Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Als Jeside wird man geboren

Informationsabend der Kirchengemeinde Meerbeck Als Jeside wird man geboren

Der Informationsabend in der Kirchengemeinde Meerbeck unter dem Thema „Jesidentum – Kultur und Religion“ hat Wissenswertes über eine weithin unbekannte Gruppe vermittelt. Die Konzeption der Veranstaltung hatte Vikarin Nora Vollhardt übernommen und diese mit Christa Harms, Koordinatorin für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit bei der Diakonie Schaumburg Lippe, umgesetzt.

Voriger Artikel
Feuer in Meerbeck verhindert
Nächster Artikel
Kranzniederlegung am Ehrenmal der Heringsfänger

Pastor Andreas Flick und Vikarin Nora Vollhardt führen in den Informationsabend ein.

Quelle: bab

MEERBECK. Viele Fragen wurden beantwortet, viele Fragen aber auch aufgeworfen.

Die religiöse Minderheit geriet in den Fokus der Meerbecker Vikarin, weil sie in der Gemeinde- und Flüchtlingsarbeit Angehörige dieser Religion betreut. Im Theologiestudium habe sie viel über andere Religionen gelernt, „aber Jesiden waren nicht dabei“.

Dies komme wohl auch daher, dass die Jesiden keine Buchreligion wie das Judentum, Christentum oder der Islam sei, sagte der Celler Pastor Andreas Flick, der dort Kontakte zu einer der größten Jesiden-Gemeinschaften in Deutschland hat und den Vortrag der Veranstaltung hielt. „Jeside kann man nicht werden, man wird als Jeside geboren“, berichtete er. Daraus ergebe sich, dass die Religion keinen missionarischen Eifer an den Tag lege und Jesiden untereinander heiraten. Die Schöpfungsgeschichte gehe aus von einem Schöpfergott, Engeln und sogar Adam und Eva. Zentrale Gestalt sei einer der von Gott geschaffenen sieben Engel, der durch einen Pfau symbolisiert werde. Dennoch gebe es keine Kirche oder Gottesdienste, aber heilige Stätten.

Schon die Schreibweise unterscheidet sich

Die kulturellen und religiösen Werte und Normen der geschätzten 500000 bis eine Million weltweit lebenden Jesiden zu erfassen, ist ein schwieriges Unterfangen. Das hat der Vortrag verdeutlicht. Bereits die Schreibweise des Namens ist je nach Abstammungsmythos unterschiedlich. „Yesiden“ sei ebenso gebräuchlich, Flick selbst schreibt von „Êziden“. Unter den verschiedenen Gruppen und Kasten, die es in der Religionsgemeinschaft gibt, herrschten unterschiedliche Regeln und Auslegungen. Dies wurde auch in den Berichten der snwesenden Jesiden deutlich, die von ihrem Leben erzählten und die Geschichte unterschiedlich auslegen.

„90 Prozent der Jesiden sind Kurden“, sagte Flick, der auch in den kurdischen Gebieten unterwegs war, in denen die Religion beheimatet ist. Diese seien verteilt auf ihre Hauptsiedlungsgebiete im nördlichen Irak, in Nordsyrien und in der südöstlichen Türkei. „Es gibt keine Berührungsängste zu Christen.“ Anders verhalte sich dies mit den Muslimen. Bei etlichen Begegnungen haben die Jesiden Flick gegenüber ihre Ängste ausgedrückt. In ihren angestammten Gebieten wurden die „Jesiden Opfer einer grausamen Weltpolitik“, musste Flick mit Blick auf die aktuellen Lage berichten. Auch in der Vergangenheit haben sie mehrmals unter Verfolgung gelitten. Auch grausame Schilderungen ersparte Flick den Zuhörern nicht.

Fragen der Gäste und eine Podiumsdiskussion schlossen sich an. Vollhardt und Harms waren beeindruckt von der „großen Resonanz“ auf den Abend mit rund 60 Teilnehmern, an dem Jesiden und Schaumburger sich näher kamen. Die Neugier aufeinander sei geweckt. Und so unterschiedlich die Kultur jesidischer Gruppen sei, haben sie doch eins gemeinsam: Sie seien alle zusammen trotz ihrer wechselvollen Geschichte ein „munteres, fröhliches Volk“. bab

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg