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Hohnhorst Bagger legt frühzeitliches Gräberfeld frei
Schaumburg Nenndorf Hohnhorst Bagger legt frühzeitliches Gräberfeld frei
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21:22 26.05.2011
Stolz auf Jahrstausend alte Keramiksplitter: Franziska Böger von der Unteren Denkmalbehörde, Archäologe Jens Berthold und Landwirt Cord Lattwesen auf dem Gräberfeld bei Hohnhorst.

Hohnhorst (rwe). Mittlerweile sind es mehr als 150 Urnen, die auf dem Grund und Boden der Familie Lattwesen bei Hohnhorst ans Licht kamen. Beim Bau der neuen Biogasanlage hinter dem Hof war Baggerführer Wilhem Seegers in etwa 25 Zentimetn Tiefe auf die vorchristliche Stätte gestoßen. Landwirt Cord Lattwesen meldete diese pflichtgemäß beim Landkreis und schränkte die Erdarbeiten vorübergehend ein.

„Wir spielen hier so etwas wie die Feuerwehr“, sagt Berthold, der seit mehr als einer Woche dabei ist, die Grabstellen zu erfassen und freizulegen. Die Keramikspuren und Brandreste der Knochen sind ohne geschulten Blick kaum erkennbar. Von wann die Anlage stammt und von wem sie einst angelegt wurde, kann er nicht mit Bestimmtheit sagen. Er ordnet den Fund in die vorrömische Eisenzeit ein, einige Jahrhunderte vor der Christianisierung.

„Auf das Jahrzehnt genau wird sich das kaum feststellen lassen“, sagt Berthold. Für ihn galt es zunächst, den Ort zu sichern. Er kartografierte das Feld, ehe er mit Spaten und Schaufel die Urnen freilegte und dann einzeln säuberlich verpackte und katalogisierte. Dabei entdeckte er im Lauf der Zeit immer mehr Grabstellen, einige auch mit Beigaben und kleineren Gefäßen. Außer drei eherenamtlichen Kräften kamen auch Mitarbeiter aus dem Landesamt für Denkmalpflege zu Hilfe. Bis zu zehn Leute machten sich manchmal daran, die Funde zu sichern.

Einen solchen Auflauf hätte Lattwesen nie erwartet, als er die dunklen Flecken im Erdreich sah. „Ich dachte, was das wohl für eine komische Pflanze gewesen sein muss“, schildert er, nachdem Seegers den Mutterboden abgezogen hatte. Der Mann stieg vom Bagger und erkannte sofort, dass die dunklen Kreise auf Urnen schließen lassen – und die weißen Splitter auf Reste verbrannter Knochen.

Der gelernte Landmaschinentechniker ist ein halber Profi, hat nach eigenen Worten schon mehrmals für Archäologen gearbeitet und Fundorte ausgebaggert. „Die Hohnhorster Chronik muss neu geschrieben werden“, sagt Lattwesen, für den der Anruf im Kreishaus selbstverständlich war. „So etwas darf man nicht zerstören.“
Für Berthold kam die Meldung aus dem Bereich dagegen eher überraschend. Von einer Siedlung dort ist nichts überliefert. Angesichts der Menge geht der Fachmann davon aus, dass die Gräber zu mehreren Hofstellen oder einem früheren Dorf gehören.

Antworten darauf dürften auf sich warten lassen. Berthold sichert das Material und bringt es ins Magazin nach Bückeburg. „Wir wollen die Baustelle nicht unnötig lange behindern.“ Wie es mit der Auswertung weiter geht, steht noch nicht fest. Berthold, der heute zu einer Pressekonferenz auch den NDR erwartet, könnte sich vorstellen, dass der Fund eine gute Grundlage für eine Studienarbeit bilden könnte. Wenn es finanziell möglich sei, dann würde er gerne einen Anthropologen einschalten.

Dieser könnte aus den Knochensplittern das Alter, Geschlecht und möglicherweise sogar den Gesundheitszustand der Verstorbenen herauslesen. Wie lange die Urnen allerdings im Hohnhorster Erdreich auf ihre Entdeckung gewartet haben, ließe sich selbst auf diese Weise nicht genau klären.