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Warnschuss für Internet-Betrügerin

Bewährungsstrafe für 19-Jährige Warnschuss für Internet-Betrügerin

In einem Prozess, der die üblichen Dimensionen von Schaumburger Betrugsverfahren sprengt, hat das Amtsgericht in Stadthagen eine Heranwachsende aus Haste zu zwei Jahren Jugendstrafe mit Bewährung verurteilt. Reihenweise hatte die 19-Jährige im Internet Teilnehmer von Tauschbörsen abgezockt.

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Quelle: dpa

Haste/Stadthagen. Vor Richter Kai Oliver Stumpe türmt sich ein Berg Akten auf. „In den letzten zwei Wochen sind noch jede Menge Anklagen dazugekommen“, spricht Stumpe die Angeklagte an. „Sie konnten sich vor Behördenpost wahrscheinlich nicht retten“, fügt er hinzu. Im nächsten Moment überreicht die junge Frau ihrem Verteidiger Lars Hinners einen Umschlag. „Das sind fünf neue Vorladungen zur Polizei“, erklärt Hinners. Staatsanwältin Karin Dubben macht eine Bewegung, als wolle sie die Hände überm Kopf zusammenschlagen.

Fast eine Stunde lang verliest Dubben anschließend insgesamt 25 Anklageschriften. Unterm Strich stehen 136 einzelne Fälle von Betrug, 86 davon gewerbsmäßig. Bei Werten unter 50 Euro geht der Gesetzgeber nicht von Gewerbsmäßigkeit aus. Der Gesamtschaden liegt bei 10 000 Euro. Die 136 Opfer sind über ganz Deutschland verteilt, denn der Tatort ist das weltweite Netz. In Tauschbörsen hatte die 19-Jährige zumeist Schuhe, Taschen oder Uhren angeboten und sich den Kaufpreis vorab auf ihr Konto überweisen lassen, ohne die Sachen jemals abzuschicken. Teilweise ließ sie sich auch Ware schicken und täuschte eine Überweisung vor, bezahlte jedoch nicht.

Vorausgegangen war dem Urteil eine Absprache aller beteiligten Juristen. Die 19-Jährige bekommt zwar Bewährung, wird aber trotzdem eingesperrt. Neuerdings kann neben Jugendstrafen auf Bewährung ein so genannter Warnschuss-Arrest verhängt werden. Dies hat Richter Stumpe jetzt zum ersten Mal getan, im Fall der Betrügerin sind es vier Wochen. „Das werde ich Ihnen nicht ersparen“, machte er der Arbeitslosen klar.

Mehr noch: Die Verurteilte muss 200 Stunden gemeinnützig arbeiten, bekommt einen Bewährungshelfer, sechs Monate Einzelbetreuung und muss sich in einem Kurs anmelden, um den Hauptschulabschluss nachzuholen. Hätte das Gericht das allgemeine Strafrecht für Erwachsene angewendet, wäre die Angeklagte wohl für mehrere Jahre in Haft gelandet. Die Vorwürfe wiegen nämlich schwer. In 41 Dienstjahren hat ein Polizist aus Bad Nenndorf, der die Ermittlungen geführt hatte, noch nie eine solche Vielzahl von Betrugsfällen bei einer so jungen Person erlebt.

Im Gegenzug dafür, dass das Gericht ihr zusicherte, eine bestimmte Strafe nicht zu übersteigen, musste die junge Frau ein Geständnis ablegen. „Ich will mein Leben in den Griff bekommen“, versicherte die 19-Jährige. „Dies ist Ihre allerletzte Chance“, warnte Richter Stumpe die Angeklagte, der er „hohe kriminelle Energie und eine gewisse Gleichgültigkeit“ attestierte. „Falls Sie die Dreistigkeit haben sollten, weiter solche Dinger zu drehen, werde ich nicht zögern, Sie für mehrere Jahre in den Jugendstrafvollzug zu stecken.“  ly

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