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Interview mit Mike Schmidt

Samtgemeinde Nenndorf Interview mit Mike Schmidt

Seit November vergangenen Jahres hat die Samtgemeinde einen neuen Bürgermeister. Der 39-jährige Mike Schmidt hat in seinem ersten Jahr nicht nur selbst viel dazu gelernt, sondern auch schon einige Dinge anpacken können, wie er im Interview mit den SN berichtet:

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Samtgemeinde Nenndorf. Herr Schmidt, Sie sind jetzt im November ein Jahr im Amt. Wie war es für Sie, die Dienstwaffe gegen den Kugelschreiber zu tauschen?
Grundsätzlich ist es ja so, dass auch bei der Polizei mehr mit dem Kugelschreiber als mit der Dienstwaffe gearbeitet wird (lacht). Klar, das war ein richtiger Lebenseinschnitt, und den Polizeidienst nach 17 Jahren aufzugeben, war ein komisches Gefühl. Aber ich habe mich mehr auf die neue Aufgabe gefreut, als dass Wehmut aufkam, die alte Aufgabe zu verlassen.
Die Arbeit als Samtgemeindebürgermeister dürfte Sie aber weit mehr einspannen als die des Polizeibeamten, oder? Wie viele Stunden hat Ihre Woche eigentlich?
Zwischen 7.30 und 8 Uhr bin ich meistens in meinem Büro. An Sitzungstagen komme ich dann auch erst gegen 22 Uhr nach Hause. Aber meine Familie unterstützt mich wahnsinnig gut. Ich war auch vorher zeitlich sehr ausgelastet. 40 Stunden Polizeibeamter, 15 bis 20 Stunden Kommunalpolitiker und am Wochenende noch als DJ unterwegs.
Was waren denn rückblickend Ihre persönlichen Höhepunkte im ersten Jahr?
Da gibt es einige. Ich werde beispielsweise nie den 22. Januar vergessen. Ich hatte Geburtstag und wollte eigentlich einen ruhigen Tag verbringen. Dann klingelte das Telefon, und ich erfuhr, dass die Bäckerei Bernhard schließen will. Wir haben es dann mit vielen Beteiligten aus Politik und Verwaltung geschafft, diese Schließung und einen weiteren Leerstand zu verhindern. Da habe ich gemerkt, welchen Gestaltungsspielraum ich eigentlich habe. Außerdem war die Beschaffung der neuen Drehleiter auch eine schwierige Aufgabe. Auch da mussten viele Behörden und Institutionen überzeugt werden, dass das der richtige Weg ist. Grundsätzlich ist dieses erste Jahr wahnsinnig schnell vergangen, und ich habe wohl noch nie in meinem Leben so viel so schnell gelernt.
Auf welche Vorhaben, die Sie bereits konkret umsetzen konnten, sind Sie besonders stolz?
Darauf, dass wir die Kommunikationsstruktur verbessern konnten. Die Fronten waren mit der vorherigen Verwaltungsspitze sehr verhärtet. Ich denke, dass man gemerkt hat, dass ich vor meinen Kollegen stehe und die Vermittlerrolle übernehme, da ich auch im Vorfeld etwa mit Bürgermeistern der Mitgliedsgemeinden oder mit allen Parteien und Fraktionen spreche. Dadurch werden viele Dinge offen kommuniziert. Wir sind außerdem die Verwaltungsneugliederung schnell angegangen und haben beispielsweise ein Gebäudemanagement eingerichtet. Die Samtgemeinde beziehungsweise die Stadt halten viele Gebäude wie etwa das Rathaus, die Feuerwehren, die Wandelhalle und so weiter. Vorher gab es dafür verschiedene Verantwortlichkeiten. Jetzt kümmert sich ein zentraler Bereich darum.
Es scheint Ihnen also gelungen zu sein, den versprochenen „frischen Wind“ aufrecht zu erhalten?
Absolut. Ich stecke immer noch voller Ideen, die wir entsprechend umsetzen können. Nach einem Jahr hat sich der Personalrat öffentlich bei mir für das tolle Arbeitsklima und die positive Grundstimmung bedankt. Das vom Personalrat zu hören, hat mich schon sehr ergriffen, und es zeigt, dass wir hier im Hause auf einen guten Weg sind.
Einige Kritiker haben Ihre Kompetenzen allerdings in Frage gestellt und sprachen beispielsweise darüber, jetzt „einen DJ als Samtgemeindebürgermeister zu haben“. Wie stehen Sie dazu?
(Lacht) Damit habe ich kein Problem, da stehe ich drüber. Die Bürger haben eine extrem deutliche Entscheidung getroffen, und ich bin sicher, dass viele von denen, die diese Entscheidung getroffen haben, diese auch nicht bereuen. Jeder hat eine Vergangenheit. Und DJ zu sein auf großen Radio-Events, ist ja jetzt auch nichts, was jemanden in Misskredit bringen sollte. Im Gegenteil, durch meine Moderatorenausbildung kann ich mich vernünftig artikulieren – was man in diesem Job gut gebrauchen kann.
Sie sprachen bei Ihrem Amtsantritt davon, sich möglicherweise eine „blutige Nase“ zu holen, wenn Sie mit gewissen Vorschriften und Gegebenheiten kollidieren. Wie oft mussten Sie das Taschentuch zücken?
Tatsächlich ist es so, dass ich schon an die eine oder andere Sache ganz unbedarft rangehe. Aber glücklicherweise haben wir bisher noch keine kapitale Fehlentscheidung getroffen, die mich hart an der Nase hätte treffen können.
Na dann kann ja auch bei den kommenden Aufgaben nichts mehr schief gehen, oder?
Die Abarbeitung des einen oder anderen Wahlkampfziels steht ja noch an. Dass wir ein neues Verkehrskonzept für Bad Nenndorf brauchen, steht nach wie vor fest. Auch die Wirtschaftsförderung im Sinne von Neuansiedlung von Gewerbe ist auf meinem Programm sehr weit oben. Dort sind wir in vielen konkreten Gesprächen. Intern ist wichtig, dass wir mit dem maroden Rathaus voran kommen. Wir platzen aus allen Nähten, es ist kein Büro mehr frei. Daneben gibt es noch viele weitere Dinge wie beispielsweise den Neubau des Bauhofs oder die Ausweitung des Bürgerservice.
Und ganz nebenher müssen auch noch Flüchtlinge in Bad Nenndorf aufgenommen werden.
Das stimmt, das ist schon ein sehr großer Stressfaktor für mich und die Verwaltung. Man will zum einen den Menschen in Not helfen und zum anderen auch den Bürger nicht aus dem Auge verlieren. Das ist ein breites Aufgabenfeld, das sehr spontan zu allen anderen Aufgaben dazugekommen ist. Aber dadurch soll das innovative Tagesgeschäft nicht leiden. Ich möchte nie dahin kommen, zu sagen: Wir setzen das und das aus, weil wir uns jetzt ausschließlich um die Flüchtlingsthematik kümmern müssen.

Interview: Jan Schaumburg

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