lärm um die Ohren fliegt und das Schlumpflied jegliche Gedenkstimmung vor dem Winckler-Bad im Keim erstickt, fällt es den Rechten immer schwerer, ihre Gesinnungsgenossen für den Aufmarsch in Bad Nenndorf zu begeistern.

Zweigeteiltes Lager

In den Augen von Beobachtern ist das Lager zweigeteilt: Auf der einen Seite diejenigen, die das ehemalige Verhörzentrum dauerhaft als Propaganda-Symbol missbrauchen wollen, auf der anderen Seite die Neonazis, die einer Gedenkveranstaltung Randale vorziehen. Vor dem Winckler-Bad müssen die Rechten aber die Fäuste stillhalten – Gewalt aus den eigenen Reihen wollen die Veranstalter keinesfalls sehen.

Vielmehr soll in Nenndorf offenbar der Eindruck entstehen, dass die Rechten die Guten sind. Diese Strategie gilt bereits seit zehn Jahren und ist neben dem bunten Protest der Bürger der Hauptgrund, warum immer weniger Neonazis zum Winckler-Bad marschieren.

Ähnlich könnte das Kalkül auch jetzt sein: Der Anmelder und seine Unterstützer könnten die Empörung wegen der Einschulungs-Verlegung auf den 7. August nutzen, um ein Einlenken vorzutäuschen. Damit würden die Rechten vermeintlich den Weg frei machen, dass die Einschulung doch auf den 6. August terminiert werden kann. Und sie könnten dann weiterhin argumentieren, für dieses Jahr wegen der Kürze der Zeit keinen Alternativtermin mehr abstimmen zu können.

Mögliches Ende des jährlichen Spuks

Damit fiele der Aufmarsch dann 2016 aus. Und was einmal ausgefallen ist, kann auch mehrmals ausfallen. So sieht es Holz zumindest und führt das Beispiel Wunsiedel an, wo die Nazis mittlerweile in unregelmäßigen Abständen auftauchen. Der DGB-Funktionär rechnet daher damit, dass zumindest das Ende des jährlich wiederkehrenden Spuks am Winckler-Bad naht.

Eine generelle und dauerhafte Abkehr von Bad Nenndorf hält Holz wiederum für unwahrscheinlich. Verfrühter Jubel könnte sich zu Boomerang entwickeln. Jürgen Uebel, Vorsitzender von „Bad Nenndorf ist bunt“, vermutet zwar ebenfalls, dass das Jahrzehnteprojekt „Trauermarsch“ gescheitert ist.

Ob in diesem oder im nächsten Jahr Schluss ist, sei für ihn zweitrangig. Noch sei der 6. August als Termin jedoch aktuell und die Verschiebung zu nebulös, um sie ernst zu nehmen.

Schmidt kritisiert medialen Wiederhall

Noch zurückhaltender reagiert Stadtdirektor Mike Schmidt auf die Entwicklung. Für Abgesänge ist es ihm zu früh, auch den medialen Widerhall auf den Anmelder-Anruf beim Landkreis findet Schmidt unglücklich. Schließlich könnten die Veranstalter im rechten Lager diese Berichte nutzen, um ihre Gesinnungsgenossen zu mobilisieren, dieses Jahr doch noch in die Kurstadt zu reisen.  gus

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