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Trotz Tränen weiter in Haft

Junge Frau kann von Betrug nicht ablassen Trotz Tränen weiter in Haft

Bewährungsstrafe und einmonatiger Warnschussarrest im Februar des vergangenen Jahres haben einer 20-jährigen Online-Betrügerin nicht zur Einsicht verholfen.

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Symbolbild

Quelle: dpa

STADTHAGEN/HASTE. Sie ignorierte ihre Bewährungsauflagen und sattelte auf die 136 Delikte des ersten Urteils bis zum vergangenen März weitere 19 Fälle drauf. Mit einem freiwilligen Haftantritt setzte sie ihrer gewerbsmäßigen Betrugsserie ein Ende.

Um der Menge der Einzelfälle beim Amtsgericht Herr zu werden, mussten Richter, Staatsanwalt und Verteidiger zunächst simultan ihre Akten in eine Reihenfolge bringen. 13 Anklagepunkte, die sich im Durchschnitt auf Betrugsfälle mit einer Streitsumme von 150 Euro inklusive einer Schwarzfahrt beziehen, waren zu verhandeln.

Screenshots von vermeintlichen Überweisungen

Der Vater der Angeklagten hatte die zur Zeit der ersten Verurteilung in Haste wohnende Frau von der Haftanstalt in Vechta zum Amtsgericht gebracht. Über das Internet-Portal „Kleiderkreisel“ erschlich sich die Arbeitslose Handtaschen, Uhren und Schuhe, indem sie Screenshots vermeintlicher Überweisungen an die Verkäuferinnen schickte. Um die prekäre Lebenslage mit ihrem gewohnheitsmäßig Marihuana konsumierenden Freund zu verbessern, habe sie die ergaunerte Ware weiter verkauft, wie ihr Verteidiger Ralf Jordan erklärte.

Der Hauptschulabschluss bei der Volkshochschule hatte sich wie die anderen Auflagen des letzten Urteils bald zerschlagen. Als der Haftantritt nicht mehr zu vermeiden war, wechselte die Delinquentin zu Strafverteidiger Jordan, der ihr über einen Gnadenantrag noch einen Haftaufschub einräumen wollte. Dennoch musste sie ab März in Vechta einsitzen – die „nötige Reißleine“ nach Einschätzung des Jugendamts.

Die bisher sechsmonatige Haft schien die Straftäterin wieder in die Spur zu bringen. Den Hauptschulabschluss legte sie mit guten Noten ab und kam über ihr anständiges Auftreten schnell zu Hafterleichterungen.

Eine Kindheit mit häufigen Wohnortswechseln, die zerrüttete Beziehung der Eltern, Schulmobbing und nicht näher erläuterte Gewalterfahrung führte die Sozialpädagogin zugunsten der leise weinenden Angeklagten an, die schon im Alter von 17 Jahren in Haste auf sich allein gestellt war.

Erweiterter Realschulabschluss ist ein Ziel

Amtsrichter Kai-Oliver Stumpe stimmte dem Verteidiger zu, dass die reumütige junge Frau bisher weit hinter ihrem geistigen Potenzial zurückgeblieben ist. Ein erweiterter Realschulabschluss sei ihr mittelfristiges Ziel, weshalb Jordan auf eine verkürzte Haftzeit plädierte.

Der leidenschaftlich auftretende Jurist bemühte ein Szenario wie aus dem Vorspann einer „Tatort“-Episode, um Verständnis für die desperate Lage seiner Mandantin zu schaffen. Auch grundlegende Kritik an Rechtsnormen und Bildungssystem ließ er nicht aus.

Letztendlich waren sich Staatsanwalt und Richter aber darüber einig, dass der „besonders schwere Fall“ durch die unzähligen dreisten Betrügereien nicht unter zweieinhalb Jahren Haft zu ahnden ist. Ob die junge Frau auf ihrem positiven Weg bleibt, müsse sie erst noch beweisen. geb

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