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Kunstfaser nicht bestattet

Friedhofssatzung in Nenndorf Kunstfaser nicht bestattet

Das letzte Hemd hat keine Taschen. Und am besten auch kein Polyester. So hätte es zumindest die Samtgemeindeverwaltung gern: Im Entwurf der neuen Friedhofssatzung sollte eigentlich festgelegt werden, dass Leichenbekleidung – ebenso wie Särge und Urnen – nur aus biologisch abbaubarem Material bestehen darf. Den Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses ging das allerdings ein bisschen zu weit.

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Urnen müssen jetzt biologisch abbaubar sein.

Quelle: dpa

SAMTGEMEINDE NENNDORF. Wie viel Umweltschutz verträgt das Bestattungswesen? Um diese Frage ging es letztlich. Damit, dass Särge kein PVC und keine umweltschädlichen Lacke enthalten dürfen, waren die Politiker noch einverstanden. Auch dass die Urnen aus „leicht abbaubarem Material“ zu bestehen haben, trugen die Ausschussmitglieder noch mit. Schließlich hatte Bauamtsleiterin Annette Stang zuvor glaubhaft versichert, dass sich zunehmend Alturnen anhäufen, deren finale Entsorgung nicht ganz einfach sei.

Doch dieser Satz überspannte den Bogen: „Die Kleidung der Leiche soll nur aus Papierstoff und Naturtextilien bestehen“, heißt es in Paragraph 8 des Satzungsentwurfs. Reinhard Schulte formulierte es vorsichtig: „Ich finde diesen Satz schwierig“, sagte der Christdemokrat. Wenn sich jemand wünscht, in seinem Lieblingsanzug beerdigt zu werden, der aber zu fünf Prozent aus Polyester besteht, dann wäre es reichlich unglücklich, solch einen Wunsch per Satzung zu verwehren, erklärte Schulte. Zumal das Vergehen kaum zu ahnden sei – es würde wohl nicht einmal entdeckt.

Einigung auf Soll-Formulierung

Daher sprach er sich für eine weichere Formulierung aus: Die Kleidung sollte frei von Kunstfaser sein. Sigmar Sandmann (SPD) ging noch weiter: Der gesamte Passus gehöre gestrichen. Die Samtgemeinde trage dem Umweltschutzgedanken bereits mit dem Verbot von Kunststoffen bei Särgen und Urnen Rechnung. Imke Hennemann-Kreikenbohm (Grüne) schloss sich allerdings Schulte an. So einigte sich der Ausschuss auf die Soll-Formulierung. Wer die Einzelheiten seines Begräbnisses plant, muss jetzt also nicht zwingend die eigene Garderobe auf den Polyestergehalt hin überprüfen.

Schulte war die Sache mit der Abbaubarkeit aber ohnehin suspekt. „Wenn hier in 1000 Jahren einer Ausgrabungen macht, findet der nichts von unserer Kultur“, sagte der Christdemokrat. Höchstens die Erkenntnis, dass die Nenndorfer selbst im Tode noch große Umweltschützer waren. gus

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Kanten schaden Rasenmähern

Strittig in der Friedhofssatzung war auch eine Passage zu den Einfassungen von Reihengräbern. Die Verwaltung wünschte sich einen Rasenstreifen rund um nicht ebenerdige Kanten, damit die Mäher des Bauhofs nicht ständig Schäden davon tragen. Doch die Pflege dieser Rasenstreifen den Hinterbliebenen aufzuerlegen, war nach Ansicht der Ausschussmitglieder impraktikabel. Karl-Walter Brüggenwirth (WGN) regte an, die Gräber so eng aneinander zu legen, dass dazwischen gar nicht mehr gemäht werden muss. Das wiederum ist nach Worten Olaf Scharrers, Mitarbeiter des Rathauses, nicht möglich, weil Platz zum Ausheben neuer Gräber benötigt wird.

Der Ausschuss stimmte der Satzung nur ohne den Paragraphen zu den Einfassungen zu . gus

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