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Auftakt zum Prozess um versuchten Mord

Messerstich verfehlt Leber nur knapp Auftakt zum Prozess um versuchten Mord

Sollte ein 33-Jähriger sterben, um eine Erpressung zu vertuschen? Mit diesem Frage beschäftigt sich nun das Bückeburger Schwurgericht.

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Quelle: Symbolfoto

Haste/Bückeburg. Nachdem er ausgesagt hat, zieht der Zeuge sein Hemd hoch und zeigt Richter Norbert Kütemeyer die Narbe. Knapp oberhalb der Leber hat das Messer ihn getroffen. Das Organ blieb unverletzt, sonst wäre er vielleicht verblutet. Jeden Morgen vorm Spiegel wird der 33-Jährige daran erinnert. „Ich kann nicht vergessen“, erklärt er vor dem Bückeburger Schwurgericht.

Wenige Meter daneben sitzt der mutmaßliche Täter (33), angeklagt wegen versuchten Mordes und anderer Delikte. Martin Appelbaum, Leitender Oberstaatsanwalt in Bückeburg, wirft ihm vor, wiederholt zugestochen zu haben, um eine vorausgegangene Straftat zu verdecken. Gemeint ist schwere räuberische Erpressung.

Laut Anklage hatte der Mann aus Haste im Internet Computer für mehr als 3000 Euro angeboten, die es in Wirklichkeit gar nicht gab. Allein um Geld soll es gegangen sein, als er den potenziellen Käufer aus Pattensen am 13. Oktober 2014 in seine Wohnung lockte. Das wurde auch dem Opfer schnell klar. „Er hat gesagt, dass ich hier nicht lebend rauskomme, wenn ich ihm das Geld nicht gebe“, erinnert sich der Programmentwickler.

Mit einem Messer soll das Opfer dazu gebracht worden sein, ein Portemonnaie mit 50 Euro, Handy und Autoschlüssel rauszurücken. Die 3300 Euro waren in der Hosentasche. Im Flur soll der Hausherr den 33-Jährigen später von hinten in den Würgegriff genommen haben, bis diesem schwarz vor Augen wurde, bevor er den am Boden liegenden Mann mehrfach mit der Faust ins Gesicht schlug. Als das Opfer flüchten wollte, soll der mutmaßliche Täter dann dreimal zugestochen haben.

Trotzdem gelang es dem Verletzten, der außerdem eine Schnittwunde im Gesicht erlitten hatte, aus dem Haus zu kommen. „Aber ich konnte überhaupt nicht laufen, hatte keine Luft und keine Kraft“, berichtet er vor Gericht. Grund könnte der Blutverlust gewesen sein. Deshalb soll der Haster ihn rasch eingeholt haben. „Wieder ging er mit dem Messer auf mich los, aber diesmal konnte ich das abwehren.“

Den Angaben zufolge ließ ihn der Messerstecher daraufhin laufen. Anschließend sah der Programmentwickler noch, „wie er mit meinem Wagen wegfuhr“. Oberstaatsanwalt Appelbaum geht davon aus, dass der Täter auf seiner Flucht in ein Haus in Haste eingebrochen ist, aus dem er etwa 1500 Euro Bargeld sowie Schmuck stahl.

Einen Teil der Vorwürfe räumt der Angeklagte in einer von Verteidigerin Anne Deneke verlesenen Erklärung ein. Er bestreitet jedoch, mit einem Messer auf das Opfer losgegangen zu sein. Stattdessen soll der Mann aus Pattensen zum Messer gegriffen haben. In der eigenen Erklärung wird der Angeklagte als notorischer Betrüger beschrieben, der zuletzt bis 2013 in Haft gesessen hat, eine „halbseidene Spielernatur“ und „vollkommen pleite“. Eine Rechnung über 3000 Euro konnte er nicht bezahlen.

Ursprünglich will der 33-Jährige vorgehabt haben, im Internet „einen lupenreinen Betrug durchzuziehen“, doch der Käufer habe auf Übergabe der Geräte bestanden. Dann sei dem Angeklagten „die Idee gekommen, ihm das Geld abzunehmen“. Angeblich kam es zum Kampf, in dessen Verlauf der Käufer versucht habe, zuzustechen. Das Opfer ist noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Verdeckung einer Straftat gehört zu den Mordmerkmalen. In diesem Fall sollte nach Auffassung Appelbaums die Erpressung verdeckt werden. Kommt es zum Schuldspruch, kann auch bei versuchtem Mord eine lebenslange Freiheitsstrafe in Betracht kommen. Mindeststrafe sind drei Jahre. Für besonders schwere räuberische Erpressung sieht das Gesetz bis zu 15 Jahre Haft vor. Der Prozess wird fortgesetzt.  ly

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