Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Die Toten sind jeden Tag in seinem Kopf

Unfallfahrer zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt Die Toten sind jeden Tag in seinem Kopf

Sieben Jahre nach dem tödlichen Unfall auf der B442 zwischen Kreuzriehe und Bad Nenndorf werden die Akten geschlossen. Wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen und fahrlässiger Körperverletzung hat das Schöffengericht jetzt einen Familienvater zu einem Jahr Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt.

Voriger Artikel
Da braut sich ’was zusammen
Nächster Artikel
Gelungene Generalprobe

Symbolbild

Quelle: Archiv

Nenndorf/Stadthagen. An jenem Karfreitag 2010 hatte der heute 37-Jährige drei Angehörige verloren. Weil dem Urteil eine Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung vorausgegangen war, dürfte die Entscheidung schnell rechtskräftig werden. Bereits im Oktober 2012 hatte das Landgericht Bückeburg eine zweijährige Bewährungsstrafe gegen einen Rentner aus Hohnhorst verhängt, der die voll besetzte Limousine der Familie damals mit seinem Sportwagen überholen wollte. Beide Männer sollen sich daraufhin eine Art Rennen geliefert haben. Der Familienvater „wollte es sich nicht bieten lassen, überholt zu werden“, wie Oberstaatsanwalt Frank Hirt glaubt.

Während der Rentner mit Tempo 140 gerade noch durch eine Linkskurve kam, geriet der jüngere Mann auf den Grünstreifen und verlor bei 120 Stundenkilometern die Kontrolle über seinen Wagen, der gegen einen Baum am rechten Fahrbahnrand prallte, bevor er zurück auf die Straße geschleudert wurde. In das Wrack krachte noch ein Motorradfahrer, der diverse Brüche erlitt. An alledem trägt der Familienvater eine Mitschuld.

Inmitten rauchender Trümmer mit totem Sohn auf dem Arm

Nahe gegangen ist das Verfahren auch Richter Kai Oliver Stumpe. „Dies ist einer der Prozesse, die ich nie vergessen werde“, bekennt Stumpe und erinnert an eine Szene, die mehrere Zeugen beschrieben hatten: „Inmitten rauchender Trümmer stand der Angeklagte mit seinem toten Sohn auf dem Arm. Es muss ein Bild des Grauens gewesen sein.“ Der kleine Junge war anderthalb Jahre alt. Auf der Stelle tot waren auch die 24-jährige Frau des jetzt Angeklagten und deren Schwester (16).

Die Absprache, wonach der 37-Jährige im Gegenzug für ein Geständnis nicht mehr als ein Jahr Freiheitsstrafe mit Bewährung bekommt, von der vier Monate wegen der langen Verfahrensdauer als bereits verbüßt gelten, hält Richter Stumpe für „eine vertretbare und salomonische Entscheidung“. Der Angeklagte habe sich massiv selbst bestraft, so Stumpe zur Begründung. Außerdem sei die Sache heute anders zu beurteilen als damals, weil der Unfall sieben Jahre zurückliege. „Mein Mandant will ein Ende finden“, erklärt Verteidiger Ralf Jordan. „Die Toten sind jeden Tag in seinem Kopf.“

Unterwegs im 200 PS-starken Roadster

Das Verfahren gegen den Familienvater war zunächst eingestellt worden. Nach der Verurteilung des Rentners wurde es wieder aufgenommen. Der Hohnhorster war an jenem 2. April 2010 mit seinem 200 PS starken Roadster als Kolonnenspringer unterwegs gewesen. Vorne in jener Kolonne fuhr der jetzt angeklagte Mann. „Dieser machte den Fehler, sich nicht nur zu ärgern, sondern ebenfalls die Geschwindigkeit zu erhöhen“, erinnerte Stumpe an den Beginn der tragischen Ereignisse.

Der Rentner war zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden, bevor daraus nach einem Prozess durch vier Instanzen eine zweijährige Bewährungsstrafe wurde. Im Gegensatz zum Schöffengericht Stadthagen gingen die Bückeburger Berufungsrichter am Ende nicht davon aus, dass der Mann im Roadster die Limousine abgedrängt hatte. ly

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg