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Samtgemeinde Nenndorf Studenten gehen der Burg auf den Grund
Schaumburg Nenndorf Samtgemeinde Nenndorf Studenten gehen der Burg auf den Grund
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16:33 31.08.2018
Studenten aus Hildesheim gehen der Geschichte der Heisterburg auf den Grund – buchstäblich. Quelle: pr.
Nenndorf/Rodenberg

Die Heisterburg lag Jahrhunderte in einem Dornröschenschlaf – zwar nicht unter Dornengestrüpp, aber unter Laub. „Wachgeküsst“ wurde sie in den 1880er bis 1930er Jahren, als Archäologen den Spaten ansetzten und Tore, Brunnen und Fundamente freilegten.

Damals wurden Pläne erstellt, kurze Berichte geschrieben und manche Mauern sogar ein paar Steine aufgemauert, um das Entdeckte besser sichtbar zu machen, wie Kommunalarchäologe Jens Berthold erklärte.

Nur noch wenige Wälle und Gräben der einstigen Burg sind zu erkennen

„Seitdem ist zwar kein Gras sondern Moos über die Sache gewachsen, und Laub, Äste und Erde haben fast ein Jahrhundert später die alten Grabungen bis zur Unkenntlichkeit überdeckt“, schilderte er. Heute sind kaum mehr als Wälle und Gräben des 10. und 11. Jahrhunderts zu erkennen.

Erst 2014 kam wieder Bewegung in die Forschung. Die Kommunalarchäologie hatte mit den Methoden der Geophysik einen Blick in den Boden veranlasst, bei dem Mauerverläufe erkennbar wurden, ohne dass dafür gegraben werden musste. Studenten der Vermessungskunde der Universität Hannover erstellten außerdem 2017 einen dreidimensionalen Plan der gesamten Burg. Die Daten der landesweiten Laserscan-Vermessung konnten dafür ausgewertet und in eine Karte umgewandelt werden.

Studenten aus Hildesheim untersuchten die Heisterburg

Für zwei Wochen setzten nun Studierende der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst aus Hildesheim bei diesen Grundlagen an. Zum Studium gehören praktische Erfahrungen etwa im Rahmen einer Lehrgrabung. Unter der Leitung von Markus Blaich vom Landesdenkmalamt in Hannover und gefördert von der Schaumburger Landschaft wurde mit modernen Standards die Burg erkundet. Dadurch wurden nach über 80 Jahren erstmals wieder Mauern im Inneren der Heisterburgsichtbar.

„Schon direkt unter dem Laub traten mehrere Sandsteinfundamente zutage, die eher freigefegt als freigegraben wurden“, so Berthold. Gezeichnet, vermessen und beschrieben wurden die Bauspuren von den Studenten. Mit diesen neuen Ergebnissen lassen sich Grundrisse der Gebäude innerhalb der Hauptburg rekonstruieren.

„Und damit können auch die Grabungsergebnisse der frühen Archäologen besser verstanden und interpretiert werden, die bislang viele Fragen offen ließen“, erklärte der Kommunalarchäologe.

Ergebnisse können bessere Einblicke in die Geschichte geben

Wer die Heisterburg errichtet hat und über welchen Zeitraum sie genau genutzt wurde, ist direkt nach Abschluss der Grabungen zwar noch nicht zu sagen. Die geborgenen Funde und Proben können dazu aber noch Aufschluss geben. „Das ist umso wichtiger, als die Schriftquellen nichts Entscheidendes zur Klärung beitragen“, schilderte Berthold. Dabei könne eine Burg dieser Größe nur von einem Herrscher mit überregionaler Bedeutung und Macht sowie natürlich entsprechenden Mitteln in Auftrag gegeben worden sein.

Zunächst liegt aber wieder Laub auf den Gemäuern – die Ausgrabungen wurden abgeschlossen, und zum Schutz der Mauern und des Waldes wurden die Flächen verfüllt. Die Nacharbeit an den neuen und alten Grabungsaufzeichnungen läuft aber und die Ergebnisse sollen nach Abschluss präsentiert werden.