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Wildschwein wütet im Keller

Haste Wildschwein wütet im Keller

Ein Wildschwein hat eine Kellerwohnung in Haste völlig verwüstet. Am gleichen Tag hatten die Landesforsten eine Treibjagd im Haster Wald organisiert

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Ein blutverschmiertes Sofa, ein demoliertes TV-Gerät, Blutspritzer an der Tapete und umgeworfene Möbel – der Keller gleicht einem Schlachtfeld. Durch das Fenster rechts oben im kleinen Bild drang das Wildschwein ins Haus ein.gus (2)

Haste. Als Julia Menzel (Namen von der Redaktion geändert) nach einem Ausflug die Tür zu ihrer Kellerwohnung öffnet, beginnt sie zu schreien, dann bricht sie in Tränen aus. Ihre Eltern eilen herbei und erblicken ein Bild des Grauens: Blut klebt an den Wänden, an den Möbeln und auf dem Fußboden. Überall liegen Scherben herum, die Möbel sind kreuz und quer in den Räumen verteilt. Die Menzels rufen sofort die Polizei – sie ahnen Schlimmes.

Wer den Keller in ihrem Haus am Haster Waldrand so zugerichtet hat, kann sich die Familie nicht erklären. Sie selbst wagen es nicht, die Räume näher zu inspizieren, befürchten sie doch, dass dort irgendwo ein verletzter oder sogar toter Mensch liegt. Nur in einem Punkt können die Menzels sicher sein: Ein Familienmitglied vermissen sie nicht.

Als die Polizisten eintreffen, erschrecken auch sie. Und sie rechnen ebenfalls damit, auf menschliche Opfer zu stoßen. Doch im Keller finden sie nichts. Ein zerborstenes Fenster gibt zumindest Aufschluss darüber, wie der oder die Eindringlinge ins Haus und wieder heraus gelangten. Im Garten und an der Straße suchen die Ermittler weiter, auch dort finden sie kein Opfer. Doch einer der Beamten entdeckt einen Kothaufen, den er einem Wildschein zuordnet. Beim nochmaligen Untersuchen des Fensters entdecken die Polizisten dort Haare, die zu solch einem Tier passen.

Zunächst atmen die Menzels auf – eine menschliche Tragödie scheint sich in ihrem Haus nicht abgespielt zu haben. Doch vor allem die 23-jährige Julia steht unter Schock – auch Tage danach hat sie das Erlebnis noch nicht verarbeitet. Und dann wäre da noch der komplett verwüstete Keller mit all dem Blut.

Aufgrund der Spuren geht die Polizei nun davon aus, dass ein verletztes Wildschwein im Keller gewütet hat. „Es gab mehrere Hinweise auf freilaufende Tiere an diesem Tag“, erklärt Kommissariatsleiter Michael Andreas Meier. Außerdem habe es in der Gegend einen Wildunfall gegeben. „Den Kollegen vor Ort ging schon ein wenig die Düse. In so einer Situation kann man selbst mit der Dienstwaffe nicht viel anrichten“, so Meier weiter. Die Beamten beziffern den Schaden auf etwa 7000 Euro. Nach Informationen dieser Zeitung trieb sich am selben Nachmittag auch ein Wildschwein auf einem Spielplatz in Haste herum. War es das Tier, das später im Keller wütete?

Die Niedersächsischen Landesforsten hatten an jenem Tag eine Treibjagd im Haster Wald organisiert. Doch Stefan Fenner, Betriebsleiter der Landesforsten, sagt, der Vorfall müsse damit nicht in Zusammenhang stehen. „Es passiert oft, dass Wildschweine in Siedlungen laufen. Und wenn sie nicht wieder herausfinden, geraten sie in Panik“, so Fenner.

Dies steht aber im Widerspruch zu dem, was die Menzels und ihre Nachbarn bislang erlebt haben. „Wir wohnen hier seit 20 Jahren, wir hatten noch nie Wildschweine im Garten“, betont Simone Menzel. Für die Familie reißen die Hiobsbotschaften nicht ab, denn mittlerweile hat die Versicherung erklärt, dass sie für den Schaden nicht aufkommt. Und da Wild keinen Halter hat, kommt auch kein Haftpflichtschutz infrage. Die Festtage sind für die Menzels verdorben. Denn außer dem materiellen und psychischen Schaden treibt die Menzels noch ein Gedanke um: Was, wenn Julia in der Wohnung gewesen wäre, als das Wildschwein dort eindrang?

Ob das verletzte Tier gefunden wurde, ist übrigens nicht bekannt. gus/js

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