Jürgen Uebel vom Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“ machte sich umgehend auf, um in Erfahrung zu bringen, ob Gastronom Dietmar Seegers das überhaupt bewusst mitbekommen habe. „Mir ist wichtig zu erfahren, was sagt der Gastwirt dazu.“ Allerdings, relativierte Uebel, hätten dort immerhin 200 Leute gesessen, und es habe sicherlich viel zu tun gegeben. „Im Übrigen glaube ich nicht, dass die Flagge das ganze Spiel geschwenkt wurde.“ Er wies auch noch einmal nachdrücklich darauf hin, dass die offizielle Kriegsflagge des Kaiserreiches kein direktes Zeichen des Nationalsozialismus und nicht generell verboten ist. „Dennoch sollte man eine solche Zurschaustellung von rechter Gesinnung unterbinden, wenn das möglich ist.“ Seegers selbst konnte der Bündnis-Aktivist zwar nicht sprechen, aber dass der Chef bereits sensibilisiert war, bewies ein Blick ans schwarze Brett des Gasthauses, wo nicht nur der Zeitungsbericht, sondern auch schon eine E-Mail hing, in der auf das Problem aufmerksam gemacht wurde. „Und die Restaurantchefin hat mir auch unmissverständlich versichert, dass sie so etwas nicht haben wollen und nicht mehr dulden werden“, betont Uebel. „Ich werde Herrn Seegers fragen, ob er nicht mit einem Hinweisschild darauf aufmerksam machen kann, dass er als Hausherr solche Symbole rechter Gesinnung nicht duldet und gegebenenfalls ein Hausverbot ausspricht.“
Bei Dietmar Seegers rennt Uebel mit seinem Ansinnen offene Türen ein. „Ich bin ein sehr liberaler Mensch und kann mit Extremismus jeder Richtung nichts anfangen“, betont der Gastronom. Als Beweis habe er ein „Bad Nenndorf ist bunt“-Schild am Gebäude angebracht. „Das ist ein deutliches Bekenntnis unserer Seite, wo wir stehen.“ Da aufseiten der Organisatoren mit einem solchen Ereignis nicht gerechnet worden war, seien auch Kontrollen unterblieben. „Wie so häufig muss man aus Fehlern lernen. Bei allen zukünftigen Veranstaltungen werden wir aktiv überwachen, dass derartige Insignien nicht gezeigt werden, die haben nämlich auf einem Fanfest nichts zu suchen.“ Allerdings kritisiert Seegers auf der anderen Seite die „etwas unglückliche Berichterstattung“ der Presse: „Als Aufmacher gibt‘s einen Artikel ‚VfL sorgt für Bewegung gegen Rechts‘, und dann bringt man darunter ein Bild mit der Reichskriegsflagge, ohne im Text kritisch darauf einzugehen.“ Da sei medial eine Chance vertan worden. Auf der Homepage seines Gasthauses hat Seegers eine Erklärung veröffentlicht, um unmissverständlich klarzumachen, dass er solche Vorfälle nicht gutheiße.
„Gott sei Dank haben wir in Haste bisher keine massiv wahrnehmbare rechte Szene“, sagt Seegers. Ihm seien zwei, drei Rechtsgesinnte bekannt, wobei der einzelne Fahnenschwenker allerdings kein Aktivist gewesen sei. „Wir erkennen unsere Schweine am Gang“, wählt der Wirt ein Bild aus dem landwirtschaftlichen Bereich, um zu verdeutlichen, dass man sehr wohl ein Auge auf die Art der Klientel habe. Sollte es allerdings irgendwann eine aktive rechte Bewegung im Ort geben, „werden wir uns aktiv dagegen positionieren wie auch gegen andere extreme Bewegungen, die unsere Freiheit bedrohen“.
Im Übrigen hätten etliche Gäste gegenüber dem rechtsgesinnten Banner-Wedeler Flagge gezeigt. „Er hat die Fahne nach dem 1:0 geschwenkt – und wurde er sofort aufgeordert, sie einzupacken, was er auch gemacht hat.“ Genauso sei es nach dem Abpfiff gewesen. „Es war deutlich, dass die Menschen das nicht wollen.“
Genau solches Engagement fordert auch Grünen-Landtagsabgeordnete Ursula Helmhold: „In solchen Momenten müssen die Menschen Zivilcourage beweisen.“ Sie plädierte dafür, sich „einzumischen – wie vom Bündnis ‚Bad Nenndorf ist bunt‘ gefordert“. Solche Symbole wolle sie nirgends sehen – auch in den Medien nicht. „An der Stelle ist für mich eine Grenze erreicht“, so Helmhold weiter. Sie möchte nicht, „das so was schleichende Normalität wird“.
Das will auch Heinz-Joachim Gresel nicht, der an diesem Abend ebenfalls als Fußballfan im Biergarten des Gasthauses Seegers die WM-Übertragung verfolgte: „Ich habe das gar nicht mitbekommen, sonst hätte ich sofort den Lauten gemacht und den jungen Mann dazu animiert, seine Fahne wieder einzurollen“, sagt Gresel, der für die SPD im Samtgemeinderat sitzt. Weil er zudem auf dem Foto in der Zeitung zu sehen war, unterstreicht er noch einmal ausdrücklich: „Mit rechter Gesinnung möchte ich nicht in Zusammenhang gebracht werden.“
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Kommentare
Was soll mir das sagen, Gesicht – 02.07.10
Visage? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenAntifa Visage – 01.07.10
"Auch im Internet war die Berichterstattung über den Vorfall in Haste vor allem unter Antifa-Aktivisten ein Thema."Wie ekelhaft ist das denn?? Irgendwann bald einmal wird auch diese verdummte Gesellschaft spüren, wer ihre "liebenswerte" Freunde im "K(r)ampf gegen eine Handvoll verwirrte sind..Es Lebe der Linksfaschismus?
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Gut gemeint ist halt... tuutnichtszursache – 01.07.10
.. das Gegenteil von gut gemacht.Das Problem bei Rechtsextremismus besteht doch gerade in zweierlei Hinsicht:
1. In der Gesinnung an sich und
2. in übergriffen oder dem zum Ausdruck bringen dieser Gesinnung.
Das erste kommt auch nicht vom Himmel gefallen, sondern aus der Mitte der Gesellschaft.
Das hissen der Reichskriegsflagge ist natürlich Ausdruck rechter Gesinnung (oder was soll eine Flagge die im Krieg voran wehte, während Deutsche Menschen anderer sog. Völker töteten denn sonst sein?)!
Unterblieben ist im Artikel wieder einmal eine Aufklärung über die Bedeutung der Flagge auch im Hinblick auf Rechtsextremismus. Unkritisch wie im Artikel auch die Seegersche Gleichsetzung von rechtem und linken Extremismus aufgenommen. aAuch dieser ist natürlich verfehlt, da sie sowohl andere Wurzeln, als auch andere Ausflüsse haben.
Aber schön, dasszumindest mal der Versuch unternommen wurde sich der "Sache" anzunehmen.
SN-einfach einfach Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Endlich... Kritiker – 01.07.10
Endlich reagiert die SN auf diese "Angelegenheit". Leider aber schon wieder nicht angemessen:1) Dieser Artikel wurde zwar online gestellt, aber nach Durchschauen der Printausgabe bzw. des Epapers dort nicht mit aufgenommen. Der Leser, der nicht aufs Internet zurückgreift, bleibt somit ahnungslos und und aufgeklärt.
2) Keinerlei Entschuldigung oder Schuldeingeständnis der SN, dass man schon viel früher bzw. gleich auf die Reichskriegsflagge hätte eingehen müssen. Denn so führte das nur zur einer Verunglimpfung des Gaststätteninhabers und des Dorfes Haste sowie der gesamten Zuschauer.
Nun schweigt sich die SN im Grunde zu dem Thema tot bzw. nimmt sich der Sache halbherzig an - auch durch einen anderen Redakteur.
Berichterstattung von kompetenten Medien sieht anders aus(siehe z.B. HAZ/Spiege). Der vormals gute Ruf der SN ist spätestens nach der Formatumstellung und dem Drang zum Boulevardjournalismus (u.a. durch absurrde Überschriften wie "Fahnen-Gegner wollen Flagge zeigen") dahin. Oberflächliche Berichterstattung kann ich auch in dem Schaumburger Wochenblatt lesen, und zwar kostenlos. SN, nein danke! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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