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Nähe und Distanz im Ehrenamt

Flüchtlingshilfe Nähe und Distanz im Ehrenamt

Bei allem Engagement und Eifer in der Flüchtlingshilfe ist es wichtig, auch Grenzen zu ziehen und eine gewisse Distanz zu wahren.

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Referent Wilhelm Thürnau.

Lauenhagen/Landkreis. Das hat sich Christa Harms vom Diakonischen Werk Schaumburg-Lippe gedacht und eine Tagung ins Leben gerufen, zu der ehrenamtliche Flüchtlingshelfer aus dem ganzen Landkreis eingeladen waren. Das Thema: Nähe und Distanz im Ehrenamt.

„Wenn Sie nicht wären, dann würde das alles gar nicht funktionieren", sagte Harms einleitend und begrüßte Gäste aus Rinteln, Stadthagen, Seggebruch, Meerbeck und weiteren Teilen Schaumburgs, die zu diesem Anlass ins evangelische Gemeindehaus nach Lauenhagen gekommen waren.

In einer Mischung aus Vortrag, Gespräch und Mitmachübungen versuchte Wilhelm Thürnau, Superintendent im Ruhestand und erfahren im Bereich  Gesprächstherapie, den Gästen diverse Fragen zu beantworten: Wie baue ich eine vertrauensvolle Beziehung auf? Welche Ansprüche habe ich selbst an jemanden, dem ich mich anvertrauen möchte? Wie wichtig ist Empathie und wie schaffe ich es, auch mal Nein zu sagen?

Die Teilnehmer der Tagung sind in unterschiedlichen Bereichen ehrenamtlich aktiv – vom Deutschunterricht über Bewerbungstraining bis zu Familienpatenschaften.

Offen über Gefühle sprechen

Während Thürnaus Schilderungen zunächst recht theoretisch blieben, brannten den Ehrenamtlichen offenkundig allerlei Probleme aus der Praxis unter den Nägeln. Ein wiederkehrendes Problem bestehe darin, dass sich die Flüchtlinge aus unterschiedlichen Herkunftsländern manchmal einfach nicht leiden könnten, berichtete eine Ehrenamtliche und fragte: Wie kann man solche Streitereien schlichten, besonders vor dem Hintergrund von Sprachbarrieren?

 Eine andere Frau erzählte von ihren Erfahrungen als Bewerbungstrainerin. Ein junger Mann sei zu Beginn noch voller Elan an die Jobsuche herangegangen. Mit zunehmendem Misserfolg sei der Gemütszustand gekippt. Nun sei er regelrecht hilflos. „Das Gefühl geht mir auf den Keks“, gestand sie. Thürnau riet, offen über Emotionen zu sprechen. Es sei in Ordnung, wenn man mal sagt: „Das nervt mich.“ kil

 

12 Helferkreise

500 Ehrenamtliche aus 22 Gemeinden

Christa Harms kümmert sich seit rund drei Monaten um die Koordinierung der Ehrenamtlichen in der Schaumburg-Lippischen Landeskirche. Für den Bereich der alten Grafschaft Schaumburg ist Diana Ludwig zuständig. Harms war früher selbst in der Flüchtlingshilfe aktiv und arbeitet heute beim Diakonischen Werk. Sie hat Kontakt zu 22 Kirchengemeinden in denen sich etwa 500 Ehrenamtliche, verteilt auf ein Dutzend Helferkreise engagiert.

Für die Tagung in Lauenhagen hat Harms zusätzliche Unterstützung der Aktion Mensch erhalten. Ihre Arbeit empfindet sie als sehr erfüllend. „Es ist so wichtig, dass wir den Ehrenamtlichen etwas Gutes tun“, sagt sie. Denn ohne ihren Einsatz würde die ganze Flüchtlingsarbeit überhaupt nicht zu bewerkstelligen sein. Das Ehrenamt sei allerdings nicht immer nur erfüllend, sondern könne auch ein „echter Knochenjob“ sein. „Darum brauchen sie Hege und Pflege“, betont Harms. Im vergangenen Jahr habe es einen regelrechten „Hype“ in der Flüchtlingshilfe gegeben. Doch das Ende ist noch nicht in Sicht. Das gewaltige Durchhaltevermögen der Ehrenamtlichen sei beeindruckend. kil

Kontakt: harms@diakonie-schaumburg-lippe.de

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