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Hohnhorst Geschenk entzweit ein Dorf
Schaumburg Nenndorf Hohnhorst Geschenk entzweit ein Dorf
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00:27 30.05.2015
Das baufällige Sportheim wird seit Jahren nicht mehr genutzt. Der Abriss sorgt dennoch für Ärger. Quelle: gus
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Rehren. Viele Rehrener sind sauer, dass wahrscheinlich morgen, Donnerstag, das alte Sportheim abgerissen und bis Sonnabend mit einem Neubau ersetzt wird, ohne dass die Dorfgemeinschaft eingebunden wurde.Das räumt Initiator Cord Lattwesen auch ein. Der Kreislandwirt verweist aber auf die Spielregeln der sogenannten 72-Stunden-Aktion der Niedersächsischen Landjugend.

In diesem Zeitraum sollen Ortsgruppen öffentlichkeitswirksam Projekte umsetzen. Lattwesen kam die Idee, das baufällige Sportheim, Baujahr 1961, abreißen zu lassen, um dort einen Aufenthaltsraum für die Landjugend Nordschaumburg zu schaffen. Dieses Projekt sollte im Vorfeld allerdings streng geheim gehalten werden – so steht es im Regelwerk.

Lattwesen ahnte, dass er die Sache zuvor zumindest im Gemeinderat – mit der Bitte um Verschwiegenheit – ankündigen sollte. Dort erntete der Hohnhorster auch Kritik seitens der SPD, Politiker von CDU und Wählergemeinschaft fanden die Idee nicht so schlecht, weil der Gemeinde keine Kosten entstünden. Als die Informationen dann aber doch zur Dorfgemeinschaft durchdrangen, schlugen die Wellen hoch.

Die Gruppe plant nämlich seit Jahren den Bau eines Dorfgemeinschaftshauses. Als Standorte kommen eine alte Scheune in der Nähe des „Gartens der Sinne“ und eben das alte Sportheim in Betracht. Schreitet die Landjugend nun zur Tat, sieht die Dorfgemeinschaft – immerhin Vertretung aller örtlichen Vereine – die eigenen Pläne durchkreuzt. Daher appelliert die Gruppe an den Rat, sich künftig zumindest auch für das Dorfgemeinschaftshauses einzusetzen. Achim Junk, stellvrtretender Vorsitzender der Gruppe, betont, dass es nicht gegen das Landjugend-Projektz an sich geht, sondern allein um die Vorgehensweise Lattwesens.

Theoretisch könnte es passieren, dass die ganze Sache noch abgeblasen wird – um 18 Uhr soll eigentlich auch der Abriss des Sportheims beginnen, zur selben Zeit tagt der Rat, um in letzter Minute grünes Licht geben zu können. Doch Bürgermeister Wolfgang Lehrke sagte gegenüber dieser Zeitung, dass er damit nicht rechnet. Er findet das Vorgehen Lattwesens zwar einigermaßen befremdlich, aber er befürchtet auch, dass ein Veto des Rates von der Bevölkerung als undankbar ausgelegt würde.

Schließlich bekommt die Gemeinde ja etwas geschenkt. Und der MTV Rehren A.R. soll das baufällige Sportheim schon seit drei Jahren abreißen. Eine Baugenehmigung hat Lattwesen zudem vom Landkreis erteilt bekommen. Die Finanzierung steht ebenfalls: Sponsoren steuern Geld bei, den Rest begleicht der Dachverband der Landjugend.

Lattwesen versuchte am Montagabend beim Vorstand der Dorfgemeinschaft, die Wogen zu glätten. Gelungen sei ihm das nicht, gesteht er ein. Doch Lattwesen will die Aktion jetzt nicht selbst absagen. Schließlich sei es sein Anliegen gewesen, der Landjugend ein Domizil zu schaffen.

Die Dorfgemeinschaft habe zudem auf dem Areal auch noch genügend Platz, um ein Dorfgemeinschaftshaus neben das Landjugend-Gebäude zu setzen. Lattwesen betont, nie im Sinn gehabt zu haben, jemanden zu ärgern. gus

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