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Berliner Meilenstein verschwunden

Gedenkstein abgebaut Berliner Meilenstein verschwunden

 Zunächst hatte kaum jemand bemerkt, dass der Berliner Meilenstein an der Kurhausstraße verschwunden war.

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Der Berliner Meilenstein ist weg, aber in guten Händen – an seinem alten Platz kann er nicht mehr stehen.

Quelle: gus

Doch die Recherchen dieser Zeitung haben das Interesse nicht nur von Nenndorfern, sondern auch des Bundes der Berliner geweckt. Und sie haben dazu geführt, dass der Stein aufgespürt wurde. In Kürze soll er wieder zurückkehren – allerdings wohl an eine andere Stelle.

 Ein Leser hatte die Redaktion darüber informiert, dass der Meilenstein, der die Entfernung zur Bundeshauptstadt (305 Kilometer) anzeigt und von einem Berliner Bären geziert wird, nicht mehr auf dem Rasenstück neben der Kreuzung Kurhausstraße/Am Thermalbad steht. Die Vermutung lag nahe, dass das Relikt aus der Zeit der deutsch-deutschen Teilung während der Bauarbeiten im Jahr 2015 verschwunden war. Damals wurde in unmittelbarer Nähe im Auftrag der Part AG der jetzige Rewe-Komplex errichtet. Der Bund der Berlinerreagiert umgehend Beim Bund der Berliner löste diese Nachricht eine prompte Reaktion aus. Denn die Berlin-Steine werden im Bundesgebiet immer seltener.

Der Hintergrund: In der Zeit, als Deutschland noch in Ost und West geteilt war, gab es in zahlreichen Städten der damaligen BRD Ortsvereine des Bundes der Berliner. Deren Mitglieder wachten auch über die Meilensteine, die den Westbürgern, die nicht ohne weiteres in Deutschlands geteilte Stadt reisen konnten, die Entfernung dorthin ins Gedächtnis riefen. Nach der Wende schliefen die Aktivitäten der Ortsvereine nach und nach ein. Auch in Bad Nenndorf – im Jahr 2014 suchten Mitglieder des Bundes der Berliner nach Interessenten, die sich dem übrig gebliebenen Besitz des hiesigen Ortsvereins annehmen möchten. Eine Folge der Vereinsauflösungen war auch das Entfernen einiger Meilensteine, um die sich niemand mehr kümmerte und deren Sinn mehr und mehr in Vergessenheit geriet. Daher hat sich im Bund der Berliner die Initiative Denkmalschutz für Berliner Meilensteine formiert. Deren Sprecher Michael Damm wurde sofort aktiv, als er vom Verschwinden des Steins hörte, und schrieb die Part AG an, um zu erfahren, wo das Objekt abgeblieben sein könnte.

Schlechter Umgang mit der Erinnerungskultur

Erinnerung an die Teilungwach halten Auch Jürgen Stader, Kreisverbandsvorsitzender des Bundes der Berliner in Hof, reagierte entrüstet auf die Nachricht. Es sei „fast skandalös, wie man mit der Erinnerungskultur unserer deutschen Geschichte umgeht.“ Denn Stader und Damm wiesen darauf hin, dass die Steine noch immer eine wichtige Funktion erfüllen: Sie erinnern an die deutsche Teilung und damit auch an das Leid, das damit einherging. Deshalb sollen so viele dieser Relikte wie möglich erhalten bleiben. Doch die Geschichte des Bad Nenndorfer Berlin-Steins geht wohl vorerst gut aus. Die Arbeiter, die den Rewe-Komplex bauten, haben das Objekt nicht etwa entsorgt. Der Bauhof hat den Stein vorsorglich eingelagert, allerdings bislang noch nicht wieder aufgestellt, denn an der alten Stelle ist jetzt kein Platz mehr. Dennoch soll er in Kürze wieder öffentlich postiert werden, wie Stadtdirektor Mike Schmidt im Internet auf Nachfragen von Bürgern zusagte. Stader und Damm haben die Nachricht erleichtert aufgenommen. Der geeignete Ort könnte ein Rasenstück direkt gegenüber sein. Denn dort sind auch Informationstafeln der Stadt und des Schützenvereins, die bis 2015 noch Nachbarn des Meilensteins waren, untergekommen. Ein passendes Datum für die Rückkehr wäre der 18. Juni dieses Jahres, denn an diesem Tag jährt sich die Einweihung des Steins zum 40. Mal. gus

Steine

Ein Stein steht in Kabul

Weltweit gab es nach Schätzung des Bundes der Berliner gut 250 Berliner Meilensteine, wobei die große Mehrheit in Deutschland zu finden war. Die Zahl ist mittlerweile kleiner geworden, wie viele es noch sind, weiß jedoch niemand ganz genau. Auch im Ausland stehen 14 Berlin-Steine, manche sind erst vor wenigen Jahren neu platziert worden. Einer davon befindet sich kurioserweise am Flughafen von Kabul in Afghanistan. Gestiftet wurde er von der Steinmetz- und Bildhauerinnung Berlin auf Bitten der Senatskanzlei des Landes Berlin, platziert wurde er auf dem Gedenkstein der in Kabul stationierten Bundeswehreinheit.

Der Bad Nenndorfer Stein ist übrigens das Resultat einer recht engen Bindung von Berlinern zur Stadt. Denn diese war der nächstgelegene Kurort für Einwohner West-Berlins. Auch der Name Berlin-Schule rührt daher. gus

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