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Lernen, mit dem Wolf zu leben

Samtgemeinde Nenndorf Lernen, mit dem Wolf zu leben

Mit der Autobahn und dem Mittellandkanal ist der Landkreis Schaumburg für Wölfe als Heimat wohl nicht ganz so attraktiv, glaubt Schaumburgs Wolfsberater Florian Brandes. Dass die Tiere hier eines Tages zumindest durchziehen werden, ist hingegen sehr wahrscheinlich. Aus diesem Grund hat der Naturschutzbund (Nabu) der Samtgemeinde Nenndorf einen Infoabend unter dem Titel „Willkommen Wolf“ organisiert.

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Florian Brandes

Samtgemeinde Nenndorf. Brandes sollte einen Überblick über die Entwicklung der Wolfspopulationen in Deutschland geben und brachte dabei viel Wissenswertes über den Vorfahren der Hunde und sein Verhältnis zum Menschen zutage.

Im Jahr 2000 ließ sich ein erstes Wolfsrudel nach mehr als 100 Jahren wieder in Deutschland nieder, genauer: in Lausitz. Danach breitete sich der Wolf weiter aus, wurde erst in Mecklenburg-Vorpommern, später auch in Niedersachsen heimisch. Dort leben derzeit sieben Rudel, wovon jedes für gewöhnlich aus etwa acht Tieren besteht.

Vor allem in der jüngeren Vergangenheit bekamen Diskussionen über den Wolf einen zum Teil sehr negativen Touch, immer wieder berichteten Bürger von Wölfen, die massenweise Schafe rissen und sogar Haushunde töteten. Gerade bei letztgenanntem Punkt sei ein ganz großes Problem, dass viele Menschen einen Wolf nicht von wolfsähnlichen Hunden unterscheiden könnten.

„Es gibt weit mehr Wolfssichtungen, als es tatsächlich Wölfe gibt“, erklärte Brandes. Auch die Hinweise für Schaumburg seien bislang alle unbestätigt. Und in all den bekannt gewordenen Fällen, in denen angeblich ein Wolf einen Haushund getötet haben soll, habe sich später herausgestellt, dass es sich bei dem Angreifer in Wahrheit um einen Hund gehandelt habe.

Berichte über Angriffe auf Menschen bleiben die absolute Ausnahme, zwischen 1950 und 2000 wurden nur vier Tötungen – ohne Tollwutfälle – in ganz Europa gezählt. Trotzdem bleibt ein klares Konfliktpotenzial mit dem Menschen bestehen, weiß Brandes, und zwar wegen der Angriffe auf Nutztiere, die – ungeschützt – für einen Wolf selbstverständlich leichte Beute darstellten. Gerade für Schäfer bedeuteten die erweiterten Schutzmaßnahmen einen großen Aufwand, was eine Zuhörerin bestätigte. Und umso kleiner eine Herde, desto spürbarer die finanziellen und organisatorischen Probleme. Aus diesem Grund hat das Land Niedersachsen bereits Förderprogramme ins Leben gerufen, um die Betroffenen zu unterstützen.

„Letztlich ist das Ganze eine Generationenfrage“, befand Brandes. „Wir waren es jahrzehntelang gewohnt, ohne den Wolf zu leben, jetzt müssen wir uns daran gewöhnen, mit ihm zu leben.“ Gleiches gelte übrigens auch für Biber, Luchs und Waschbär, die ebenfalls erst seit ganz kurzer Zeit wieder in Deutschland heimisch sind. kle

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