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Samtgemeinde Nenndorf Papier zur ICE-Trasse - Wegweisend oder auf dem Weg in die Schublade?
Schaumburg Nenndorf Samtgemeinde Nenndorf Papier zur ICE-Trasse - Wegweisend oder auf dem Weg in die Schublade?
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00:21 08.02.2019
Ob ICE-Züge bald mit 230 oder noch mehr km/h durch die Nordgemeinden rasen, ist derzeit noch offen. Quelle: dpa
NENNDORF/RODENBERG

Die Nenndorfer Erklärung soll ein Positionspapier zum möglichen Bahntrassenbau zwischen Minden und Hannover sein. Der Titel soll Initiator ist der hiesige Verwaltungschef, Mike Schmidt. In diesem Pamphlet erklären die Hauptverwaltungsbeamten zwar ihre grundsätzliche Unterstützung für Infrastrukturmaßnahmen im Bahnverkehr.

Doch mit Bezug auf die Art des Gleisausbaus formulieren sie eindeutige Wünsche. Bei den Planungen sei zu berücksichtigen, dass nicht nur der zweigleisige Abschnitt zwischen Minden und Wunstorf einen Engpass auf der Hauptachse Berlin-Hannover-Rhein/Ruhr darstellt, sondern gerade auch der Bahnknoten Hannover die Leistungsfähigkeit der Gesamtstrecke begrenze.

Weiträumige entflechtung gefordert

Daher fordern die Unterzeichner „den Bund und die Deutsche Bahn AG auf, vorrangig eine weiträumige Entflechtung des West-Ost-Verkehrs über einen Aus- beziehungsweise Neubau auf der Achse Rhein/Ruhr-Soest-Paderborn-Kassel-Nordhausen- Halle/Leipzig zu prüfen“. Diese Lösung hätte aus Schaumburger Sicht den Charme, dass der Landkreis gar nicht von einem Ausbau oder einem Streckenneubau betroffen wäre. Für den Fall, dass es doch dazu kommt und hiesige Maßnahmen notwendig werden, dringen die Bürgermeister auf eine trassennahe Lösung. Dies ist auch die Forderung der Bürgerinitiative Mit Masse gegen die Trasse.

Allerdings gibt es auch Kritik an der geplanten Nenndorfer Erklärung. Manchen Beobachtern erfolgt der Schritt schlichtweg zu spät. Dies wird beispielsweise damit begründet, dass längst neue Pläne der Bahn auf dem Tisch liegen. Anstelle einer ICE-Trasse, die Geschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde ermöglicht, soll es nun gleich eine Tempo-300-Strecke für Schnellzüge sein.

Die BI Mit Masse gegen die Trasse protestierte bereits mit einer Menschenkette gegen die Bahnpläne

Eine solche wäre aber kaum trassennah zu realisieren, was bedeutet: Führen die Gleise durch Schaumburg, dann auf einer neuen Trasse, die hier niemand will. Doch eine andere Lesart der Tempo-300-Pläne ist, dass diese gar nicht unter Berührung des Landkreises Schaumburg umgesetzt werden können – weder trassennah noch trassenfern.

ICE-Strecke an der A2?

Wieder andere Vermutungen gehen da hin, dass die Tempo-300-Strecke entlang der Autobahn entstehen könnte. Dann wäre die Samtgemeinde Rodenberg auf einmal wesentlich stärker betroffen als Nenndorf. Doch Rodenbergs Verwaltungschef, Georg Hudalla, glaubt nicht recht an die Autobahn-Variante. „Das hört sich erst einmal logisch an, aber wenn man genau hinschaut, sind da doch ziemlich viele Engpässe zu überwinden. Man müsste ja praktisch jede Anschlussstelle untertunneln“, sagt Hudalla. Er glaubt, dass eher eine südlichere Variante vorgezogen wird, bei der Schaumburg außen vor bliebe.

Nichtsdestotrotz wird morgen die Nenndorfer Erklärung unterzeichnet. Es ist nicht das erste Grundsatzpapier mit Bezug zu Nenndorf. Im März 2015 hatten Landräte mehrerer niedersächsischer Kreise in der Kurstadt die Bad Nenndorfer Erklärung zum Asyl- und Zuwanderungsrecht unterzeichnet. Ein Papier, das nach seiner Verabschiedung in den Schreibtischen verschwand und kaum Widerhall auslöste geschweige denn zu einer viel zitierten Grundsatzvorlage avancierte.