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Chronisch krank und alleinerziehend

Krankenkasse streicht Leistungen Chronisch krank und alleinerziehend

Alleinerziehende Mutter zweier noch nicht schulpflichtiger Kinder zu sein, ist für die Betroffenen schon per se eine  Herausforderung. Wenn die Mutter dann auch noch mit einer komplizierten chronischen Krankheit geschlagen ist, wird die Kinderbetreuung zum Problem. So geht es der 27-jährigen Svenjana Kierstein aus Hülshagen, die inzwischen voll berentet und zudem in den Pflegegrad II eingestuft ist.

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Svenjana Kierstein braucht unter anderem für Sohn Lion eine Haushaltshilfe, wenn sie nach den Operationen im Bett liegen muss.

Quelle: bab

HÜLSHAGEN. Ihre Krankheit, Hidradenitis suppurativa, sei nicht nur unheilbar, sagt sie, sondern zwinge sie auch zu mehrmaligen Operationen und Klinikaufenthalten im Jahr. „Es bilden sich Knoten im Körper und wenn die nicht beseitigt werden, gibt es eine Vergiftung.“

 Wer kümmert sich um die Kinder?

2012 sei sie mit der ersten Sepsis aufgewacht. Seitdem stehen regelmäßig mehrmals pro Jahr Operationen im Tumorzentrum Minden an. Danach soll sie eigentlich strengste Bettruhe halten und durch die Einnahme von Morphium sei sie ohnehin nicht in der Lage, beispielsweise Auto zu fahren. „Wer soll sich dann um die Kinder kümmern?“, fragt sich Kierstein.

Das Tumorzentrum stelle zwar Anträge an die Krankenkasse, doch die Zahlung für eine Haushaltshilfe „ist immer abhängig von der Laune der Krankenkasse“, erzählt die Mutter. „Ich sitze mittlerweile auf Kosten von mehr als 4000 Euro“, sagt die junge Frau, die bei einer Schaumburger Krankenkasse versichert ist.

 Krankenkasse will sich nicht äußern

Zunächst hatte die Krankenkasse sogar gezahlt. Dann aber nach Aktenlage entschieden, dass Kierstein keine Hilfe finanziert bekommt. „Da habe ich sogar erst eine schriftliche Zusage bekommen und nach drei Wochen hat die Krankenkasse das widerrufen“, sagt die 27-Jährige. Die Krankenkasse will sich zu dem Fall nicht äußern. „Wir bitten um Verständnis, dass aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Angaben zum Sachverhalt möglich sind. Bei der Leistungsgewährung berücksichtigen wir den persönlichen Hintergrund, sind aber auch an gesetzliche Regelungen gebunden“, schreibt die Krankenkasse.

Anwalt: Das Problem ist kein juristisches

Für die Gewährung einer Haushaltshilfe gibt es laut der Gesellschaft Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) als juristische Grundlage den Paragrafen 38 des Sozialgesetzbuches V (SGB V) und die Satzung der Krankenkasse. In der Krankenkassen-Satzung ist laut Paragraf12 möglich, eine Hilfe zu bekommen, „wenn im Haushalt ein Kind lebt, das bei Beginn der Haushaltshilfe das zwölfte Jahr noch nicht vollendet hat“ und „wenn und solange dem Versicherten die Weiterführung des Haushaltes nach ärztlicher Bescheinigung allein wegen einer Krankheit nicht möglich ist“.

Beides trifft auf Kierstein zu, die jetzt Rechtsanwalt Dietmar Weyland aus Stadthagen hinzugezogen hat. „Es ist keine rechtliche Frage“, hat dieser festgestellt, „das Problem ist, dass die Krankenkasse andere Vorstellungen hat als die Mediziner“, sagt Weyland. „Man streitet sich hier über die tatsächliche Bewegungsunfähigkeit.“

Heike Morris, juristische Leiterin bei der UPD, rät in diesem Fall, dass sich die behandelnden Ärzte die Beurteilung der Krankenkasse beziehungsweise des MDK (Medizinischen Dienst der Krankenkassen) anfordern. Daraufhin könnten die Ärzte eine differenzierte Begründung formulieren. bab

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