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Trasse quer durch die Nordgemeinden

Projekt vom Bund soll ICEs quer durch Suthfeld führen Trasse quer durch die Nordgemeinden

ICEs jagen mit bis zu 230 Stundenkilometern durch Kreuzriehe und Helsinghausen, der Ort Hohnhorst ist an allen Seiten von Bahnschienen flankiert, und auf dem Rieher Sportplatz mischt sich der Lärm donnernder Schnellzüge in den Torjubel – klingt nach einem bösen Traum? Für die Samtgemeinde Nenndorf könnten diese Szenarien Wirklichkeit werden.

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Die neue Trasse soll ICEs quer durch Suthfeld schicken.

Quelle: dpa

Samtgemeinde Nenndorf. Im Bundesverkehrswegeplan sieht eines der Projekte mit höchster Dringlichkeitsstufe Gleise quer durch die Nordgemeinden vor.

Bei der Rehrener Bahnbrücke würde der neue zweigleisige Schienenstrang von der aktuellen Trasse leicht nach Süden abgeschwenkt und nahe dem Hohnhorster Wohngebiet Mathe entlang fortgeführt. Damit wäre Hohnhorst sozusagen umzingelt von Bahnstrecken. Weiter führt die geplante Trasse in Richtung Suthfeld. Die Züge – es sollen vor allem Reisezüge sein, die bis zu 230 Kilometer pro Stunde schnell sind – würden durch den nördlichen Zipfel Kreuzriehes und den südlichen Zipfel Helsinghausens rollen – nach aktuellen Planunterlagen ist dort nicht einmal eine Brücke vorgesehen. Hinter der Gemeinde schwenkt die Trasse dann leicht in Richtung Norden und quert die Autobahn.

Den Orten Kreuzriehe, Helsinghausen und Riehe würde die derzeit noch auf Abstand gehaltene Bahnproblematik, die bislang vor allem die Gemeinden Hohnhorst und Haste beschäftigte, damit auf einen Schlag ganz nah auf die Pelle rücken. Doch auch in Hohnhorst verschärft sich die Lage noch einmal. Denjenigen, die in den vergangenen Jahren südlich von Hohnhorst und nördlich von Riehe neu gebaut haben, drohen nun Gleise den Blick ins ländliche Idyll zu verstellen. Und mit der Ruhe dürfte es dann auch vorbei sein.

Einzig die Gemeinde Haste würde von der neuen Trasse profitieren, weil nur noch Nahverkehrszüge und der Güterverkehr durch den Ort fahren sollen. Doch in der Politik formiert sich bereits

jetzt ein geschlossener Protest gegen die Pläne. Dass die leidgeprüften Haster sich dabei heraushalten, ist unwahrscheinlich – schließlich erfuhr die Gemeinde vor gut zehn Jahren große Solidarität in ihrem Kampf gegen die damaligen Trassenpläne (siehe Infokasten).

„Wir bereiten derzeit eine Stellungnahme vor“, sagte Samtgemeindebürgermeister Mike Schmidt auf Anfrage. Darin werde es auch um die Verhältnismäßigkeit des insgesamt auf 1,4 Milliarden Euro taxierten Projektes gehen. Denn zwischen Bielefeld und Hannover würde sich die Reisezeit – auch dies geht aus den Unterlagen hervor – um gerade einmal acht Minuten verringern.
Der Nenndorfer Abschnitt ist Teil eines Gesamtprojektes, das im Schaumburger Land auch für den Raum Bückeburg Änderungen vorsieht.

Strecke verkürzen

Im Kern soll auf der Strecke Bielefeld-Hannover der Reiseverkehr beschleunigt werden. Unter anderem ist dafür geplant, die Zentren Minden und Wunstorf zu umgehen, damit die Strecke verkürzt und die Reisegeschwindigkeit angehoben werden kann. Wie bald das Bundesverkehrsministerium die Pläne umsetzen möchte, ist nicht ganz klar. Der Verkehrswegeplan bezieht sich auf das Jahr 2030.

„Wir müssen uns damit auseinandersetzen“, sagt Erster Kreisrat Klaus Heimann. Er verweist auf zwei Petitionen des Kreistags, die einen trassennahen Ausbau vorsehen. Insofern sei es überraschend, dass der neue Verkehrswegeplan eine trassenferne Variante beinhaltet. Heimann schränkt aber ein: Noch ist der Plan nicht beschlossen, es gibt Einspruchsmöglichkeiten. gus

„Trassenfern“ wurde zum Unwort

Angesichts der aktuellen Pläne des Verkehrsministeriums werden Erinnerungen wach – an die Jahre 2001 bis 2006, als die Losung „trassenferner Ausbau“ Haster Bürger auf die Straße trieb. Eine Bürgerinitiative wehrte sich damals dagegen, dass die Bahn Gleise an den östlichen Wohngebieten vorbei durch den Haster Wald verlegen wollte. Bürger und Politiker traten dafür ein, den Ausbau der Trasse Minden-Hannover auf vier Gleise – wenn er denn nicht zu stoppen sei – trassennah, also im Ort, zu realisieren. Ein Höhepunkt der Proteste war im September 2003 eine Demonstration mit rund 1000 Teilnehmern aus Dedensen, Holtensen, Suthfeld, Porta-Westfalica, Bückeburg und Minden in Haste. Denn der Trassenausbau betraf schon damals nicht nur die Samtgemeinde Nenndorf. 2006 wurden die Ausbaupläne zunächst eingemottet. Die BI löste sich im Jahr 2009 auf. Jetzt ist das Schreckgespenst wieder aus dem Schrank gekrochen – wenn auch in neuem Gewand. gus

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