Gemeinsam gegen Rechts: Hannover-96-Mediendirektor Andreas Kuhnt (stehend) mit Regisseur Daniel Bertram, Innenminister Uwe Schünemann, Staatsbad-Geschäftsführer Peer Kraatz und 96-Präsident Martin Kind bei der Filmpräsentation in der AWD-Arena.
Manchmal ist auch ein Martin Kind sprachlos. Dem jovialen Präsidenten des Fußballbundesligisten Hannover 96 fehlten gestern kurz die Worte, als er den Spot gegen Rechtsradikalismus kommentieren sollte. Darüber müsse er erst noch einmal nachdenken, bat er um etwas Geduld.
Nicht nur er, sondern auch viele Medienvertreter wollten den vor allem für Jugendliche konzipierten Einminüter noch einmal sehen, den der aus Hannover stammende Jungregisseur Daniel Bertram vor gut drei Wochen nachts in der AWD-Arena mit drei 96-Profis gedreht hatte (die SN berichteten).
Auftraggeber für den Spot, der auf künstlerische Art die Neonazis und Rechtsradikalen als stimmlos und einsam in einer Gesellschaft von 80 Millionen Demokraten bloßstellt, ist das Staatsbad Nenndorf. Das will als größter Arbeitgeber Gesicht zeigen gegen Rassismus und für Demokratie. Da die rechtsradikalen Veranstalter des Trauermarsches am 1. August vor allem das Internet für die Verbreitung „ihrer krankhaften Ideologien“ nutzen, habe sich das Unternehmen laut Kraatz für einen Film mit ausdrucksstarken Bildern entschieden. Dieser solle ebenfalls über die gängigen Video-Plattformen im Netz die Menschen erreichen. Mit der Präsentation des Spots morgen in der Arena schaltet das Staatsbad auch die dazugehörige Seite www.klau-braun.de frei.
Der Kampf gegen den Rechtsextremismus sei nicht nur eine staatliche Aufgabe, sondern eine für die ganze Gesellschaft, sagte Innenminister Uwe Schünemann, der die Schirmherrschaft übernommen hat. Aus dem Förderprogramm für Toleranz und Demokratie wurde durch das Land auch ein Teil des Projektes finanziert. Weitere Sponsoren sind der Landkreis Schaumburg, der DGB, die Gewerkschaft ver.di und Möbel Heinrich.
Eine politische Verantwortung sieht auch der 96-Präsident für seinen Verein. In der Satzung sei sogar festgeschrieben, sich gegen rechts zu positionieren. Deshalb habe Hannover 96 das Projekt sofort unterstützt. Dass die Spieler ebenfalls spontan zugesagt hätten, zeigt für Kind „den politisch geprägten Geist“ der Mannschaft.
Die Profifußballer Arnold Bruggink, Christian Schulz und Hanno Balitsch sind in dem Film zu sehen. Im menschenleeren Stadion rufen sie dazu auf, gemeinsam den Nazis die Farbe braun zu klauen. Schnelle Schnitte, ein markantes Klangbild und eine gespenstische Atmosphäre prägen den Spot. Auf diese Weise will der erst 23-jährige Regisseur gerade in den jungen Köpfen „etwas verändern und bewegen“. Dem aggressiven Auftreten der rechtsextremen Gruppen stelle er einen Film entgegen, der polarisiere.
Daniel Bertram hofft, die Jugend für sein kurzes Werk zu begeistern und sie dazu zu bewegen, den Spot übers Handy oder per Email an Freunde weiterzugeben. „In etwa nach dem Motto: Es ist cool, Demokrat zu sein.“ rwe
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