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Brandmeister nimmt Kommunen in die Pflicht

Interview mit Friedhelm Möller Brandmeister nimmt Kommunen in die Pflicht

Seit sechs Jahren ist Friedhelm Möller Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde Nenndorf. Zum 1. März wird er sein Amt abgeben, an seine Stelle tritt sein bisheriger Vertreter Carsten Norden. Mit den SN hat der 61-Jährige über seine Zeit als Brandmeister und Aktiver gesprochen und einen Blick auf die Zukunft der Feuerwehren geworfen.

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Samtgemeinde Nenndorf. Herr Möller, Sie werden im März Ihr Amt als Gemeindebrandmeister abgeben. Was wird Ihnen wohl am meisten fehlen?
Da ich auch nach dem Ausscheiden als Gemeindebrandmeister der Feuerwehr angehören werde, bin ich mir sicher, dass mir in Bezug darauf nichts fehlen wird. Das Mehr an Zeit, dass ich dann habe, werde ich meiner Familie und meinen Enkelkindern widmen. Die werden sich darüber sicherlich freuen.

Gibt es ein Ereignis aus Ihrer Zeit als Gemeindebrandmeister, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist – im positiven oder negativen Sinne?
Das war Karfreitag 2010, ich hatte gerade die Funktion des Gemeindebrandmeisters übernommen. Auf der B 442 zwischen Helsinghausen-Kreuzriehe und Bad Nenndorf ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall. Drei Personen kamen bei dem Unfall ums Leben. Außerdem Wohnhausbrände, bei denen die Bewohner ihr Hab und Gut verloren. Positiv wird mir in Erinnerung bleiben, dass es gelungen ist, für die Feuerwehr Bad Nenndorf den Neubau des Feuerwehrhauses umzusetzen.

Nun sind Sie ja schon einige Jahre länger Feuerwehrmann als Brandmeister. Zurückblickend: Wie hat sich die Feuerwehr in den vergangenen Jahren verändert?
1971, als ich in der Feuerwehr anfing, war die Brandbekämpfung die Hauptaufgabe. Einsätze der technischen Hilfeleistung hatten in unserer Wehr eine untergeordnete Rolle, außer dass bei Hochwasser der Aue und bei Starkregen das Wasser aus vollgelaufenen Kellern gepumpt werden musste. Atemschutzgeräte waren damals in unserer Feuerwehr noch nicht vorhanden. An Sprechfunkgeräte war damals nicht zu denken. Heute sieht das ganz anders aus. Alle Ortsfeuerwehren der Samtgemeinde haben mittlerweile Atemschutzgeräte. Sprechfunkgeräte gehören zur Mindestausstattung, und die Einsätze für technische Hilfeleistung überwiegen.

Gerade in politischen Debatten wird oft die Klage laut, dass zu wenig Geld für Ausrüstung und Co. ausgegeben werde. Wie sehen Sie selbst die Feuerwehren derzeit aufgestellt? Wo steht es gut, wo hapert es?
Bei den Feuerwehren gibt es zurzeit einen nicht unerheblichen Investitionsstau. Das liegt daran, dass die Fahrzeuge der Wehren mit Grundausstattung den heutigen Ansprüchen für die Brandbekämpfung und Hilfeleistung nicht mehr gerecht werden. Ursache dafür ist die lange Lebensdauer der Fahrzeuge. Im Schnitt wird davon ausgegangen, dass die Fahrzeuge mindestens 27 Jahre einsatzfähig sind. In 27 Jahren schreitet die Technik mit großen Schritten voran. Da bedarf es erheblicher Anstrengungen, um Fahrzeuge mit einer zeitgemäßen Ausstattung zu beschaffen, die auch den zukünftigen Anforderungen genügen und entsprechend ausgestattet sind.

Und in Bezug auf den Nachwuchs?
Wir haben in der Samtgemeinde Nenndorf eine sehr gute Nachwuchsarbeit. Bereits 1967 und 1969 wurden die ersten Jugendfeuerwehren im Bereich der Samtgemeinde Nenndorf gegründet. Von den zehn Ortsfeuerwehren haben heute alle eine Jugendfeuerwehr mit zusammen 114 Mitgliedern, und achthaben eine Kinderfeuerwehr mit insgesamt 107 Mitgliedern. In einigen Jugend- und Kinderfeuerwehren werden dringend weitere Mitglieder benötigt. Andere Wehren haben 20 Jugendliche und Kinder in den betreffenden Abteilungen.
Leider ist es so, dass viele Jugendliche nach der Jugendfeuerwehr nicht zu den Aktiven wechseln, weil sie ihren Wohnort verlassen oder das Interesse verlieren. Daraus kann man aber niemandem einen Vorwurf machen, die müssen sich auch ausprobieren. Ein Problem ist für uns, wie bei anderen Organisationen und Vereinen auch, die Ganztagsschule. Die Kinder haben einfach immer weniger Zeit.

Wo werden nach Ihrer Ansicht in Zukunft die größten Herausforderungen für die Wehren der Samtgemeinde liegen?
Nach dem Niedersächsischen Brandschutzgesetz sind die Gemeinden und Samtgemeinden in ihrem Bereich dafür zuständig, eine leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen, auszurüsten, zu unterhalten und einzusetzen. Diese Forderung wird mehr oder weniger durch das Bereitstellen von finanziellen Mitteln erfüllt – je nach Haushaltslage. Aber die Kommune muss auch zusehen, dass genügend Personal vorhanden ist. Denn in Gemeinden mit Freiwilligen Feuerwehren übernehmen Bürger freiwillig Pflichtaufgaben der Gemeinden. Hier sind die Kommunen gefordert, sicherzustellen, dass auch in Zukunft ausreichend freiwilliges Personal zur Verfügung steht, das 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, von montags bis sonntags, die nötigen Stärken bereithält.
Ich weiß von einigen Ortsfeuerwehren, dass sie sich sehr engagiert um neue aktive Mitglieder bemühen. Leider führt das nicht immer zum Erfolg, und trotz Hausbesuchen bei allen infrage kommenden Einwohnern können die Bürger nicht für den Feuerwehrdienst, dem Dienst am Nächsten, motiviert werden.

Nun hören Sie zwar als Brandmeister auf, bleiben den Aktiven aber weiterhin erhalten. Zum Abschluss deshalb die Frage: Warum sind Sie selbst damals zur Feuerwehr gegangen und bis heute dabei geblieben?
Zur Feuerwehr bin ich durch meinen Vater gekommen, der zu der Zeit Gemeindebrandmeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Riepen war, und durch meinen Freund. Fasziniert hat mich, gemeinsam mit anderen Gleichgesinnten Bürgern helfen zu können, die in Not geraten sind. Später kam dann noch die Jugendarbeit hinzu. Gern habe ich mit Jugendlichen zusammengearbeitet, um mit ihnen sinnvolle Freizeitaktivitäten zu unternehmen und sie auf die Aufgaben der Feuerwehr vorzubereiten. Dazu gehören auch die Zeltlager, an denen wir teilgenommen haben und die jedes Jahr der Höhepunkt für die Jugendlichen waren.

Interview: Kathrin Klette

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