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Gar nicht haarig

Flüchtling im Praktikum Gar nicht haarig

So kann Integration funktionieren: Seit mehreren Monaten absolviert Okba Almashan Alali aus Syrien ein Praktikum in einem Haster Friseurbetrieb. Er verfügt über Fähigkeiten, die hierzulande ausgesprochen rar sind. Die Rasur mit dem Messer ist sein Spezialgebiet und bei der Kundschaft schon beliebt.

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Okba Almashan Alali „befreit“ seine Kundin Sybille Umlauff geschickt und flink von störenden Härchen.

Quelle: ar

Haste. Der junge Syrer arbeitet bei Martina Schlenz‘ Salon „Cosmic Hair“. Er war in seiner Heimat bereits als Friseur tätig, ist seit einem Jahr und elf Monaten in Deutschland und ergänzt bereits jetzt die Angebotspalette im „Cosmic Hair“-Salon.

Die Künste des Syrers haben sich schnell herumgesprochen und werden gern in Anspruch genommen. Für den männlichen Teil der Kundschaft zückt er bevorzugt das Messer, denn Bartpflege und Rasur sind sein Spezialgebiet. Frauen färbt er die Wimpern, korrigiert ihre Augenbrauen und entfernt per Fadenepilation feinste Härchen aus dem Gesicht.

Wie bei einem Fadenspiel hält der 26-Jährige einen verknoteten Baumwollfaden zwischen den Händen, bevor er seiner Kundin Sybille Umlauff störende Härchen von Wange und Kinn entfernt. „Es ziept zwar ein bisschen. Dafür hält es aber auch vier Wochen“, erklärt sie augenzwinkernd. Vorher ist sie für diese Behandlung immer nach Hannover gefahren. Jetzt freut sie sich, diesen Service direkt vor der Haustür zu haben.

Beschwerliche Reise durch Südosteuropa

Vor rund zwei Jahren hatte der Flüchtling, dessen Asylberechtigung mittlerweile anerkannt worden ist, allein seine Heimat verlassen. Seine Eltern sind in Damaskus geblieben, während sein Bruder inzwischen in Mühlheim lebt. Einen Monat lang war Almashan Alali unterwegs – zu Fuß und per Anhalter. Die beschwerliche Reise führte ihn durch die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Ungarn. Nach den Aufnahmeformalitäten verbrachte er zunächst einige Zeit in einer Flüchtlingsunterkunft in Gießen. Sehr voll sei es dort gewesen – mit etlichen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, erzählt er ernst und ein wenig bedrückt. Nach einem kurzen Aufenthalt in Trier verschlug es ihn nach Stadthagen, wo er zurzeit noch wohnt.

Zustande gekommen ist der Kontakt zwischen Schlenz und Almashan Alali über die Friseurinnung. „Bei unseren regelmäßigen Treffen haben wir uns überlegt, dass wir Flüchtlingen helfen möchten“, erzählt die Friseurmeisterin. Nach einem sechsmonatigen Sprachkurs können Asylsuchende ein Praktikum, das sich über weitere sechs Monate erstreckt, absolvieren. Lange gezögert hat Schlenz nicht, obwohl ihr bewusst war, dass gerade der Beginn sicherlich von Hürden gekennzeichnet sein würde.

Die Chemie stimmte sofort

Schon nach kurzer Zeit klingelte ihr Telefon: man habe einen passenden Bewerber gefunden. Die Chemie zwischen den beiden stimmte sofort. Manchmal sei der kulturelle Hintergrund etwas hinderlich, gibt Schlenz zu. Eine weibliche Vorgesetzte zu haben, sei für den Syrer nicht einfach. „Aber wir kommen trotzdem prima zurecht.“, sagt sie lächelnd.

Ganz begeistert zeigt sich die Friseurin von seiner Föhntechnik. „Das kann er wirklich toll“, schwärmt sie. Nach dem Praktikum wird er die Möglichkeit haben, eine Prüfung abzulegen. Dann kann er seine Ausbildungszeit zum Friseur von drei auf zwei Jahre verkürzen. Denn anerkannt wird die Lehre, die er in Syrien erfolgreich beendet hat, hier nicht. ar

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