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Samtgemeinde Nenndorf Interview mit Bauamtsleiterin Annette Stang
Schaumburg Nenndorf Samtgemeinde Nenndorf Interview mit Bauamtsleiterin Annette Stang
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00:16 25.01.2016
Annette Stang hat Barsinghausen den Rücken gekehrt, um das Nenndorfer Bauamt zu übernehmen. Quelle: gus
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Samtgemeinde Nenndorf

Frau Stang, die erste Frage könnte aus einem Fußballer-Interview stammen, aber trotzdem: Die Erwartungen an Sie sind in Bad Nenndorf groß, verspüren Sie einen gewissen Druck?

Arbeitsdruck ja, aber keinen Erwartungsdruck. Ich kenne einige wichtige Themen und habe schon einige Politiker persönlich kennengelernt. Auch meine neuen Kollegen habe ich schon getroffen, bevor ich meinen ersten offiziellen Arbeitstag hatte. Aber der Druck wird kommen, das ist klar.

Wie haben Sie sich denn auf den neuen Job vorbereitet – mit einer Ausflugsfahrt durch die ganze Samtgemeinde?

Das habe ich schon gemacht, bevor ich mich beworben habe. In Barsinghausen war ich mehrfach in Führungspositionen tätig, aber immer nur als Lückenfüller. Ich wollte dauerhaft in eine Führungsposition, deshalb meine Bewerbung in Bad Nenndorf. Vorher habe ich mir alle Orte der Samtgemeinde angesehen. Überrascht hat mich, wie selbstständig die Gemeinden sind – oft konzentriert sich ja das meiste auf die Kernstadt. Aber hier gibt es überall auch Gewerbe und ein wenig Infrastruktur.

In der Samtgemeinde gibt es ein gewisses Spannungsfeld zwischen der Kurstadt und den Nordgemeinden. Haben Sie eine Idee, wie man das abmildern könnte?

Ich habe dem Samtgemeindebürgermeister vorgeschlagen, ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept, in diesem Fall ein Samtgemeindeentwicklungskonzept, zu erstellen. Dabei wird alles in einen Topf geworfen und ganzheitlich betrachtet: Wo gibt es Potenzial für Gewerbe- und Wohnbauflächenansiedlungen, wie wirkt sich das auf Infrastruktureinrichtungen und Wirtschaftswachstum aus? Es geht darum, einzelne Planungen besser zu verzahnen und räumliche Ungleichheiten auszugleichen. Dabei spielt Bürgerbeteiligung eine große Rolle, es wird viele Workshops geben, auch in den Gemeinden, um zu erfahren, was sich die Bewohner wünschen.

So ein Konzept dürfte kaum in ein paar Wochen zu erstellen sein. Wie lange würde das dauern?

Zwei Jahre. Zunächst bedarf es aber der Überzeugung der politischen Gremien. Ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept wird von einem externen Büro erstellt, welches die Moderation und Dokumentation begleitet und Maßnahmen empfiehlt. Bei einem solch langen Prozess muss das Büro gut ausgewählt werden.

Das Verhältnis zwischen den Städten Barsinghausen und Bad Nenndorf ist nicht das beste. Über Gewerbeansiedlung wurde mehr als einmal gestritten. Wie haben Ihre Kollegen reagiert, als sie hörten, dass Sie ausgerechnet zum „Erzfeind“ wechseln?

Windenergie und Einzelhandel sind Themen, die immer Auswirkungen auf die Nachbarkommunen haben. Als Planer merkt man einfach, dass bei Einzelhandelsgroßprojekten nicht nur der eigene Bedarf gedeckt, sondern auch Kaufkraft aus der Umgebung generiert werden soll. Es hätte dieselben Auseinandersetzungen mit anderen Nachbarn gegeben, wenn dort so etwas geplant worden wäre. Das hat nichts mit Bad Nenndorf zu tun.

Nehmen wir trotzdem einmal das Beispiel des geplanten Gewerbegebiets gegenüber dem Hellweg-Markt. Manch einer hofft, dass Sie Insiderwissen mitbringen, das hilft, um dieses aus Bad Nenndorfer Sicht unschöne Projekt zu verhindern.

Einige Politiker haben diesen Witz gern gemacht: „Jetzt kaufen wir uns das Wissen aus Barsinghausen ein.“ Aber es gibt da keine Interna, alles ist öffentlich. Daraus ist ablesbar, dass es dort keinen Einzelhandel geben soll. Das ist erst einmal nur eine Flächensicherung, denn Barsinghausen möchte auch von der A2 profitieren.

Auch wenn Sie bei der Samtgemeinde angestellt sind, wird ein Großteil ihrer Arbeit auf die Stadt Bad Nenndorf entfallen. In welchen Bereichen sehen Sie dort den dringendsten Handlungsbedarf?

Ich habe mich gewundert, wie viel hier bei der Stadtsanierung verändert wurde. Das ist alles sehr wertig gemacht worden. Auch der Kurpark ist schön. Erstaunt war ich, dass viele Bad Nenndorfer das offenbar nicht so sehen. Hier ist eine Riesenleistung vollbracht worden, die Mitarbeiter waren ziemlich am rotieren. Über Geschmack lässt sich immer streiten, aber grundsätzlich ist das wirklich gut geworden.

Eine Großbaustelle sehen sie derzeit also nicht?

Im Rahmen der Sanierung eigentlich nicht. Schade ist, dass nur wenige private Eigentümer die Sanierungsmittel genutzt haben, aber noch läuft ja die Sanierung.

Im Hochbau hat die Stadt in den nächsten Jahren sehr viel vor: Rathaus, Kurhaus, Feuerwehr, Bauhof und Kindergarten. Ist es nicht etwas schade für eine Bauamtsleiterin, dass die Stadtsanierung schon so gut wie vollzogen ist?

Baulich ist man sicher fertig, aber es geht jetzt noch darum, alles weiter mit Leben zu füllen. Ich sehe auch ein touristisches Potenzial, der Kurpark ist ein Alleinstellungsmerkmal, das sicher einige Menschen in die Stadt lockt, die sonst keinen Grund hätten, hierherzukommen. Bad Nenndorf hat ja auch eine hochwertige Innenstadt, der es etwas an Geschäften fehlt. Das zu ändern, wird ein ganz schwieriges Unterfangen.

Es wird häufig gesagt, das Stadtbild Bad Nenndorfs ist verloren. Ist das auch Ihr Eindruck?

Es ist in Teilbereichen ein durchaus wildes Bild, die Stadt ist sehr dicht bebaut, es gibt nicht viele Baulücken. Da steht ein landwirtschaftlicher Hof neben einem Eingeschosser, und daneben steht wieder ein Mehrfamilienhaus. Das wird kaum zu ändern sein. Mit einem energetischen Sanierungsprogramm, das die Stadt begleiten müsste, könnte der Bestand bewahrt werden. Der Vorteil in Bad Nenndorf ist, dass man überallhin kurze Wege hat. Das ist vielleicht auch der Grund, warum viele hier gerne wohnen, alles ist schön kompakt.

Letzte Frage: Vergleichen Sie doch mal Ihren bisherigen Chef, Marc Lahmann, mit ihrem neuen Chef, Mike Schmidt.

Die Strukturen in Barsinghausen sind anders, es gibt mehr Zwischenebenen. Dadurch hatte ich in Barsinghausen nicht immer den direkten Austausch mit dem Bürgermeister. Die beiden kennen sich übrigens, sie tauschen sich auch untereinander aus. Ich habe in Barsinghausen gern gearbeitet. Meine erste Zeit in der Samtgemeinde war sehr spannend, und ich bin mir sicher, es war die richtige Entscheidung, hierher zu kommen.

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