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Obsthof baut, Nachbarn gehen auf die Barrikaden
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Ohndorf Obsthof baut, Nachbarn gehen auf die Barrikaden

Ohndorf. Seit fast zwei Jahren stoßen die Baupläne eines Landwirts auf Widerstand der Anwohner. Alle Kompromissvorschläge sind gescheitert. Eine Gemeinschaftsklage läuft, der Flächennutzungsplan ruht. Der Obstbauer scheint jetzt Tatsachen geschaffen zu haben, baute eine Zuwegung direkt hinter den Gärten der klagenden Nachbarn. Diese bezweifeln die Rechtmäßigkeit und beantragten eine einstweilige Anordnung für einen Baustopp.

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Ende der Toleranz: „Wir machen unsere Rechte als Nachbarn geltend“, sagen Stefan Meyer (von links), Dieter Engelking und Wilfried Bade.

Quelle: Teschner

Der Obsthof Brüggenwirth will expandieren und benötigt mehr Lagerflächen. Die Lösung: eine 1500 Quadratmeter große Halle. Die direkten Anlieger in der Flütstraße fühlen sich ihrer Lebensqualität beraubt und befürchten massive Verluste beim Verkehrswert ihrer Grundstücke. Außer der Aussicht auf ein „Stahlkoloss“ erwarten sie Staub- und Lärmbelästigungen sowie erheblichen Kunden- und Zulieferverkehr. „Wir hören jetzt schon die Kühlaggregate und das Spritzen, damit haben wir gelebt“, erklärt Stefan Meyer, der sich umgehend nach Anrücken der Laster beim Landkreis nach der Bauanzeige für den Weg erkundigt habe. Demnach sei keine Baumaßnahme gemeldet worden. „Meines Erachtens ist die Baugenehmigung nicht rechtens“, betont Wilfried Bade, „die Zufahrt liegt im Osten, sollte laut Plan aber im Westen hinter der Lagerhalle verlaufen.“

Der Konflikt gärt seit zwei Jahren. Vor dem Verwaltungsgericht läuft seit Juli 2008 eine Gemeinschaftsklage der Nachbarn Bade, Engelking, Meyer und Matthias gegen das Projekt. Ein erster Widerspruch gegen die Baugenehmigung für die Lagerhalle war im Juni 2008 vom Bauordnungsamt des Landkreises abgelehnt worden. Allerdings unter der Voraussetzung, dass die Zufahrt westlich der Lagerhalle und damit abgewandt von den Grundstücken Flütstraße 3 bis 11 errichtet wird. Diese Bedingung zum Immissionsschutz sei jetzt unterlaufen worden, so Bade.

Die Anlieger fühlen sich überrumpelt. Zwar liege eine Baugenehmigung für die Halle vor. „Genau darum dreht sich jedoch der Streit“, verweist Bade auf das schwebende Verfahren. Daher sei der gemeinsame Anwalt beauftragt worden, eine einstweilige Anordnung gegen den eigenmächtigen Startschuss des Landwirtes zu erreichen. Dieser habe die Geduld und Toleranz seiner Nachbarn überstrapaziert. „Jetzt ist Schluss“, so Meyer. Dieter Engelking geht es ähnlich. „Unser ganzer Garten läge im Schatten“, habe er das Gespräch mit Brüggenwirth gesucht. „Aber da rennt man gegen eine Wand.“

Eine einvernehmliche Lösung ist trotz anderer Vorschläge nicht in Sicht. Auch Ratsherr Werner Bövers als Vermittler kam nicht weiter, der alternativ Bauland zum Kauf angeboten hatte. „Dies scheiterte jedoch an unterschiedlichen Preisvorstellungen“, so Bade. Im April hatte Brüggenwirth einen aussichtsreichen Kompromissvorschlag vorgelegt. Der Haken: Als Ausgleich für die Mehrkosten habe Brüggenwirth einen sechsstelligen Betrag von den Nachbarn gefordert, die im Gegenzug einen Streifen Land hinzu bekommen hätten. Ein wenig verlockendes Angebot, meint Bade: „Dann sind wir noch näher an der Halle dran und kaufen wertlose Flächen zu Baulandpreisen.“ Zudem fehlten bis heute Angaben, wie sich diese Summe zusammensetze. Er spricht von einer „Hinhaltetaktik, um die Öffentlichkeit rauszuhalten.“ Ohnehin würde der Landwirt bei einem Landerwerb von erheblichen wirtschaftlichen Vorteilen profitieren, sagt der Finanzbeamte. Eine Ausgleichssumme könne vor Abschluss des Gerichtsverfahrens nicht beansprucht werden.

„Die Wogen sind sehr hoch geschlagen“, bestätigt Bade die Unruhe im Dorf. „Wir sind nicht gegen die Expansion, aber wir wollen die Lebensqualität erhalten.“ Er vermutet eine „Retourkutsche“. Schon bei der Ortsbegehung vor zwei Jahren habe Brüggenwirth damit gedroht: „Dann baue ich die Straße direkt hinter eure Gärten.“ Dieses wurde in den letzten Tagen geschaffen. „Und das alles in einem Landschaftsschutzgebiet“, kritisiert Meyer die Privilegien. „Warum wird ein Landwirt heutzutage noch derart bevorzugt“, fragt er und erinnert Brüggenwirth an seine Vorbildwirkung als Ratsmitglied. „Wir wissen immer noch nicht, was er in der Riesenhalle lagern will“, moniert Meyer. „Warum kann er die nicht außerhalb des Ortes errichten.“ Die Nachbarn fühlen sich mundtot gemacht und setzen laut Bade auf rechtlichen Beistand: „Wir hoffen, dass das Verwaltungsgericht zu unseren Gunsten entscheidet.“ tes

Landwirt fühlt sich im RechtDas Bauamt war da und hat kontrolliert“, berichtet Karl-Walter Brüggenwirth. Das Ergebnis: „Der neue Weg ist im Plan vorgesehen“, sagt er. Diese Zufahrt soll den Lieferverkehr von der Flütstraße aus durch das Tor neben dem Grundstück Engelking auf das Gelände des Obsthofes führen, wo der Weg an der Grenze zu den Nachbarn entlang durch die geplante Lagerhalle verläuft. Diese soll ungeachtet der Proteste in 60 Meter Länge und 25 Meter Breite direkt auf Höhe der Eigenheime errichtet werden, beruft sich Brüggenwirth auf die Baugenehmigung, gegen die seine Nachbarn klagen. „Der Weg war der erste Bauabschnitt“, bestätigt der Obstbauer. „Sicher habe ich damit Tatsachen geschaffen.“ Er sieht aber darin kein Problem. „Ich kann die Halle auch bauen, ohne dass ich den Ausgang des Verfahrens abwarte.“ Ein genauer Termin für den Bau der Halle stehe noch nicht fest. Er habe den Nachbarn ein Angebot gemacht. Die Forderung nach einer sechsstelligen Summe von den Nachbarn bestätigte er nicht. „Sie bekommen etwas zu ihren Grundstücken dazu“, so Brüggenwirth. Für diesen Landkauf wäre ein Obulus zu zahlen. „Dieser Kompromiss hätte mir auch sehr wehgetan“, betont er, „aber zum Nulltarif kriegen die Nachbarn das nicht.“ Sein Entgegenkommen hätten diese abgelehnt. „Da war für mich klar: Ich muss das durchziehen.“ Dieser ewige Druck sei nervenaufreibend, erklärt er, keiner könne erwarten, dass es ewig so weiterlaufe. Dennoch wolle er mit den Nachbarn im Gespräch bleiben. „Wenn der Richterspruch kommt und ich darf nicht bauen, werde ich nach Alternativen suchen“, sieht Brüggenwirth die Zukunft des Hofes gefährdet. „Vorerst werde ich weiter für meinen Betrieb kämpfen.“ tes

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