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„Wir geben nicht auf“

Neuanfang nach Hausbrand „Wir geben nicht auf“

Den 7. Februar 2015 wird Familie Freiberg aus Ohndorf wohl nie wieder vergessen. Ihr Haus, in dem die fünf Familienmitglieder seit 20 Jahren gelebt haben, und all ihr Hab und Gut fallen einem Brand zum Opfer. Kraft gibt ihnen in den folgenden Tagen die Unterstützung von Freunden, Verwandten und Mitbürgern – mit einer Hilfsaktion, die ihresgleichen sucht.

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Im „neuen“ Erdgeschoss der Freibergs finden sich noch deutliche Spuren des Unglücks (Bild links): Auf dem Boden liegen gerettete Dokumente und Bücher zum Trocknen aus, gespendete Kleidung stapelt sich in der Ecke. Was nicht passt, wollen die Freibergs ihrerseits spenden.

Quelle: kle

Ohndorf. Als im Carport neben dem Haus an der Kapellenstraße nach einem Kurzschluss ein Feuer ausbricht, ahnt das Ehepaar Freiberg noch nicht, dass es in wenigen Stunden vor den Trümmern seiner Existenz stehen wird. Binnen kürzester Zeit steht das ganze Haus in Flammen, die Löscharbeiten dauern über Stunden an. „Ein bisschen `was konnten wir retten“, erzählt Nicole Freiberg. „Aber es ist so vieles verloren, was man mit Geld nicht wiederkaufen kann.“ An vorderster Stelle das Kaninchen der Tochter, das im Rauch erstickt ist.
Als klar wird, dass auch das Haus betroffen ist, geht alles rasend schnell – und das ganze Gebäude ist von schwarzem Qualm erfüllt. Vom Gutachter erfährt sie später: „Wäre das Feuer in der Nacht ausgebrochen, hätten wir hier fünf Särge stehen gehabt.“ Denn die Raumelder schlugen zu spät an.
Glück im Unglück haben die Freibergs auch bei wichtigen Dokumenten wie Geburtsurkunden. Diese befinden sich in einem Abschnitt des Hauses, der nicht so stark betroffen ist wie die anderen. Auch zwei Fotoalben entgehen wie durch ein Wunder den Flammen. Alles andere – von Möbeln über Kleidung und Haushaltsgegenstände bis hin zu persönlichen Wertsachen wie den Eheringen – ist verloren. Vom Haus bleibt nur eine Ruine. Es muss abgerissen werden. Für die Familie ein besonders schwerer Schlag.
„Das Haus haben wir 1994 gekauft – das war unser Traum“, erzählt Andreas Freiberg. Sämtliche Arbeiten und Renovierungen, vom Dach bis zum Keller, die an dem 1937 errichteten Gebäude zu erledigen waren, haben sie selbst erledigt. „Wenn man dann ansehen muss, wie 20 Jahre deines Lebens einfach abbrennen...“ Auch die drei Kinder trifft es hart. Aus den Zimmern der beiden jüngeren – zwölf und 15 Jahre alt – ist nichts mehr übrig geblieben.
Einen Lichtblick bildet in den folgenden Tagen die Hilfsbereitschaft aus dem Ort, aber auch von außerhalb. Die ersten zwei Tage kommen die Freibergs bei einer Nachbarin unter, danach steht für sie ein komplett möbliertes Haus bereit. Das Haus selbst gehört einem befreundeten Ohndorfer und stand vorher leer. Das Inventar haben die Ohndorfer Dorfgemeinschaft, die Dorfjugend und Feuerwehren per Sammelaktion herbeigeschafft.
„Als wir hier ankamen, war alles komplett fertig“, schwärmt Nicole Freiberg. „Sie haben sogar Blumen ins Fenster gestellt. Und das Zimmer der Kleinen haben sie so schön hergerichtet.“ Auch Spiele und Bücher finden sich unter den Spenden, dazu viele Kleidungsstücke. Selbst an Essen haben die Helfer gedacht. „Regelmäßig standen Freunde vor der Tür, fast im Fünf-Minuten-Takt, und fragten: Was braucht ihr noch?“ Für diese „unsagbare Hilfsbereitschaft“ seien sie unendlich dankbar.
Hilfe kommt außerdem in Form von hilfreichen Tipps und Hinweisen, erzählt Andreas Freiberg. Denn vom Abbestellen von Strom und Wasser über zahlreiche Behördengänge bis hin zum Erstellen neuer Bauanträge „gibt es so vieles zu bedenken“. Kopfzerbrechen bereitet dem Ehepaar weiterhin das Thema Versicherung. Denn bis diese ihre Untersuchungen nicht abgeschlossen hat, „hängen wir wie in einem luftleeren Raum“, wie es Nicole Freiberg formuliert. Bevor nicht klar ist, wann und wie hoch die Familie entschädigt wird, „sitzen wir da und können nichts machen. Das ist furchtbar“.
Ziel der Freibergs ist es, sobald ihr altes Haus abgerissen ist, an derselben Stelle wieder ein neues zu errichten. Noch ein Jahr können sie in der Ersatzunterkunft bleiben – nur so lange bezahlt die Versicherung. Bis dahin, so der feste Wunsch von Andreas Freiberg, soll das neue Heim stehen und bezugsfertig sein. „Wir geben nicht auf“, betont auch seine Frau. „Diese Sache hat uns zurückgeworfen, aber nun fangen wir eben noch einmal ganz neu an.“ kle

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