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Bad Nenndorf / Antrag

Die Kurparkplanung steht heute auf der Kippe

Die von der Stadt beabsichtigte Umgestaltung des Kurparks könnte heute in einem politischen Beben untergehen. Denn der Rat behandelt in seiner Sitzung um 18 Uhr im Haus Kassel einen Antrag des SPD-Ratsherrn Fritz Varwig, der im Erfolgsfall das vorliegende Konzept in großen Teilen über den Haufen werfen dürfte. Danach soll die Politik beschließen, auf den Umbau der Esplanade zu verzichten, „ausgenommen Verbesserungen der Wege und Plätze sowie die Anpflanzung einiger Bäume“.

So sieht das Entwurfskonzept für die Esplanade aus: Angelehnt an das historische Vorbild soll ein Baumraster aus Linden auf dem Platz gepflanzt werden. Die Blumenbeete sind verschwunden, nur das Hamburger Dach darf stehen bleiben. In weiten Teilen erhält die Fläche eine wassergebundene Decke. Heute entscheidet der Rat, ob die Stadt auf den Umbau des Bereiches verzichtet. Planskizze: Stadt Bad Nenndorf

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Bad Nenndorf (rwe). Damit zielt Varwig auf den umstrittensten Teil der Kurparklösung. Die Pläne der Bremer Landschaftsarchitektin Anke Deeken sehen vor, die Fläche zwischen Hotel und Promenade freizumachen und den Asphalt größtenteils zu entfernen, um dort nach historischem Vorbild auf einer Ebene eine wassergebundene Decke mit einem Baumraster anzulegen.

Varwig sieht darin nur eine Veränderung, keine Verbesserung. Zudem führt er finanzielle und sachliche Argumente ins Feld. Doch das Kernproblem ist ein anderes. Der Planung fehlt bisher die politische Legitimation. Bereits zweimal hatte Varwig in den Sitzungen beklagt, dass weder der Rat noch ein Fachausschuss an diesem millionenschweren Beschluss beteiligt waren. Nur der nicht öffentliche Verwaltungsausschuss (VA) legte sich unter Zeitdruck im Februar auf die historische Variante fest. Vier Tage später musste die Stadt den Antrag auf EU-Zuschüsse abgeben, ohne die ein Umbau des Kurparks undenkbar wäre. Gut zwei Drittel kommen aus dem Fördertopf.

Sollte der Rat nun die Esplanade aus dem Konzept nehmen, würde dieses die Planung in ihren Grundfesten erschüttern. Der Antrag wäre vermutlich das Papier nicht wert, auf dem er steht. Der gesamte, mühevoll mit der Denkmalpflege abgestimmte Entwurf müsste überarbeitet werden. Bis zum nächsten offiziellen Termin am 15. August hätte die Stadt zwar Zeit, einen modifizierten oder neuen Förderantrag zu stellen, doch die Gefahr wächst, dass die Töpfe dann leer sind. Bei den Entscheidern der NBank dürfte das Hin und Her zudem keinen guten Eindruck machen. Gerhard Kohle vom Sanierungsträger „BaubeCon“ warnte im März im Bauausschuss sogar, bei einem Rückzieher hätte Bad Nenndorf im Wettbewerb um die Zuschüsse ausgespielt. Ob dem wirklich so ist, ziehen einige Kritiker eher in Zweifel. Für sie ist dieses Drohszenario kein Grund, das mit dem VA-Beschluss eingeleitete Verfahren einfach seinen Gang gehen zu lassen.

Allerdings stellt sich die Frage, ob Verwaltung und Politik innerhalb von zwei Monaten eine neue antragsfähige Lösung hinkriegen oder einfach die Esplanade streichen können, ohne dass der Landkreis als Denkmalschutzbehörde seine Zustimmung zurückzieht. Das ist eher unwahrscheinlich, zumal das Klima zwischen den großen Fraktionen und der Planerin mehr als gereizt ist, weil die Politiker ihre Vorgaben in dem Konzept nicht wiederfinden. Auch kreiden sie Deeken an, mit für die Zeitnot und damit für das Dilemma verantwortlich zu sein. So traf der Entwurf erst eine Woche vor der Antragsabgabe bei den Fraktionen ein, die Kalkulation lag erst zur VA-Entscheidung vor. Wenn der Rat nun den Kern des Konzeptes aufgibt, dürfte das dem ohnehin gespannten Verhältnis zur Planerin kaum zuträglich sein.

Trotz all dieser Widrigkeiten hat Varwigs Antrag gute Chancen auf eine Mehrheit. Die CDU und auch die FDP haben sich mit Blick auf die Kosten gegen die Planungen positioniert. Sie können die Argumente Varwigs weitgehend unterschreiben. Die Haltung der Gruppe WGN/Biener ist auch klar. Sie kämpfte bisher erfolgreich für die Deeken-Lösung. Ihr Sprecher Frank Steen hatte die VA-Entscheidung im Februar als historisch bezeichnet. Er selbst hatte die SPD-Mitglieder hinter verschlossenen Türen von ihrer Linie runter und mit einigen kleineren Zugeständnissen auf seine Seite gezogen.
Damit überschritten Gruppenvorsitzender Volker Busse und Co. womöglich ihre Kompetenz. Denn die SPD/Linke hatte sich intern zuvor gegen die vorliegenden Pläne ausgesprochen. Dass ihre Genossen im VA umkippten, ärgerte manche in der Gruppe, die somit heute vor einer Zerreißprobe steht. Wenn sich nur zwei Kollegen Varwig anschließen, wäre das Kurparkkonzept im Kern erledigt. Aber auch das Ansehen der Stadt und der Gruppe SPD/Linke bliebe nicht ganz ohne Schaden. Im anderen Fall bietet Varwigs Antrag dem Rat die Chance, der Planung öffentlich den politischen Rückhalt zu geben, an dem bisher viele zweifeln.


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  • Wahnsinn hoch drei Dr. Bernd Zimmermann – 23.06.10
    Das Problem ist, dass der Rat - nicht der Stadtdirektor - seit 2004 schon hätte längst tätig werden können, aber es nicht wollten.

    Nicht der "Reese" ist schuld, sondern die CDU und die SPD, die hier den Ton angeben wollen, denn die haben seit 2004 geblockt.

    Allein die Notwendigkeit der kaputten Wege zwang "nun" zum Handeln - aber das hätte alles schon längst passiert sein können.
    Seit Jahren ...
    Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Kurparksanierung ein alter Nenndorfer – 22.06.10
    Woher kommt das Ratsmitglied Fritz Varwig ? Woher nimmt er diese Arroganz, als Nicht-Nenndorfer, der den Ort hoffentlich auch bald wieder verlassen wird,über das Schicksal dieses ehemals zauberhaften kleinen Bades zu befinden. Welchen Beruf hat Herr Varwig ? Versteht er etwas von Tourismus, Kurparkplanung, Sanierung, Denkmalschutz ? Oder will er nur sein Image polieren ?
    Von dieser Sorte wimmelt es nur so im Nenndorfer Stadtrat. Man sollte
    sie alle aus dem Tempel jagen !
    Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Kurparkplanung Michael Kosian – 22.06.10
    Hilfe, jetzt hat der Ratsherr Fritz Varwig endgültigden den Durchblick verloren. Von Finanzen versteht er gar nichts. Sollte seinem Antrag entsprochen werden sind die katastrophalen Auswirkungen für Bad Nenndorf nicht vorstellbar.Die Mutter der Dummheit ist leider ständig schwanger. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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