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Tendenz pro Flüchtlinge

Ohndorf Tendenz pro Flüchtlinge

Gut 60 Zuhörer haben am Montagabend am Bürgerforum der Gemeinde Hohnhorst zum Thema Flüchtlingsunterkunft teilgenommen. Landkreis-Mitarbeiter Klaus Böhm wiederholte: Der Kreis habe Interesse an der Alten Schule Ohndorf als Übergangsunterkunft.

Ohndorf. Das Stimmungsbild der Bürger war gespalten, aber leicht pro Flüchtlinge.

 Aus Eritrea und Somalia kommen derzeit zahlreiche Flüchtlinge nach Schaumburg, auch aus Syrien, Tschetschenien, Serbien, Bosnien, Albanien, Montenegro und dem Kosovo stammten die Asylsuchenden. Etwa ein halbes Jahr dauert in der Regel der Aufenthalt in einer Übergangsunterkunft, dann sollen die Flüchtlinge in einer selbst gemieteten Wohnung unterkommen. Böhm räumte ein, dass es in Einzelfällen auch um einiges länger dauern kann. „Es kann zwei Wochen dauern, aber auch zwei Jahre, bis sich eine Flüchtlingsfamilie eine eigene Wohnung sucht“, so Böhm.

 Der Landkreis würde die 136 Quadratmeter große Wohnung in der Alten Schule unbefristet mieten, um dort bis zu acht Flüchtlinge unterzubringen. Somit käme die Gemeinde in den Genuss von Mieteinnahmen. Böhm betonte, dass der Kreis die Wohnung nicht kündigen würde, nur weil diese ein paar Wochen leer stehe.

 Mehrere Zuhörer zweifelten an der Eignung des Ortes Ohndorf für den Aufenthalt von Asylsuchenden. Dort gebe es keine Einkaufsmöglichkeiten, keinen Kindergarten und keine Schule. Auf die Frage, ob den Flüchtlingen ein Taxi gerufen werde, um sie zum Einkaufen zu bringen, antwortete Böhm: „Sicherlich kein Taxi, aber es gibt ja auch Fahrräder.“ Andere sorgten sich um die Unversehrtheit des Außengeländes, das möglicherweise von den Flüchtlingskindern beschädigt werden kann.

 Weitere Bedenken ergaben sich, weil das Glockenläuten der Alten Schule die teils aus Kriegsgebieten geflohenen Menschen zu sehr stören könnte. Schließlich sei der Vormieter der Alten Schule deshalb ausgezogen. Ein Ohndorfer warnte davor, dass die Glocke nachts abgestellt wird. „Das ist Tradition. Anderswo werden Gebetstürme gebaut, und wir sollen ruhig sein“, ereiferte sich der Mann. Awo-Mitarbeiterin Natia Lang entgegnete: Kaum ein Flüchtling dürfte sich an der Glocke stören. „Die sind froh, wenn sie ein Dach über dem Kopf haben“, so Lang.

 Es gab aber nicht nur Bedenken gegen die Unterbringung von Flüchtlingen. Mehrere Zuhörer wünschten sich die erfolgreiche Integration von Asylsuchenden. Eine Ohndorferin appellierte an die Menschlichkeit ihrer Mitbürger, andere erinnerten an die Flüchtlingsgeschichte eigener Vorfahren.

 Vereinsvertreter forderten, dass die Nutzung der Dorfgemeinschaftsräume in der Alten Schule nicht eingeschränkt wird. Die Tendenz fiel unterm Strich leicht pro Flüchtlinge aus, der Rat muss nun am 27. November ein Votum fassen. Zuvor soll die Sicht der Vereine noch genauer abgefragt werden.

 Die Frage, warum unter den drei vergleichbaren Immobilien der Gemeinde nur die Ohndorfer Alte Schule in der Debatte berücksichtigt wird, beantwortete Bürgermeister Wolfgang Lehrke so: Die Alte Schule Hohnhorst sei bereits Anfang 2014 als Flüchtlingsunterkunft ausgeschlossen worden, weil dort zu hoher Renovierungsbedarf geherrscht habe. Ins Spiel gebracht habe die Hohnhorster Alte Schule Heinrich Bremer, Amtsleiter bei der Samtgemeinde. Die Alte Schule Rehren scheide aus, weil diese komplett vermietet sei. In Ohndorf seien keine Renovierungsarbeiten nötig, zumindest nicht auf Kosten der Gemeinde Hohnhorst. gus

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