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Bewährung für die Schläger von Hiddenserborn

Prozess nach Attacke an Christi Himmelfahrt Bewährung für die Schläger von Hiddenserborn

Überraschung im Prozess um den Gewaltexzess von Bad Hiddenserborn: Obwohl Staatsanwalt André Lüth auf Freispruch plädierte (wir berichteten), hat das Schöffengericht in Stadthagen die drei angeklagten Bückeburger wegen gefährlicher Körperverletzung zu Bewährungsstrafen zwischen 15 Monaten und zwei Jahren verurteilt.

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Meerbeck/Stadthagen. Zwei Männer müssen als Auflage jeweils 1000 Euro Geldbuße zahlen, der dritte soll 100 Stunden gemeinnützig arbeiten. „Es ging nicht um eine der üblichen Kneipenschlägereien, sondern um einen äußerst brutalen Angriff“, betonte Richter Kai Oliver Stumpe.

 Mehrere Männer hatten den Praktikanten einer Gaststätte, der gegen Ende der Vatertagsfeier 2013 mit Kollegen Gläser einsammeln wollte, krankenhausreif geschlagen. Das Opfer, ein heute 26-Jähriger aus Helpsen, erlitt eine Gehirnblutung. Dennoch kam eine Verurteilung lediglich wegen gefährlicher, nicht wegen schwerer Körperverletzung infrage.

 Für Letztgenanntes, so der Richter, müsste der junge Mann als Folge der Tat auf beiden Ohren gehörlos sein. Taub geblieben ist der 26-Jährige auf einem Ohr. Außerdem geht das Gericht derzeit nicht von einer dauerhaften seelischen Beeinträchtigung aus. Beides versteht der Gesetzgeber unter schweren Folgen. Fest steht, dass der Helpser auch psychisch angeschlagen ist. Hinter ihm liegen mehrere Therapien.

 Angeklagt waren die drei Bückeburger wegen schwerer Körperverletzung. Dies ist ein Verbrechen und wird härter bestraft. Zumindest ein Angeklagter hätte bei einem entsprechenden Schuldspruch wohl ins Gefängnis gemusst, weil er wegen Gewaltdelikten vorbestraft ist. Diesmal bekam er zwei Jahre. Einen Tag mehr – und Bewährung wäre nicht mehr möglich gewesen. „Er hat uns am Nasenring durch die Manege geführt“, sagte Stumpe über diesen Mann. Allein vier Tage lang hätten sich die Beteiligten mit der Frage befassen müssen, ob der Bückeburger verhandlungsfähig sei. Weil er sich geweigert hatte, bestimmte Medikamente zu nehmen, schloss Stumpe ihn schließlich aus. Das Verhalten dieses Angeklagten berücksichtigte das Gericht strafverschärfend. Stumpe sieht darin „eine rechtsfeindliche Einstellung“.

 Gestützt hat das Gericht seine Entscheidung vor allem auf zwei Zeugenaussagen: Ein Gastwirt, damals Arbeitgeber des Praktikanten, hatte die Angeklagten im Gerichtsgebäude wiedererkannt. Nachdem mehrere Männer den jungen Mann am späten Abend des 9. Mai 2013 von einem Radlader gezogen hatten, an dessen Steuer der Gastronom saß, wollte dieser eingreifen. Er sah, wie zwei Täter das am Boden liegende Opfer noch mit Füßen traten. Der dritte Mann stand daneben.

 Eine frühere Mitarbeiterin der Gaststätte, die mit auf dem Radlader gestanden hatte, gab ebenfalls zu Protokoll, wie ihr Kollege heruntergezogen und hinter das Fahrzeug gezerrt wurde. Dann hörte sie nur noch ein Klatschen. Der Praktikant hatte zuvor mehrere Männer aufgefordert, zur Seite zu treten, der Gastwirt hatte gehupt. Als der Wirt zu Hilfe eilte, musste er mehreren Hieben ausweichen, bevor er einen Schlag von hinten rechts bekam. Die Folge war ein Kieferriss. Der Sohn des Gastwirts bekam ebenfalls Prügel, als er helfen wollte. Er erlitt einen Nasenbeinbruch. Diese Taten konnten dem Angeklagten jedoch nicht nachgewiesen werden.

 Gegen das Urteil ist noch Berufung möglich.  ly

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